Einzelstück auf Basis des Ferrari 430 mit 540 PS und radikaler Retro-Optik

Le Castellet (Frankreich), 13. Dezember – Auf der Rennstrecke Paul Ricard im französischen Le Castellet stellten das italienische Designstudio Pininfarina und Geschäftsmann Michael Stoschek den New Stratos vor. Das Fahrzeug interpretiert den legendären Lancia Stratos HF und sieht dem Sportwagenklassiker aus den 1970er-Jahren zum Verwechseln ähnlich. Verwendet wurde modernste Technik.

Gebaut bei Pininfarina
Mit dem New Stratos erfüllte sich Michael Stoschek einen Traum. Zusammen mit seinem Sohn Maximilian hat der Coburger die technische Konzeption und das Design des New Stratos wesentlich bestimmt. Seit Herbst 2008 arbeitete Pininfarina in Turin an der Umsetzung. Wie beim Vorbild der 1970er-Jahre, griffen die Erbauer auf Komponenten aus dem Fiat-Konzern zurück. Genauer gesagt, dient als Basis der Ferrari 430 Scuderia.

Verkürztes Chassis vom Ferrari 430 Scuderia
Fast sämtliche Elemente des Basisfahrzeugs wurden geändert oder den Vorgaben angepasst. Der Stratos-HF-Nachfolger sollte wie der Vorgänger ein Mittelmotorsportwagen mit kurzem Radstand, geringem Gewicht und überragender Agilität werden. Das Chassis aus Aluminium-Strangpressprofilen wurde um 20 cm gestutzt und mit einem Überrollkäfig aus Stahl verschweißt. Gegenüber dem Scuderia wurde die Karosserie um 33 Zentimeter verkürzt. Die Gewichtsverteilung ist fast ausgeglichen: 44 Prozent vorne, 56 hinten.

Viel Karbon und Aluminium
Karosserie und Interieur bestehen vollständig aus Kohlefaser und Aluminium. An der Aerodynamik wurde im Windkanal von Pininfarina gefeilt. Mit 1.247 Kilogramm wiegt der New Stratos 80 Kilo weniger als das Basisfahrzeug. Montiert sind 19-Zoll-Felgen mit Zentralverschluss. Reifen im Format 265/30 vorne beziehungsweise 315/30 hinten sorgen für den nötigen Grip. Die Bremsanlage stammt von Brembo und beinhaltet Keramikscheiben und Rennbremsbeläge. Das Fahrwerk wurde überarbeitet und erhielt neue Federn. Die Dämpferabstimmung kann nun elektronisch vom Lenkrad aus eingestellt werden.

Testfahrten mit Rennpilot
Elektrohydraulisch funktioniert die Lenkung, die Schaltpunkte werden durch LEDs im Lenkrad angezeigt. Die Schaltpaddel stammen aus der Ferrari 430-Rennversion. Das Sechsgang-Getriebe erhielt eine neue mechanische Differenzialsperre. Die modifizierte Steuerelektronik erlaubt Gangwechsel in weniger als 60 Millisekunden. Auf Herz und Nieren getestet wurde der New Stratos vom portugiesischen Ex-Formel-1-Fahrer Tiago Monteiro, der in der internationalen Tourenwagenserie WTCC fährt. Die Tests fanden auf der Teststrecke Balocco in Italien statt. Mitte November 2010 fuhren Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo und sein Cheftester Dario Benuzzi den New Stratos: Die beiden sollen begeistert gewesen sein.

Modifizierter Ferrari-V8 mit 540 PS
Nicht nur beim Karosseriedesign folgt der New Stratos dem Vorbild der 1970er: Ein Ferrari-Motor besorgt den Antrieb. In der Straßenversion des Urmodells versah der 195 PS starke 2,4-Liter-V6 des Ferrari Dino 246 GT seinen Dienst. Herzstück der Neuinterpretation ist der 4,3-Liter-V8 des 430 Scuderia. Durch eine Steuergerät-Modifikation und eine Hochleistungsabgas-Anlage mit Fächerkrümmern und Sportkatalysatoren leistet das Aggregat 540 PS. Das Drehmoment wird mit ,größer als 500 Newtonmeter" angegeben. Der V8 bedient sich aus zwei Tanks, die in der Mitte des Fahrzeugs jeweils rechts und links sitzen und 90 Liter fassen. Ihre Ansaugluft holt sich die Maschine über die seitlichen Öffnungen des Dachspoilers.

Die Fahrleistungen
Die endgültigen Fahrleistungen stehen noch nicht fest, die bisherigen Angaben sind vorläufig: In 3,3 Sekunden soll der 1,24 Meter niedrige New Stratos von null auf 100 km/ sprinten können, in 9,7 Sekunden auf Tempo 200. Erwartet wird eine Höchstgeschwindigkeit von 274 km/h – das erscheint niedrig, doch ist dies ein Tribut an ein gutes Beschleunigungsvermögen.

Initiator Michael Stoschek
Michael Stoschek ist Vorsitzender der Gesellschafterversammlung von Automobilzulieferer Brose. Der Franke ist Sammler und Fahrer historischer Rennsportfahrzeuge. Er gewann 1999, 2001 und 2004 die Carrera Panamericana und 2006 die FIA-Rallye-Europameisterschaft, jeweils auf einem Porsche 911. Bei Rallyes mit historischen Fahrzeugen setzt der Coburger unter anderem einen Lancia Stratos Gruppe 4 von 1974 ein. Stoschek war bereits am Projekt ,Fenomenon Stratos" beteiligt. Die Neuinterpretation des Lancia Stratos wurde 2005 auf dem Genfer Auto Salon präsentiert. Das Fahrzeug wurde vom Autodesigner Chris Hrabalek entworfen, den Michael Stoschek 1986 in Alta Badia bei dem von Stoschek organisierten World Stratos Meeting kennenlernte.

Legenden-Hommage