Eine Probefahrt auf zwei Rädern im futuristischen Elektromobil

Wie sieht urbane Mobilität in der Zukunft aus? Chevrolet präsentierte im Rahmen der soeben zu Ende gegangenen Weltausstellung Expo 2010 in Shanghai mit dem EN-V (Electric Networked Vehicle) Concept eine Idee, wie Fortbewegung in der Stadt im Jahr 2030 aussehen könnte. Wir konnten mit dem handlichen, einachsigen Elektromobil eine kleine Spritztour absolvieren.

Drei unterschiedliche Modelle
Der EN-V ist nur etwa 1,50 Meter kurz und 1,45 Meter schmal, was vor allem der Parksituation in den großen Städten Rechnung tragen soll. Das vorwiegend aus Kohlefaser, getöntem Lexan und Acryl gefertigte Gefährt bietet Platz für zwei Personen. Auf Staufächer und gar ein Gepäckabteil muss man allerdings verzichten. Drei verschiedene, allesamt futuristisch aussehende Modelle gibt es. Technisch sind sie aber identisch. Der ,Xiao" (bedeutet Lachen) sorgt dank seiner blauen Lackierung dem nautisch inspirierten Design für eine fröhliche Erscheinung. Der dunkel lackierte ,Miao" (Magie) übernimmt zahlreiche Merkmale aus der Unterhaltungselektronik. Beim überwiegend in Rot gehaltenen ,Jiao" (Stolz) standen Hochgeschwindigkeitszüge und chinesische Masken Pate für die Gestaltung.

Balanciert auf zwei Rädern
Das Besondere am EN-V ist, dass er sich – ähnlich wie der Elektroroller Segway – nur auf zwei Rädern fortbewegt. Um nicht nach vorne oder hinten umzukippen, balanciert sich der EN-V selbstständig aus. Angetrieben wird das E-Mobil durch je einen Doppelmodus-Elektromotor in beiden Rädern. Die Motoren beschleunigen nicht nur, sondern bremsen das Fahrzeug umgekehrt auch bis zum Stillstand ab. Die Energie für den Elektroantrieb liefern Lithium-Ionen-Batterien. Zum Aufladen der Akkus kann der EN-V an einer haushaltsüblichen Steckdose angeschlossen werden. Als Reichweite gibt der Hersteller rund 50 Kilometer an.

Steuerung wie bei einer Spielkonsole
Einen klassischen Fahrer- oder Beifahrerplatz gibt es nicht. Die Bedieneinheit, über die sich der EN-V ähnlich wie eine Spielkonsole von Hand steuern lässt, kann zu beiden Sitzen geschwenkt werden. Bis zu 50 km/h schnell ist das Gefährt. Die Fahrzeuge, mit denen wir unterwegs waren, sind allerdings auf zehn km/h begrenzt. Die zügige Beschleunigung war dementsprechend nur von kurzer Dauer. Die anwesenden Ingenieure waren um die drei Fahrzeuge ohnehin sehr besorgt – verständlich, da es nur wenige Prototypen gibt.

Fährt auch ohne Fahrer
Da der Parkplatz direkt vor der Haustür oder vor dem Büro in Zukunft wohl noch utopischer sein wird, haben sich die Entwickler etwas Besonderes ausgedacht. Der EN-V kann auch völlig autonom fahren. So kann man direkt vor einem Hauseingang aussteigen, die Fahrt zum Parkplatz übernimmt der EN-V komplett selbstständig. Den richtigen und unfallfreien Weg findet das Elektromobil mittels GPS, Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation und Abstandsmessung. Selbst Fußgänger vor dem Auto werden erkannt – der EN-V bremst und hält gegebenenfalls selbsttätig an. Das autonome Fahren funktioniert übrigens auch, wenn Passagiere im EN-V sitzen. Sie können dann Mails schreiben, Zeitung lesen oder ein Nickerchen halten.

Sensoren und Kameras steigern Sicherheit
Der Datenaustausch mit anderen Autos und Verkehrseinrichtungen soll gleichzeitig beitragen, Unfälle zu reduzieren. Mit Hilfe von Sensoren und Kameras registriert das Fahrzeug mögliche Hindernisse und soll schneller reagieren können als der Fahrer selbst. Die Verbindung der Insassen mit der Außenwelt erfolgt über eine Schnittstelle und mittels WLAN-basierter Technologien. Ob 2030 in unseren Städten tatsächlich mit dem EN-V vergleichbare Fahrzeuge zum Einsatz kommen werden, bleibt abzuwarten. Aus heutiger Sicht stellt Chevrolets Elektro-Zweisitzer aber eine denkbare Alternative für die Zukunft dar.

Gallery: Stadtauto der Zukunft?