RWE und Sixt setzen Münchens Straßen unter Strom

Der Autovermieter Sixt und der Essener Energieversorger RWE starten die Vermietung von Elektrofahrzeugen in München. Kunden können ab sofort zwei unterschiedliche Elektro-Fahrzeuge anmieten: den Karabag 500 E auf Basis des Fiat 500 sowie den Micro-Vett Fiorino auf Basis des Kleintransporters Fiat Fiorino. Dazu baut RWE die Ladeinfrastruktur in der bayerischen Metropole aus: So wurden drei neue Strom-Ladesäulen mit sechs Ladepunkten an Sixt-Stationen in Betrieb genommen.

Elektro-Fiat 500 für 59 Euro am Tag
Das Angebot ist in München zunächst für rund drei Monate erhältlich. Damit soll die Alltagstauglichkeit von Elektroautos und die Kundenakzeptanz getestet werden. Die Fahrzeuge werden nach ihrem Einsatz in München noch in Hamburg, Dresden und Berlin zur Verfügung stehen. Zuvor war das Angebot bis Ende Juni in Essen erhältlich. Der Mietpreis für den Karabag 500 E beträgt 59 Euro pro Tag, für den Micro-Vett Fiorino E 79 Euro pro Tag inklusive aller Kilometer. Hinzu kommen Stromkosten von vier Cent pro Kilometer.

München erhält weitere Ladesäulen
Die Ladesäulen sind an den Münchner Sixt-Stationen Ingolstädter Straße 172, Amalienburgstraße 25 und Friedenstraße 22a eingerichtet worden. RWE hat bisher bereits zwei Ladesäulen mit vier Ladepunkten in München aufgebaut. Darüber hinaus wird eine weitere Ladesäule mit zwei Ladepunkten an der Sixt Hauptverwaltung in Pullach installiert, damit auch Sixt-Mitarbeiter Elektro-Erfahrungen sammeln können.

Bundesweites Netz von Ladestationen
Seit Herbst 2009 baut RWE eine Infrastruktur mit Ladestationen in allen deutschen Großstädten auf. Bisher wurden über 360 Ladepunkte in über 40 Kommunen installiert – Ende 2010 sollen es 1.000 sein. Die E-Fahrzeuge, die es bei Sixt zu mieten gibt, verfügen über Navigationsgeräte, die alle RWE-Ladesäulen in Deutschland anzeigen können.

Elektro-Fahrzeuge für ein breites Publikum
Carolin Reichert, Leiterin Elektromobilität bei der RWE Effizienz GmbH, sagte anlässlich der Projektvorstellung in München: ,Mit diesem Angebot machen wir Elektrofahrzeuge zu einem frühen Zeitpunkt einem breiten Publikum zugänglich. Jedermann kann sich von dem Fahrspaß, den E-Autos bieten, und dem Komfort unserer Ladestationen überzeugen." Detlev Pätsch, Vorstand Operations der Sixt AG, ergänzte: ,Gemeinsam mit RWE prüfen wir die Tauglichkeit dieser Autos im Alltag. Unsere Kunden haben nun die Chance, eigene Erfahrungen mit dieser Antriebstechnologie zu machen."

Trendsetter Sixt
Pätsch betonte, dass Sixt schon immer für Innovationen in der Autovermietung stehe. So sei man Ende der 1980er-Jahre der Erste gewesen, der massiv Autotelefone in seinen Fahrzeugen anbot, immerhin zu einer Zeit, als es noch keine Handys gab. Auch bei Navigationssystemen habe man Trends gesetzt und sei mit einer Rate von 50 Prozent fest eingebauten Navigationssystemen in seinen Vermietfahrzeugen in der Branche führend. Die aktuelle Innovation sei nun das Elektroauto, wenn auch Deutschland noch nicht flächendeckend bedient wird, sondern nach Essen erstmal München dran ist. Aber Sixt wolle lernen, wie man mit den Autos umgeht und wie die Kunden das Angebot annehmen.

Kostengünstiger Betrieb von E-Autos
Ein Vorteil bei den E-Autos sei, dass für den Betrieb nur vier Euro pro 100 Kilometer an Stromkosten anfallen, während konventionelle Kleinwagen in der Stadt acht Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen und so Kosten in Höhe von 11 Euro verursachen. Elektro-Auto fahren sei ist aber nicht nur billiger, sondern macht wegen der guten Beschleunigung und der Geräuscharmut auch Spaß, was diese Redaktion bestätigen kann.

Zuverlässiger Betrieb der E-Autos
Der Start der E-Auto-Innitiative von Sixt und RWE in Essen hat laut Pätsch gezeigt, dass die Fahrzeuge sehr zuverlässig seien. Zum Einsatz kommen Fiat-Modelle, die nachträglich von der Firma Karabag zu Elektroautos umgebaut werden. E-Fahrzeuge bekannter Automobilhersteller seien zur Zeit am Markt noch nicht verfügbar. Sie würden laut Pätsch lediglich in geschlossenen, von den Herstellern ,kontrollierten" Benutzergruppen getestet. Sixt sei da mutiger und wage sich direkt an den Markt. In Essen hätten sich zwei Kundengruppen gezeigt: Zum einen Kaufinteressenten der Fahrzeuge, die mit mehrtägigen Mieten die Fahrzeuge ausgiebiger erproben wollen als bei einer gewöhnlichen Händler-Probefahrt und zum anderen Firmen, die sich aus Marketing- oder Nachhaltigkeitsgründen für Elektroautos interessieren. Des Weiteren spreche man mit Car-Sharing-Projekten.

Normalmieter meist noch skeptisch
Pätsch berichtete, dass ,normale" Mieter von Kleinwagen eher nicht für die E-Autos begeistert werden konnten: ,Solche Mieter wollen meist kein E-Auto, weil sie sich über die zurückzulegenden Kilometer nicht im Klaren sind". Die beiden Fahrzeugtypen, die eine Reichweite von je zirka 100 Kilometer aufweisen, seien in Essen im Schnitt jeweils 127 Kilometer an ein bis zwei Tagen gefahren worden. In der Regel habe es also eine Aufladung pro Anmietung gegeben. Probleme seien dabei nicht aufgetreten.

Ökologisch zertifizierter Ladestrom
Carolin Reichert von RWE ergänzte, dass das umweltfreundliche und trendige München einen perfekten Standort für E-Auto-Aktivitäten böte. Man wolle einer breiten Masse zu einem frühen Zeitpunkt Elektroautos zugänglich machen, ehe im Jahr 2011 mit einem größeren Fahrzeugangebot seitens der Automobilhersteller zu rechnen ist. Die Strategie von RWE sei, alle Metropolen in Deutschland mit ökologisch zertifiziertem Ladestrom auszustatten. Bis Ende 2010 seien 1.000 Ladepunkte geplant. Aber auch in der Fläche arbeite man mit diversen Stadtwerken zusammen, um eine Infrastruktur aufzubauen.

2,5 Millionen Elektroautos bis 2020
Im Übrigen erwartet Reichert, dass bis zum Jahr 2020 2,5 Millionen Elektroautos in Deutschland zugelassen sein werden, mit einem Neuzulassungsanteil von 20 bis 25 Prozent, während zum Beispiel die Bundesregierung bei ihren Planungen nur von einer Million E-Autos in 2020 ausgeht.

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