Wir haben uns bereits einen exklusiven Eindruck verschafft

Es ist eine Szene mit Symbolcharakter: Im BMW-Museum stehen der Mini E, welcher in Rekordzeit die Nürburgring-Nordschleife umkurvte und die legendäre Isetta friedlich nebeneinander. Wenige Meter entfernt zeigt BMW-Designchef Adrian van Hooydonk uns die ersten Entwürfe des für 2013 angekündigten ,Megacity Vehicle" und erklärt, wie er Emotionalität und Nachhaltigkeit, also gewissermaßen den Mini E und die Isetta miteinander kombinieren will.

Schick für die Stadt
Das sichtbare Ergebnis macht bereits einen dynamischen Eindruck, ohne allerdings konkret zu werden. Die Designfindungsphase ist eben noch nicht endgültig abgeschlossen. Einige Eckdaten des Gefährts, welches nicht als BMW auf den Markt kommt, sondern unter einer so genannten ,Submarke", sind aber bereits bekannt: Größenmäßig wird das Megacity Vehicle, kurz MCV, zwischen VW Polo und VW Golf liegen, also ungefähr vier bis 4,10 Meter lang sein. Umfragen von BMW haben ergeben, dass sich die potenziellen Kunden vier vollwertige Sitze wünschen, daher das recht üppige Format. Sowohl der Elektromotor als auch der Antrieb befinden sich im Heck, Sicherheitsgründe plus die obligatorische ,Freude am Fahren" gaben den Ausschlag für diese Konfiguration, zudem soll es zwei Kofferräume geben.

Elektroauto mit Hindernissen
Bis zum Marktstart im Jahr 2013 wird indes noch viel Wasser die Isar hinabfließen, BMW nennt denn auch einige Gründe für die Wartezeit. Die größte Herausforderung sei die Weiterentwicklung des Energiespeichers. Noch lässt sich in einer Batterie nur eine begrenzte Menge Energie speichern, die Energiedichte des Zellenverbunds ist vergleichsweise niedrig. Das Gewicht des Energiespeichers ist der zweite reichweiteneinschränkende Faktor. Hier greift die Idee des Leichtbaus.

Versuchsträger mit bekannter Optik
Alle diese Ideen entstehen im so genannten ,project i", einer 2007 gegründeten Abteilung im BMW-Konzern, die unkonventionell arbeiten darf und soll. Ihr Ziel ist die Entwicklung nachhaltiger und zukunftsweisender Mobilitätskonzepte. Der erste Schritt von ,project i" war der Mini E, mit dem BMW im Flottenversuch interessante Erkenntnisse über die Alltagsnutzung eines Elektroautos gewonnen hat. Studien zeigen, dass sich über 90 Prozent der Teilnehmer durch die durchschnittliche Reichweite von 150 Kilometern in ihrem gewohnten Mobilitätsverhalten nicht beeinträchtigt fühlen. Auch die Ladezeiten stellen keine Einschränkung dar. Unter dem Strich würde ein Megacity Vehicle mit etwas größerer Rechweite und einem erweiterten Platzangebot die Bedürfnisse von Großstädtern fast zu 100 Prozent abdecken. Einen Schritt weiter geht das auf dem 1er Coupé basierende Concept ActiveE. Ab 2011 wird damit der Antrieb des MCV erprobt. Seine Eckdaten: 125 Kilowatt entsprechend 170 PS und ein maximales Drehmoment von 250 Newtonmeter. 192 Lithium-Ionen-Zellen in 25 Modulen ermöglichen eine Reichweite von rund 160 Kilometer im Alltagsbetrieb. Die Zellen stammen aus dem Joint-Venture SB LiMotive mit Bosch und Samsung, allerdings liegt der Hauptteil bei der Entwicklung vom Energiespeicher, dem elektrischen Antrieb und dem Fahrwerk bei BMW, um eine markentypische Ausprägung zu erhalten.

Runter mit dem Speck
So schön der Elektro-1er ist, ein Hauptproblem bleibt das Gewicht, denn er wiegt 350 Kilogramm mehr als ein 120d Coupé, was zu Lasten der Reichweite geht. Zudem ist das Fahrzeug eine so genannte ,Conversion", also der Elektro-Umbau eines Autos, das dafür eigentlich gar nicht vorgesehen ist. Das Megacity Vehicle wird hingegen von Grund auf neu konstruiert. Den Aufbau des MCV bezeichnet BMW als ,LifeDrive"-Konzept. Dahinter verbergen sich zwei horizontal getrennte, unabhängige Module. Das Drive-Modul in Form des Chassis bildet das stabile Fundament und integriert Batterie, Antrieb sowie Strukturfunktionen. Das absolute Highlight ist allerdings das Life-Modul. Um das Mehrgewicht der Batterie auszugleichen, besteht es hauptsächlich aus einer hochfesten und sehr leichten Fahrgastzelle aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, kurz CFK. Bekannt ist das Material aus der Formel 1, wo es den Fahrern das Überleben sichert. Wir bekommen erste Versuchsträger der Fahrgastzelle zu sehen, die beim Crash vollständig intakt bleibt. Auch bei einem Pfahlcrash von der Seite beeindruckt das Ergebnis: Der Pfahl dringt nur geringfügig ein. Für zusätzliche Sicherheit bei einem Front- oder Heckaufprall sorgen Aluminiumstrukturen, während die Batterie günstig im Unterboden untergebracht ist. Billig dürfte das ab 2013 in Leipzig gefertigte MCV nicht werden, als Erstkunden sieht BMW konsumorientierte Kunden mit Nachhaltigkeitsanspruch. Auf gut Deutsch: Besserverdiener, die im Bio-Supermarkt einkaufen.

Geduld ist gefragt
Ob es bei der Ausprägung des MCV als Viersitzer bleibt, ist offen, denkbar und möglich sind diverse Karosserieaufbauten, die zu einer Modellfamilie führen könnten. Auch muss es nicht beim rein elektrischen Antrieb bleiben, erwägt wird ein so genannter ,Range Extender". Dieser kleine Verbrennungsmotor würde zwischen 20 und 30 Kilowatt elektrische Leistung zur Verfügung stellen, um das gewünschte Fahrprofil beibehalten zu können. Langfristig setzen die BMW-Entwickler jedoch klar auf die Weiterentwicklung der Batterietechnik, weltweit rechnet man im Jahr 2020 mit einem Neuzulassungsanteil von fünf bis 15 Prozent elektrischer Fahrzeuge. Ob das dann wirklich die Umwelt rettet oder die Probleme nur verlagert, zeigen folgende Zahlen: Der Anteil des Straßenverkehrs an denn weltweiten Emissionen von Treibhausgasen beträgt laut einer Statistik der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2007 9,7 Prozent, während Energieerzeuger mit 25,9 Prozent in der Kreide stehen.

BMW unter Strom