Messeähnliches Event in Berlin Tempelhof zeigt breite Palette von Spritsparern

Elektroautos sind umweltfreundlich, wenn sie mit regenerativ erzeugtem Strom betrieben werden. Aber sie sind auch teuer und haben geringe Reichweiten. Ein Ausweg könnten Stromfahrzeuge sein, die leichter sind als konventionelle Elektroautos: Elektrofahrräder sind bereits ein Trend, dazu kommen Elektroroller, Dreiräder und Quads mit E-Antrieb. Die ganze Elektropalette war bei der jährlich stattfindenden Challenge Bibendum zu sehen. In diesem Jahr fand die Veranstaltung von 18. bis 22. Mai am Flughafen Berlin-Tempelhof statt. Nicht weniger als 280 verschiedene Fahrzeuge, größtenteils mit Elektro- oder Hybridantrieb, standen bei dem vom Reifenhersteller Michelin veranstalteten Event parat. Wir haben sie inspiziert und zum Teil auch gefahren.

Segways und Pedelecs
Die Elektropalette beginnt beim bekannten Segway, einem zweirädrigen Gefährt, auf dem man sich stehend zum Beispiel auf Messen oder in Fußgängerzonen bewegen kann. Schneller sind Elektrofahrräder. Die so genannten Pedelecs bewegen sich nur, wenn man in die Pedale tritt, doch ein Elektromotor unterstützt einen dabei. So sind bis zu 25 km/h möglich. Wir erprobten ein Elektro-Liegedreirad vom Typ Hase Klimax, das mit einem Preis von 5.590 Euro schon ein etwas dickeres Portemonnaie erfordert. Zu den Vorteilen dieser Bauform gehört neben dem komfortablen Sitz der geringe Windwiderstand und die dadurch mögliche hohe Geschwindigkeit. Die Elektrounterstützung ist jedoch vor allem bergauf und beim Anfahren ein Spaß. Bei Reisetempo profitiert nur, wer wenig trainiert ist. Sportliche Zeitgenossen fahren auch ohne Unterstützung mehr als 20 km/h, und dann bringt das bisschen Elektro-Zusatzpower nicht mehr viel.

Agiles E-Kraftrad Elmoto ...
Mehr Spaß hat man mit einem Elektro-Kleinkraftrad wie dem Elmoto, das der Energieversorger EnBW vorstellte. Das schlanke und nur 47 Kilo schwere Kraftrad hat keine Pedale, fährt aber wie ein Roller bis zu 45 km/h. Dafür benötigt man einen Auto- oder Rollerführerschein und ein Versicherungskennzeichen. Der Preis für das Elmoto liegt bei 4.498 Euro, Kunden von EnBW zahlen einen Tausender weniger. Mit den Lithium-Ionen-Akkus sind 65 Kilometer Reichweite möglich. Der Vorteil des Bikes: Im Vergleich zu einem klassischen Roller mit Elektroantrieb fühlt sich so ein leichtes Bike viel agiler an. Besonders in Kurven fühlt man sich wegen des Gewichts, und weil eine stärkere Schräglage möglich ist, viel besser als mit einem Elektroroller mit seinem – pardon – etwas dicken Hintern. Aber das mögen passionierte Rollerfahrer anders empfinden.

... und träger Govecs-Elektroroller
Der von uns erprobte Govecs Go! S 2.4 wiegt 115 Kilo und fühlt sich deutlich träger an als das Elmoto. Die Reichweite ist mit 60 bis 100 Kilometer auch nicht größer – ein Händler gibt sogar nur 40 bis 60 Kilometer an. Das Govecs-Fahrzeug wird vom Energieversorger RWE als eSee Rider für 5.500 Euro angeboten. Im Preis inbegriffen ist der Zugang zur öffentlichen RWE-Ladeinfrastruktur einschließlich Stromkontingent in Höhe von 1.000 kWh, mit dem sich etwa 25.000 Kilometer zurücklegen lassen. Zusätzlich gibt es noch ein Top-Case sowie ein Felgenschloss. Gegenüber dem Einzelkauf spart man so rund 900 Euro.

Ein Dreirad namens Sam
Schon mehr in Richtung Auto geht es mit dem Sam EV II. Das wie der englische Vorname auszusprechende Gefährt ist mit 3,07 Meter etwa so lang wie ein Toyota iQ. Mit seiner leichten Plastik-Karosserie wiegt es inklusive Batterien aber nur 500 Kilo. Sam schafft eine Reichweite von 80 Kilometer und wird bis zu 90 km/h schnell.

Immerhin sicherer als ein Motorrad
Wir fuhren auf dem hinteren Sitz mit. Sind die Flügeltüren geschlossen, wird es im Inneren bei sonniger Witterung schnell warm, und auch der Federungskomfort ist nicht besonders gut. Dafür kann sich die Beschleunigung durchaus sehen lassen – und man sitzt bei Regen im Trockenen. Im Winter sind der Traktion durch das einzelne angetriebene Hinterrad Grenzen gesetzt. Auch die Sicherheit ist nicht mit einem Auto zu vergleichen: Knautschzonen, Airbags, ABS oder ESP gibt es hier nicht. Im Vergleich zum Motorrad soll Sam jedoch mehr Sicherheit bieten. Das in Polen gefertigte Fahrzeug ist für 16.950 Euro bei der deutschen Vertriebsfirma Elemo zu haben. Ein Massenfahrzeug ist Sam aber nicht: Seit dem Verkaufsstart im Dezember 2009 wurden gerade mal 40 Stück in Deutschland und ebenso viel in der Schweiz abgesetzt.

Echtes Elektroauto: Nissan Leaf
Ein echtes Auto ohne Abstriche ist der Nissan Leaf. Wir konnten damit eine kurze Strecke fahren. Der Fahrkomfort ist wesentlich höher als etwa beim Sam. Auch die Beschleunigung ist beeindruckend – besonders, wenn man während der Fahrt vom Eco- auf Normalmodus umschaltet. Kein Wunder, mit 280 Newtonmeter bietet der Leaf ein beachtliches Drehmoment. Allerdings hat das Auto die typischen Schwächen eines Elektrofahrzeugs: Die im Vergleich zu konventionellen Autos geringe Reichweite beträgt nur 175 Kilometer und die Höchstgeschwindigkeit beschränkt sich auf 145 km/h. Aufgeladen wird der Leaf über eine Buchse an der Front. In Holland, Irland, Portugal und Großbritannien ist der Leaf bereits auf dem Markt. Bei uns soll der Kleinwagen frühestens Anfang 2012 kommen, durch die erdbebenbedingten Produktionsschwierigkeiten in Japan dürfte es wahrscheinlich noch länger dauern, wie am Nissan-Stand zu erfahren war. Zu rechnen ist mit einem Preis um die 35.000 Euro.

Ein Audi A3 mit Elektroantrieb ...
Audi brachte ein interessantes A3-Duo zur Challenge Bibendum mit. Den Antrieb des elektrischen A3 e-tron übernimmt eine wassergekühlte E-Maschine, die 65 Kilogramm schwer ist und 60 kW (82 PS) Dauerleistung abgibt. Kurzzeitig, beispielsweise zum Überholen, stehen 136 PS bereit. Als Energiespeicher dient eine Lithium-Ionen-Batterie. Sie speichert 26,5 kWh Energie und wiegt 300 Kilogramm. Mit einer Batterieladung kommt der 1.592 Kilogramm schwere A3 e-tron laut Audi etwa 140 Kilometer weit. Um das zu schaffen, muss auf unserer Probefahrt die Klimaanlage abgeschaltet bleiben. Sowohl Cockpit wie auch Innenraum entsprechen dem Serien-A3, jedoch mit kleinen Ausnahmen: Über einen Schalter kann ausgewählt werden, ob man mehr auf maximalen Komfort oder mehr auf maximale Reichweite setzt. An der Stelle des Drehzahlmessers wird angezeigt, wie viel Leistung man momentan abruft. Beim Fahren geht es flott voran, nach 11,2 Sekunden ist Tempo 100 erreicht. Auf dem vollen Gelände des früheren Flughafens zeigt sich aber ein Problem des sauberen Stromers: Man hört ihn nicht, sodass man oft per Zuruf bitten muss, Platz zu machen.

... und einer mit Gasantrieb
Der zweite A3 im Bunde trägt das Kürzel TCNG und läuft mit Erdgas. Auf Basis des künftigen A3 wird 2013 eine entsprechende Variante auf den Markt kommen, der Treibstoff wird dann mit Windkraft aus Kohlendioxid erzeugt. Unter der Haube arbeitet schon jetzt ein Turbo-Benziner mit 1,4 Liter Hubraum und 150 PS, das Fahrzeug ist bivalent ausgelegt. Ein Tank fasst acht Kilogramm Erdgas, in den anderen passen elf Liter Benzin. Der im Rahmen der Veranstaltung ermittelte Gasverbrauch liegt bei 3,1 Kilogramm auf 100 Kilometer, verrät man uns. Der Klang des Motors ist in dem Prototypen noch recht kehlig, dafür merken wir jedoch keinerlei Leistungseinbußen.

US-Hybrid von Ford
Auch ein Hybridfahrzeug fuhren wir zur Probe: den in den USA bereits angebotenen Ford Fusion Hybrid. Das Auto von der Größe eines Mondeo verfügt über einen
2,5-Liter-Vierzylinder und einen 40 PS (30 Kilowatt) starken Elektromotor. So ergibt sich eine Systemleistung von 155 PS. Besonders spritzig wirkt der Wagen damit beileibe nicht. Auch nervt die stufenlose CVT-Automatik: Beim Beschleunigen wird es im Fusion laut und immer lauter, und erst wenn die Endgeschwindigkeit erreicht ist, kehrt wieder Ruhe ein. Der Hybrid beherrscht auch die rein elektrische Gangart, aber nur bei extremer Sorgfalt. Selbst bei mehreren Anläufen gelang es uns nicht, im elektrischen Betrieb zu beschleunigen. Das Anspringen des Verbrennungsmotors ist zwar kaum zu hören, doch man erkennt es an den farbigen Instrumenten. Wer Sprit sparend fährt, sieht dort auch Blätter an einem Ast sprießen. Der Fusion Hybrid ist in den USA ab 28.600 US-Dollar zu haben – umgerechnet etwa 20.400 Euro.

Vipa: Fahrender Kleiderschrank
Ein besonders kurioses Mobil ist der Vipa von Ligier. Was zuerst aussieht wie eine Art mobiler Kleiderschrank, ist ein Shuttle für bis zu sechs Personen auf kurzen, feststehenden Routen – zum Beispiel von einer Messehalle zur nächsten. Das eckige Gefährt wird zuerst per Joysticksteuerung über die Strecke gefahren. Über zwei Kameras speichert die Elektronik Wegmarken wie Bodenmarkierungen oder markante Gebäude am Horizont. Anschließend fährt der Vipa autonom: Die Fahrgäste steigen ein und drücken wie im Fahrstuhl einen Knopf, zum Beispiel ,Halle 7". Die Türen schließen sich, und das Fahrzeug setzt sich auf dem gespeicherten Kurs in Bewegung – bis zum nächsten Haltepunkt. Damit keine Fußgänger oder andere Hindernisse überfahren werden, besitzt der Vipa zwei Lasersensoren, die den Verkehrsraum vor dem Fahrzeug bis zu drei Meter weit nach vorne überblicken. Wir fuhren mit und erprobten auch die Nothalte-Funktion, indem wir ohne Vorwarnung vor den Vipa sprangen. Das Gefährt bremste, aber so abrupt, dass die beiden mitfahrenden Vorführer Mühe hatten, das Gleichgewicht zu wahren.

Autonomie mit Zwischenfällen
Autonomes Fahren, also Automobilität ohne menschlichen Fahrer, konnte auch in einer Vorführung der Freien Universität Berlin besichtigt werden. Hauptakteur war ein VW Passat Variant mit dem Beinamen ,Autonomos". Auf dem Dach drehte sich ein seltsamer zylindrischer Aufsatz, der dem Auto Ähnlichkeit mit Googles Streetview-Fahrzeugen gab. Darin sind Sensoren eingebaut, die die Umgebung scannen. Auf ein Signal hin wurde die autonome Fahrt gestartet. Der Passat fuhr auf eine rote Ampel zu und stoppte dort. Bei Grün setzte sich das Auto aber nur sehr zögerlich in Bewegung. Auch beim nächsten Programmpunkt gab es Schwierigkeiten: Der Passat sollte zu einem haltenden Fahrzeug aufschließen und dieses automatisch überholen. Dies funktionierte aber nicht, sodass der Fahrer, der sicherheitshalber an Bord war, eingreifen musste. Ganz ausgereift ist der autonome Fahrbetrieb also noch nicht. Auch wenn ein solches Gefährt wohl sehr sparsam unterwegs wäre: Wer Spaß am Autofahren hat, wird befriedigt schmunzeln.

Bildergalerie: Die ganze Elektro-Palette