Richtiges Verhalten für fußballbegeisterte Autofahrer während der WM

Vom 11. Juni bis 11. Juli 2010 findet die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika statt. Doch auch hierzulande wird das Großereignis allerorten Spuren hinterlassen – auch im Straßenverkehr. An welche Regeln müssen sich Fans beim Dekorieren ihrer Fahrzeuge oder auch beim Autokorso halten?

Anbringen von Fahnen und Schals
Nicht jeder Fanartikel fürs Auto ist uneingeschränkt verkehrstauglich. Die Ergo Versicherungsgruppe empfiehlt, ausschließlich zugelassene und geprüfte Fahnen, Schals und Wimpel zu verwenden. Es darf nicht zu Beeinträchtigungen der Verkehrstauglichkeit kommen und die freie Rundumsicht des Fahrers muss gewährleistet bleiben. Vollgeklebte Fenster, eine Flagge vor der Heckscheibe oder allzu gewagte Fahnenkonstruktionen außerhalb der Fahrgastzelle sind deshalb zu vermeiden. Sonst ist ein Verwarnungsgeld von 10 Euro möglich. Allerdings kann auch geprüftes WM-Zubehör gewissen Einschränkungen unterliegen: So sind die meisten Anklemm-Fahnen nur für bestimmte Höchstgeschwindigkeiten zugelassen und sollten vor Autobahnfahrten und auf längeren Strecken unbedingt abmontiert werden.

Grundsätzliches zu Autokorsos
Eigentlich ist unnötiges beziehungsweise unnützes Auf- und Abfahren in einer geschlossenen Ortschaft nicht erlaubt. Darauf weist der Automobilclub von Deutschland (AvD) hin. Dies kann als Ordnungswidrigkeit gewertet und mit einem Verwarnungsgeld von bis zu 20 Euro geahndet werden. Die Polizei nutzt aber erfahrungsgemäß ihren Ermessensspielraum und verhängt bei spontanen Siegesfeiern seltener Verwarnungs- oder Bußgelder, als das streng nach Straßenverkehrsordnung sein müsste. Bis zu einer gewissen Grenze toleriert die Polizei das jedoch bei spontanen Siegesfeiern und koordiniert Autokorsos auch vielerorts. Wichtig ist deshalb, den Anweisungen der Ordnungshüter Folge zu leisten. Bei allzu riskanten Manövern können die Teilnehmer eines Korsos aber wegen Gefährdung des Straßenverkehrs belangt werden.

Unmotiviertes Hupen
Das beim Autokorso obligatorische Hupen ist streng genommen ebenfalls eine Ordnungswidrigkeit – genauso wie die Lichthupe oder die Warnblinkanlage einzusetzen. Dementsprechend könnten theoretisch ebenfalls Verwarnungsgelder in einer Größenordnung zwischen fünf und zehn Euro verhängt werden. Dies tut die Polizei jedoch meist erst dann, wenn die Nachtruhe der Anwohner empfindlich gestört wird.

Geringer Sicherheitsabstand
Im Autokorso besteht ein nicht unerhebliches Auffahrunfallrisiko, man sollte immer mit unvorhersehbaren Fahrmanövern der Mitfeiernden rechnen. Deshalb empfiehlt es sich, zum Vordermann immer einen ausreichenden Sicherheitsabstand einzuhalten, um Blech- und sonstige Schäden zu vermeiden. Passiert infolge zu geringen Abstands ein Unfall, kann dies unter anderem ein Verwarnungsgeld von 35 Euro nach sich ziehen.

Gurtpflicht
Immer anschnallen – das gilt natürlich auch im Autokorso. Zudem appelliert der AvD, auf den angestammten und vorgesehenen Plätzen sitzen zu bleiben und beispielsweise zu vermeiden, sich allzu weit aus dem Autofenster zu lehnen, um etwa eine Fahne zu schwenken. Insbesondere mitfahrende Kinder sollten gesichert werden. Fehlt die Sicherung, droht ein Bußgeld von 40 Euro sowie ein Punkt in Flensburg. Auch Cabrio-Mitfahrer sollten sich nicht zu riskanten Kletterpartien verleiten lassen. Ein Sturz aus dem Cabrio beziehungsweise aus dem Autofenster oder Schiebedach kann verheerende Folgen haben. Sollte ein Cabrio mit zu vielen Personen besetzt sein, sind Bußgelder von bis zu 80 Euro sowie drei Punkte möglich.

Alkohol am Steuer
Völlig tabu ist natürlich immer Alkohol am Steuer. Wenigstens die Fahrer sollten bei der ausgelassenen Feier auf der Straße alle Sinne geschärft und optimale Reaktionszeiten haben. Bereits ab 0,3 Promille Alkohol im Blut kann sich ein Autofahrer im Verkehr strafbar machen, wenn ihm ein Fahrfehler unterläuft oder er so genannte Ausfallerscheinungen zeigt, informiert der Automobilclub. Ab 0,5 Promille am Steuer drohen Bußgelder ab 500 Euro, Punkte in Flensburg und ein Fahrverbot. Ab 1,1 Promille wird der Führerschein immer entzogen und muss nach Ablauf einer Sperrfrist neu beantragt werden.

Haftung
Theoretisch müsste jeder Autokorso als Veranstaltung angemeldet werden. Dann hätte der Organisator einen ordnungsgemäßen Ablauf sicherzustellen und auch für Schäden zu haften, die entstehen, wenn so genannte ,Pflichten gegenüber den Teilnehmern" verletzt wurden. In der Regel bilden sich Autokorsos während Fußball-WM- und EM-Turnieren jedoch spontan und unorganisiert. Insofern ist jeder Teilnehmer für sich selbst verantwortlich und haftet dementsprechend auch für sich selbst. So springt laut AvD die Haftpflichtversicherung beispielsweise ein, wenn sich ein Schal oder eine Fahne löst und dadurch ein Schaden an einem anderen Fahrzeug verursacht wird. Falls sich der Verursacher allerdings nicht ermitteln lässt, müssen die Geschädigten selbst für den Schaden aufkommen. Wurde für das betroffene Fahrzeug eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen, springt diese ein. Der Autobesitzer muss dann jedoch damit rechnen, in der Schadenfreiheitsklasse zurückgestuft zu werden und künftig eine höhere Prämie zahlen zu müssen. Je nach Schadenshöhe ist es also nicht immer sinnvoll, die Vollkaskoversicherung in Anspruch zu nehmen.

Gallery: Fahnen und Autokorsos