Forscher wollen leichten Kleinstwagen mit Elektroantrieb entwickeln

Schon in naher Zukunft steht Öl möglicherweise nicht mehr in ausreichendem Maße und zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung. Daher gehört dem Elektroantrieb die Zukunft. Gleich 20 Lehrstühle des Wissenschaftszentrums Elektromobilität (WZE) der Technischen Universität München haben sich zusammengeschlossen, um an einer Fahrzeugstudie zu zeigen, wie ein Elektroauto aussehen könnte. Das Projekt trägt den englischen Namen Mute – auf Deutsch heißt das "gedämpft, leise".

Kleinstwagen mit 20 PS
Die Forscher setzen auf eine Minimierung des Fahrzeuggewichts, einen geringen Rollwiderstand und eine gute Aerodynamik – so bleiben Akku, Elektromotor und Leistungselektronik bezahlbar. Das Mute-Team entwickelt daher ein Kleinfahrzeug der Zulassungsklasse L7E. Das maximale Leergewicht beträgt hier 400 Kilo, die Antriebsleistung darf 15 kW oder 20 PS nicht übersteigen. Das Elektrofahrzeug ist mit 3,35 Meter Länge etwas kleiner als ein Toyota Aygo. Auch der Radstand von 2,10 Meter ist etwas geringer. Als Energiespeicher wird ein Lithium-Ionen-Akku eingesetzt. Um die Reichweite zu erhöhen, könnte zusätzlich eine Zink-Luft-Batterie verwendet werden. Dieser wenig bekannte Typ wird wegen seiner hohen Energiedichte für die Energieversorgung von Hörgeräten benutzt. In der Regel werden Zink-Luft-Zellen für Einwegbatterien verwendet, aber auch eine Wiederaufladung ist möglich.

120 km/h Höchstgeschwindigkeit
Eine Torque-Vectoring-Einheit soll die Fahrsicherheit verbessern. Trotz der geringen Leistung versprechen die Entwickler eine sportliche Beschleunigung und eine Höchstgeschwindigkeit von immerhin 120 km/h. Lokal ist das Fahrzeug emissionsfrei. Betrieben mit dem heutigen deutschen Strommix soll das Auto 42 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Zum Vergleich: Das konventionell betrieben Fahrzeug mit dem geringsten CO2-Ausstoß, der Smart mit 0,8-Liter-Diesel, emittiert 86 Gramm.

Car-on-Demand und Kopplung mit Nahverkehr
Für Sicherheit sollen leichte und kostengünstige CFK-Crashsysteme und Airbags sorgen. Eine Mobilfunkanbindung des Fahrzeugs an einen zentralen Server ermöglicht es, IT-basierte Mehrwertdienste anzubieten, zum Beispiel Verkehrslagedaten, eine energieoptimale Routenführung, eine adaptive Reichweitenprognose oder eine flexible Anpassung der Ladestrategie. Auch die organisatorische Seite wird im Rahmen des Mute-Projekts erforscht. Dabei geht es um Konzepte für den individuellen Transfer zwischen zwei Orten (Car-on-Demand) und um die Kopplung von öffentlichem Nahverkehr und Elektrofahrverkehr.

Präsentation auf der IAA 2011
In den kommenden zwölf Monaten soll die Studie den Stand eines serienfähigen Prototyps erreichen. Im Herbst 2011 will man eine fahrbare Version auf der IAA in Frankfurt vorstellen. Danach sollen Industriepartner das Auto zu einem marktfähigen Angebot weiterentwickeln.

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