BMW-Assistent bremst Autos und macht Motorräder zur auffälligen Lightshow

Beim Abbiegen und Wenden kommt es mitunter zu brenzligen Situationen: Einmal nicht aufgepasst, und schon knallt es. Die BMW-Forschung erprobt daher im Rahmen des europäischen Förderprojekts ,Intersafe 2" eine neuartige Fahrerhilfe. ,Mit dem Linksabbiegeassistenten haben wir ein System entwickelt, das den Fahrer beim Linksabbiegen unterstützt, indem es vor dem Übersehen entgegenkommender Verkehrsteilnehmer warnt und Kollisionen durch einen automatisierten Bremseingriff vermeidet", so Projektleiter Arne Purschwitz.

Mit Laserscannern
Das Prinzip des Linksabbiegeassistenten ist einfach: Die Sensorik im Fahrzeug – derzeit dient ein BMW 5er als Versuchsträger – soll sowohl die Abbiegespur als auch den Abbiegewunsch des Fahrers erkennen. Zunächst wird die Position bestimmt. Dies gelingt mit Hilfe des Navigationssystems und durch eine Kamera, welche die Abbiegespurmarkierungen und die Spurbegrenzungen registriert. Drei Laserscanner erfassen dann den Raum vor dem Fahrzeug über eine Distanz von 100 Meter.

Automatisches Bremsen
Aufgespürt werden Autos, LKW und Motorräder. Wird nahender Gegenverkehr erkannt, während das Auto in die Kreuzung rollt, bremst der Linksabbiegeassistent ohne zeitraubende Vorwarnung das Fahrzeug ab. Dies funktioniert bei Geschwindigkeiten von bis zu zehn km/h. Gleichzeitig hört der Fahrer ein Signal, Symbole in den Instrumenten und im Head-up-Display weisen auf die Gefahr hin. Der Sicherheit halber kann der Fahrer weiter selbst eingreifen und den Assistenten mit einem erneuten Gaspedaleinsatz aushebeln.

Autos kommunizieren miteinander
Eine zusätzliche Vernetzung der Autos soll noch mehr Sicherheit bringen. Per WLAN lässt sich die Reichweite der Fahrzeugerkennung auf 250 Meter ausdehnen. So ist es laut BMW möglich, auch verdeckte Verkehrsteilnehmer zu erkennen, sofern diese mit der gleichen Technik ausgerüstet sind. Das gilt auch für Motorräder: BMW hat dieses Szenario mit einer R 1200 GS bereits durchgespielt. Das abbiegende Auto und das Zweirad tauschen nicht nur gegenseitig Fahrzeugdaten wie Geschwindigkeit, Lenkwinkel und Position aus, sondern erkennen auch, ob der Blinker gesetzt ist.

Motorrad wird zur Lightshow
Aus den Daten wird errechnet, ob eine Kollision droht. Ist die Situation kritisch, sorgt ein entsprechend präpariertes Motorrad dafür, besser wahrgenommen zu werden. Je nach Höhe der Kollisionsgefahr wird das Motorrad dann zur fahrenden Lightshow: Das Fahrlicht wird moduliert, die Lichtintensität erhöht und seitlich sowie an den Spiegeln angebrachte Signallichter und LEDs verbreitern die Silhouette. Bei akuter Kollisionsgefahr hupt das Motorrad zusätzlich. Fährt das abbiegende Fahrzeug dennoch weiter, greift dessen Linksabbiegeassistent ein.

Premiere im VW-Land
Vorgestellt wird der Linksabbiegeassistent am 17. und 18. Mai 2011 in Wolfsburg – auf einer abgesperrten Kreuzung statt auf einer Teststrecke. Gleichzeitig präsentieren auch die anderen Teilnehmer des Projekts Intersafe 2 – neben BMW sind unter anderen der Elektronikkonzern NEC, Swarco Traffic Systems, die Volvo-LKW-Sparte und Volkswagen dabei – ihre interaktiven Fahrsysteme.

Anti-Knall-Effekt