Projekt soll die Effizienz im Stadtverkehr steigern

Das Stehen vor einer roten Ampel ärgert nicht nur den Autofahrer, es belastet auch die Umwelt. Um den Stadtverkehr flüssiger zu gestalten, hat Audi im Jahr 2006 das Projekt ,travolution" gestartet, welches nun in seine zweite Phase geht. Den aktuellen Stand konnten wir bereits vor Ort erfahren.

Kommunizierende Ampeln
Um die Bedeutung des Projekts zu unterstreichen, macht Audi folgende Beispielrechnung auf: Wenn ein Pkw an einer roten Ampel stoppt, verbraucht er beim anschließenden Beschleunigen etwa 0,02 Liter Kraftstoff, entsprechend rund fünf Gramm CO2. Der Stadtverkehr wird in Deutschland durch etwa 60.000 Ampelanlagen geregelt. Dabei produzieren die 50 Millionen Pkw pro Jahr etwa 15 Millionen Tonnen CO2, zirka 20 Prozent ihrer gesamten Emissionen. In der nun startenden zweiten ,travolution"-Phase versetzt Audi die Ampelanlagen in die Lage, mit Fahrzeugen zu kommunizieren. Dies erfolgt per WLAN und UMTS und ist derzeit mit 15 Testfahrzeugen an 25 Ampelanlagen in Ingolstadt möglich.

Geballte Technik
Bei der Kommunikation zwischen den Ampeln und den Autos entwickelt Audi zwei Technologien: Zehn Anlagen funken ihre Signale per WLAN in die unmittelbare Umgebung, die restlichen 15 schicken diese auf einen Server, der im Alten Rathaus in der Stadtmitte platziert ist. Zur Datenübertragung dorthin dienen die bereits existierenden Erdkabel, die Fahrzeuge holen sich die Informationen per UMTS. Die 15 Versuchsfahrzeuge in Form von 13 Audi A4 allroad quattro und zwei Q5 empfangen diese Daten über ein Modul samt WLAN-Antenne sowie über eine UMTS-Datenschnittstelle. Jede Ampelanlage versendet permanent ein Paket mit Standard-Infos, in dem sie ihren Aufbau beschreibt, einen Statusbericht über die Farbe der einzelnen Lichtsignale für die jeweiligen Fahrtrichtungen und die Vorschau darauf, wie sie sich aller Voraussicht nach in naher Zukunft verändern werden.

Vorausschauendes Fahren
Aus diesen Informationen errechnet das Steuergerät im Testfahrzeug das sparsame Verhalten für den Fahrer. Audi-Vorentwickler Cornelius Menig, der das Projekt leitet, erklärt: ,Stellen Sie sich vor, Sie sind mit Ihrem A4 allroad quattro gerade 150 Meter von der Ampel entfernt. Das Licht dort zeigt Rot, wird aber in 15 Sekunden auf Grün umschalten. Wenn Sie jetzt mit 50 km/h weiterfahren, werden Sie in den letzten Sekunden der Rotphase an der Ampel eintreffen und stoppen müssen, nur um gleich darauf wieder anzufahren. Falls Sie jedoch Ihr Tempo auf 35 km/h senken, haben Sie bereits Grün, wenn Sie an der Ampel ankommen." Wir testen das in der Praxis und stellen fest, dass auf dem Display im Cockpit bisweilen widersprüchliche Angaben angezeigt werden oder keine Reaktion kommt. Allerdings weisen die Ingenieure ausdrücklich darauf hin, dass sich das Projekt noch in der Vorentwicklung befindet. Wird eine Geschwindigkeit angezeigt, mit der man noch bei Grün durchkommt, ist diese bisweilen so niedrig, dass man sich als Verkehrshindernis vorkommt.

Stopp bei Rot
Die Frage nach dem Verhalten der Autos hinter dem eigenen Fahrzeug wird bei der Funktion namens ,smartACC" besonders relevant. Diese nutzt den Radar-Tempomat. Die Ampelanlage sendet den nächsten Schaltzeitpunkt an das Fahrzeug. Der Bordcomputer berechnet daraufhin die optimale Geschwindigkeit. Wenn der Fahrer daraufhin kurz am Lenkstockhebel zieht, bringt dieser Assistent das Auto genau auf dieses Tempo. Damit wird die Haltezeit an der Ampel vermieden. Eine weitere Funktion: Das System warnt einen Fahrer, der versucht, in eine Kreuzung einzufahren, wenn die Ampel schon Gelb oder Rot zeigt oder umschaltet, während er die Haltelinie überquert. Audi hat dieses Feature vor dem Hintergrund entwickelt, dass die Behörden jedes Jahr in Deutschland fast 300.000 Rotlichtverstöße registrieren. Durch derartige Verstöße kommt es zu etwa 7.500 Unfällen mit verletzten Personen und zu etwa 100 tödlichen Kollisionen, bei denen meist Fußgänger die Opfer sind. Die Rotlicht-Warnung erfolgt je nach Situation in zwei Stufen. Stufe eins ist eine rote Leuchte im Fahrerinformationssystem, kombiniert mit einem Warnton. Auf Stufe zwei folgt ein kurzer Warnruck, das System verzögert das Auto leicht, um den Fahrer dazu zu bringen, selbst auf die Bremse zu treten. Offen bleibt hier aber, ob diese Funktion nicht die gefahr von Auffahrunfällen birgt.

Mehr Komfort
Das Projekt travolution integriert zwei weitere komfortable Dienstleistungen, das Online-Bezahlen an der Tankstelle und im Parkhaus. Die einzelnen Schritte werden in beiden Fällen im MMI-Bordmonitor visualisiert. Dort sieht der Fahrer auch, wie viele Parkplätze noch frei sind. Das Auto meldet sich per WLAN an der Zapfsäule beziehungsweise der Schranke an. Die Kredit- oder die Kundenkarte des Fahrers ist im System hinterlegt. Der Fahrer bestätigt die Bezahlung über das MMI und nach dem Tanken oder Parken wird die fällige Summe abgebucht.

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