So läufts in anderen Ländern Europas

Seit Jahrzehnten ist es ein Dauerthema in der deutschen Politik: Kommt die Pkw-Maut oder nicht? Kürzlich hatte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) eine Jahresvignette in Höhe von 100 Euro ins Gespräch gebracht. Auch im Bundesverkehrsministerium soll übereinstimmenden Medienberichten zufolge bereits an Plänen gearbeitet werden, obwohl Minister Ramsauer das noch im Februar 2011 dementierte. Ein derartiges Vorhaben stünde nicht im Koalitionsvertrag und auch nicht auf der Tagesordnung, so Ramsauer damals gegenüber der ,Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Die neuen Ideen des Ministeriums reichen von 80 Euro bis zu 365 Euro für eine Pkw-Jahresvignette.

Kritik der Verbände
Entschieden gegen eine Pkw-Maut sprechen sich die Automobilclubs aus. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) weist darauf hin, dass der Bund schon jetzt rund 50 Milliarden verkehrsspezifische Einnahmen habe, von denen aber nur gut ein Drittel zurück ins Straßennetz fließen. Seitens des ADAC sprechen die zusätzlichen finanziellen Belastungen der Autofahrer gegen eine Maut. Zudem könnten die Mauteinnahmen niemals die Kfz-Steuer kompensieren, hinzu kämen große Erhebungs- und Verwaltungskosten, die einen Teil der Einnahmen verschlingen würden. Auch das oft verwendete Ausländer-Argument stimme laut ADAC nicht: Der Anteil von Pkws aus dem Ausland auf deutschen Autobahnen beträgt nur 5,2 Prozent.

Vignette in vielen Ländern Europas
In Europa gehört Deutschland ohne Pkw-Maut mittlerweile zur Minderheit. Die meisten Staaten erheben Autobahngebühren. Unterschieden wird zwischen Ländern mit Vignetten und jenen mit streckenabhängiger Maut. Eine Vignette benötigen Autofahrer in folgenden Nationen:
- Slowenien (95 Euro/Jahr, 30 Euro/Monat, 15 Euro/Woche)
- Österreich (76,50 Euro/Jahr, 23 Euro/zwei Monate, 7,90 Euro/zehn Tage)
- Schweiz (31,50 Euro/Jahr; ab 2014 soll der Preis verdoppelt werden)
- Tschechien (49,50 Euro/Jahr, 14,50 Euro/Monat, 10,50 Euro/zehn Tage)
- Bulgarien (59 Euro/Jahr, zehn Euro/Monat, vier Euro/Woche)
- Slowakei (50 Euro/Jahr, 14 Euro/Monat, sieben Euro/Woche)
- Ungarn (430 Euro/Jahr, 49 Euro/Monat, 29 Euro/zehn Tage)
- Rumänien (28 Euro/Jahr, sieben Euro/Monat, drei Euro/Woche)

Eine Besonderheit ist die so genannte Korridorvignette in Österreich für die A 14 auf der Strecke durch den Pfändertunnel. Diese ist für den Transitverkehr zwischen Deutschland und der Schweiz gedacht. Die spezielle Vignette gilt 24 Stunden und kostet zwei Euro in eine Richtung. Für beide Richtungen werden vier Euro fällig.

Zahlen nach Bedarf
In einigen Staaten Europas wird die Maut streckenabhängig je nach befahrenem Abschnitt erhoben. Erkennbar ist dies an den Mauthäuschen zu Beginn und Ende der betreffenden Strecke. Pionier ist übrigens Frankreich, hier wurde schon 1955 die Einführung einer Pkw-Maut beschlossen. Weitere Staaten sind: Italien, Polen, Spanien, Kroatien, Türkei, Griechenland, Mazedonien, Portugal, Serbien. Die Niederlande haben ihre Maut-Pläne vorerst ad acta gelegt. In Ländern wie Norwegen sind einige Privatstraßen mautpflichtig. Auch in Deutschland gibt es schon eine ähnliche Pkw-Maut. Ein Beispiel: Seit 2003 müssen Nutzer des privatwirtschaftlich betriebenen Warnowtunnels in Rostock 2,90 Euro pro Fahrt zahlen.

Theater um Pkw-Maut