Österreichischer Energieversorger bietet Think City zum Leasing an

Mit Elektrofahrzeugen ist es so eine Sache: Einerseits will jeder mal eines fahren, und viele wollen sogar ein Elektroauto kaufen. Andererseits ist auf dem Markt außer Elektrofahrrädern bisher kaum etwas erhältlich. In Salzburg engagiert sich nun der örtliche Energieversorger, die Salzburg AG, und bietet die begehrten Stromer an. Wir waren vor Ort, haben uns informiert und ein paar Runden mit fünf verschiedenen Elektromobilen gedreht.

Bisher nur Zweiräder, jetzt auch Autos
Ein Elektro-Fahrrad für 40 Euro, ein Elektroroller für 70 Euro und ein Segway für 210 Euro: Zweiräder konnte man schon bisher bei der Salzburg AG und ihrem Tochterunternehmen ElectroDrive Salzburg bekommen. Für das monatliche Fixum bekommt man neben dem Fahrzeug noch den Zugang zu öffentlichen Ladestationen und den Ökostrom. Nun gehen die Österreicher den nächsten Schritt und bieten auch Elektroautos vom Typ Think City an. Die monatliche Rate für das Rundum-Sorglos-Paket beträgt hier allerdings recht heftige 890 Euro netto. Das Angebot richtet sich an Gewerbekunden, also zum Beispiel den Hotelier, der Urlaubsgästen ein Wochenende in Salzburg offeriert, inklusive der Möglichkeit, ein Elektroauto zu benutzen. Für die 890 Euro erhält der Leasing-Nehmer neben dem Auto eine eigene Home-Ladestation, die gratis Strom abgibt. Die Laufzeit des Vertrags beträgt 48 Monate.

Zweisitziger Think City mit großem Kofferraum
Der City von der norwegischen Firma Think ist mit 3,14 Meter Länge ein Winzling – etwas größer als ein Toyota iQ, aber kleiner als ein Toyota Aygo. Der dreitürige Think City hat nur zwei Sitze, aber anders als etwa ein Smart Fortwo auch einen großen Kofferraum, der einen Quader von je einem Meter Kantenlänge fasst. Eine tief heruntergezogene Glasscheibe als Hecktür gewährt Zugriff auf den Inhalt.

46 PS, die sich schwungvoll fahren
Angetrieben wird das Auto von einem 34-Kilowatt-Elektromotor, die Leistung beträgt also gerade mal 46 PS. Doch der City fährt sich wesentlich schwungvoller als ein Aygo mit dem 68 PS starken Basismotor – eher wie ein Diesel, wenn auch ohne dessen Geräuschkulisse. Liegt das am hohen Drehmoment, wie man oft hört? Mit 90 Newtonmeter hat der City nicht mehr als unser Aygo 1.0. Die Maximalkraft steht beim Elektromotor schon ab null km/h zur Verfügung, während der Aygo sie erst ab 3.600 Touren bietet. Man kann also das gleiche Drehmoment genießen, wenn man den Aygo etwas hochdreht und dann erst die Kupplung kommen lässt. Seltsam, aber der City kommt uns trotzdem flotter vor. Vielleicht liegt es am unterbrechungslosen Beschleunigen, denn beim City muss man nicht schalten. Nach dem Hochfahren des Systems per Zündschlüssel – wie früher bei Dieseln dauert es etwas, bis die Komponenten einsatzbereit sind – legt man wie bei einer Automatik einfach den D-Modus ein und fährt los. Zugkraftunterbrechungen gibt es beim Beschleunigen keine. Oder kommt das gute Elektro-Gefühl vom leisen Sirren, das hier anstelle des angestrengt arbeitenden Aygo-Dreizylinders tritt?

Ein Kleinstwagen für 44.000 Euro
Egal, der Ampelstart und das fast geräuschlose Loszischen macht mit dem City viel Spaß. Auch die geringe Länge prädestiniert den City – nomen est omen – für die Stadt. Die Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h reicht allerdings auch noch für eine gelegentliche Landstraßenfahrt. Ein Schwachpunkt der meisten Elektroautos ist die Reichweite. Beim City liegt sie bei 160 Kilometer – unser Aygo schafft laut Hersteller über 700 Kilometer mit seinem 35-Liter-Tank. Der City besitzt stattdessen eine Natrium-Nickelchlorid-Batterie, die in Fachkreisen als Zebra-Batterie bekannt ist und hier etwa 23 bis 24 Kilowattstunden fasst. Der zweite Schwachpunkt heutiger Elektroautos neben der Reichweite sind die Kosten. In Österreich kann man den Think City bei der Firma Denzel für 44.000 Euro kaufen. Dafür bekommt man beispielsweise auch eine Mercedes E-Klasse mit Dieselmotor. Für solche Liebhaberpreise werden sich Elektroautos kaum verkaufen lassen. Doch wenn man sich nur das Auto ansieht, so fährt sich der City deutlich angenehmer als ein gängiger Kleinstwagen.

Erlebnis Tesla Roadster
Wir steigen um in den Tesla Roadster. Den kann man zwar in Salzburg nicht leasen, dafür aber in Deutschland schon kaufen, nämlich im Tesla-Laden in München. Hier zahlt man rund 100.000 Euro, bekommt aber auch einen Sportwagen, der auf der Lotus Elise basiert und 292 PS unter der Haube hat. Hier stehen bis zu 400 Newtonmeter zur Verfügung, und der Sprint auf Tempo 100 dauert je nach Version nur 3,7 bis 3,9 Sekunden. Damit benimmt sich das Auto wie ein Geschoss: Wir legen unsere Kompaktkamera in ein Fach neben dem Lenkrad, und sie fliegt uns natürlich sofort entgegen, als wir Vollgas geben. Gleichzeitig fühlen wir uns nach vorn geschleudert und müssen sehen, wie wir mit der servolosen Lenkung die Richtung halten.

Segway, E-Rad und E-Roller
Ein Erlebnis ganz anderer Art steht uns beim ersten Kontakt mit dem Segway bevor: Als wir auf das seltsame Zweirad steigen, bei dem die Räder nebeneinander statt hintereinander stehen, können wir erst gar nicht glauben, was man uns sagt. In fünf Minuten sollen wir damit fahren können wie ein Profi? Aber es stimmt, wir kurven ein paarmal langsam, dann immer schneller, und nach wenigen Versuchen können wir Kreise vom Umfang eines Kanaldeckels fahren. Dennoch: Vertrauter ist uns das Elektrofahrrad, auf das wir als Nächstes steigen. Und obwohl es für uns nicht das erste Mal ist, genießen wir den Zusatzschwung, den einem der hier 250 Watt starke Elektromotor in der Vorderradnabe verleiht. Bis zu einem Tempo von 25 km/h hilft das Aggregat, und wer schneller fährt, braucht wohl auch kein E-Fahrrad. Dasselbe gilt für Radler, die öfter mehr als 70 Kilometer weit fahren, denn das ist die angegebene Reichweite. Wer mehr Tempo und Reichweite will, kann den Elektroroller nehmen. Im von uns gefahrenen Modell IO Florenz arbeitet ein Vier-Kilowatt-Motor, der bis zu 45 km/h erlaubt. Die Reichweite liegt bei 80 Kilometer.

Bald auch Elektro-Smart und mehr
Ob Segway, Elektrorad oder E-Roller: Elektrofahrzeuge machen viel Spaß. Als ersten Schritt vom Zweirad zum Vierrad hat die Salzburg AG nun hundert Stück vom Think City bestellt. Nach Angaben des Unternehmens gibt es schon 70 Anfragen dafür. Aus rechtlichen Gründen sind derzeit nur Kunden mit Wohnsitz in Österreich leasingberechtigt, doch das soll sich bald ändern. Und der Think City wird nicht das letzte Angebot bleiben: Ab Ende 2010 oder Anfang 2011 sollen auch andere Elektroautos per Leasing zu haben sein, wie der Citroën C-Zero, der Mitsubishi i-MiEV oder der Elektro-Smart.

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Dreiphasen-Asynchron-Elektromotor (34 kW/46 PS, 90 Nm) 
Fahrwerk
Wendekreis in m 9,0 
Maße und Gewichte
Länge in mm 3.143 
Breite in mm 1.658 
Höhe in mm 1.596 
Radstand in mm 1.971 
Leergewicht in kg 1.038 
Zuladung in kg 194 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter ca. 1.000 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 110 
Weitere Informationen
1/moreName Natrium-Nickelchlorid-Akku (Zebra), 22,8-24,0 kWh 
2/moreName ca. 10 Stunden bei 230 V / 16 A 
3/moreName ca. 160 km 
4/moreName ca. 6,5 sec. 
5/moreName ca. 3 Euro pro 100 km 

Elektromobil in Salzburg