Schick, leicht und voller Technik kommt der neue A6

Es ist dunkel hier in der riesigen Fotostudio-Halle. Nur an einem Ende glüht eine weiße Bühne. Auf ihr: ein Auto unter einem weißen Tuch. Zwei Hostessen tauchen aus dem Dunkel auf und ziehen den Stoff vom Wagen, als enthüllten sie eine Skulptur. Und genau das wollte Audi wohl auch mit dem neuen A6, der nun unverhüllt vor uns steht, schaffen: eine automobile Skulptur. Wir gehen näher ran und entdecken den Hybrid-Schriftzug auf dem vorderen linken Kotflügel. Wir nehmen in dem Wagen Platz. Aber der Reihe nach.

Zukunftssichere Eleganz
Vor 16 Jahren beendete der erste Audi A6 die Audi-100-Ära. Nun stellt der Ingolstädter Hersteller die neueste Generation seines Wagens der oberen Mittelklasse vor. Er ist etwas flacher, kürzer und breiter geworden, der neue A6. Somit kommt er optisch sportlich daher. Während Länge und Höhe sich nur um Millimeter ändern, legt der Wagen in der Breite um zwei Zentimeter zu. Unterstrichen wird dies durch den immer schwarz glänzend lackierten Kühlergrill: Dieser ist ebenfalls flacher und breiter als bisher. Auch der Blick auf die Flanke des A6 lässt seine hoffentlich ordentliche Agilität erahnen: Die Überhänge sind deutlich weggeschmolzen. Der Radstand liegt jetzt bei 2,91 Meter – sieben Zentimeter mehr als bisher. Hübsch ist auch das in eleganter Coupé-Linie nach hinten abfallende Dach.

Nimmt's leicht
Der A6 ist ganz im Trend der Ingenieurskunst etwas leichter geworden. So wiegt der neue 2.0 TDI beispielsweise 50 Kilogramm weniger als noch sein Vorgänger. Alle beweglichen Teile der Karosserie, also die Seitentüren sowie Front- und Heckklappe, werden aus Aluminium gefertigt. Insgesamt besteht die Karosserie zu 20 Prozent aus dem leichten Material, den Rest machen hochfeste Stähle aus.

Lichtdesign
In Sachen Scheinwerfer-Design liegt Audi ganz vorne. Kaum ein anderer Automobil-Hersteller steckt so viele Mittel und so viel Arbeitskraft in die Gestaltung der Leuchten. So schauen die Frontscheinwerfer eigenständig aus dem Blech. Sie ziehen den Wagen optisch weiter in die Breite. Serienmäßig erhellt beim A6 Halogenlicht die Umgebung, optional gibt es Xenon- oder Voll-LED-Scheinwerfer. Bei den beiden Optionen zeigt sich ein Tagfahrlicht-Band, welches gleichzeitig als Blinklicht fungiert. Die gelbe Farbe des Richtungs-Anzeigers wird dabei erst im eingeschalteten Zustand sichtbar. Zudem soll ein so genanntes Allwetter-Licht Nebelscheinwerfer überflüssig machen.

Aktiver Blick
Die ausgeklügelten Frontscheinwerfer bringen auf Wunsch, wie beim großen Bruder A8, alle erdenklichen Assistenz-Funktionen mit – ohne aber rein äußerlich zu sehr den A8-Augen zu ähneln. So erkennt eine Kamera Gegenverkehr und leitet den Lichtkegel um diesen herum. Außerdem wird das Steuergerät der Scheinwerfer an das optionale Navigationssystem MMI plus gekoppelt. Dann schaltet sich das Autobahnlicht bereits auf der Auffahrt und das Kurvenlicht schon kurz vor der Kurve ein. Bei den Heckleuchten fällt auf, dass das LED-Rücklicht nicht mehr von einer Punktgrafik geprägt wird, sondern von einer homogenen Lichtfläche. Die LED-Heckleuchten gibt es in Kombination mit Xenon- oder LED-Frontlicht.

Luftige Kabine
Wir setzen uns vorne rein und sind erstaunt, wie viel Kopffreiheit wir hier genießen. Obwohl der Wagen ein paar Millimeter flacher ist als bisher, ist die Kopffreiheit noch angestiegen – der niedrigeren Sitzposition sei Dank. Hinten das gleiche Spiel: Trotz der abfallenden Dachlinie können selbst Sitzriesen ihren Hut aufbehalten. Und auch wenn der Fahrer seinen Sitz weit nach hinten schiebt, gibt es für den hinter ihm sitzenden Gast immer noch genug Beinfreiheit. Die Innenraum-Verarbeitung ist von allerhöchster Präzision und die Gestaltung wirkt beruhigend übersichtlich. Eine bogenförmige Kante zieht sich über dem Armaturenbrett von links nach rechts. Dieser so genannte Wrap-around soll den Insassen ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln. An der Qualität der verwendeten Materialien gibt es im neuen A6 nichts zu meckern: Was wie Aluminium aussieht, ist aus Aluminium und was nach Holz aussieht, ist auch aus Holz. Optional lullt weißes Ambiente-Licht die Insassen bei Nacht ein. Die Änderung der Farbe des Ambiente-Scheins bleibt allerdings dem A8 vorbehalten.

Neues Fahrer-Informationssystem
Die Rundinstrumente sind etwas in Richtung Fahrer versetzt, scheinen einem geradezu entgegen zu springen. Etwas tiefer und zwischen den Kreisen gelegen befindet sich auf Wunsch das neue Sieben-Zoll-Fahrerinformationssystem (FIS). Auf dem scharfen Display kann man sich beispielsweise den aktuellen Energiebedarf der elektrischen Verbraucher anzeigen lassen. Der in seiner Topausführung acht Zoll große Navibildschirm fährt aus einem Schlitz am oberen Rand der Mittelkonsole heraus, sitzt also ergonomisch perfekt, ohne das Sichtfeld des Fahrers auf die Straße einzuschränken.

Endlich: Head-up-Display
Der größte Innenraum-Clou ist allerdings das neu verfügbare Head-up-Display. Lange hat sich Audi gegen diese Technik gesträubt, jetzt ist man in Ingolstadt überzeugt, dass das Projizieren von Fahrdaten in die Frontscheibe einen Komfort- und Sicherheitsgewinn mit sich bringt. Bei anderen Herstellern liegt die Kundenzufriedenheit hinsichtlich Head-up-Display schließlich bei 100 Prozent. Ansonsten verspricht Audi noch eine weiterhin erhöhte Geräuschdämmung – bei der Fahrvorstellung im Februar 2011 wissen wir mehr. In den Kofferraum des A6 passen manierliche 530 Liter Gepäck, beim Hybriden sind es wegen des dort verbauten Hochvolt-Speichers 100 Liter weniger.

Stahl oder Luft
Serienmäßig fährt der neue A6 mit einer Stahlfederung vor, optional gibt es ein Sport- oder ein Luftfahrwerk. Bei der adaptiven Luftfederung arbeiten an der Front Federbeine und am Heck getrennte Luftfedern und Dämpfer. Für den Kontakt zum Asphalt sorgen je nach Motorisierung 16- oder 17-Zoll-Reifen, auf Wunsch geht es hoch bis 20 Zoll. Gelenkt wird über eine neue elektromechanische Servolenkung mit geschwindigkeitsabhängiger Unterstützungskraft. Vorne sorgen fünf Lenker für eine präzise Richtungsvorgabe, hinten hält eine Trapezlenker-Aufhängung den Wagen in der Spur.

Verschiedene Modi
Das Fahrdynamik-System ,drive select" ist serienmäßig mit an Bord. Über die Stufen Comfort, Auto, Dynamic und Individual gibt der Fahrer die Arbeitsweise von Motormanagement, Servolenkung und Klimaautomatik vor. Für alle Modelle außer der Hybrid-Version gibt es noch die Einstellung ,Efficiency", die eine verbrauchsoptimierte Fahrweise vereinfacht. Optional lässt sich drive select um das Automatikgetriebe, die Luftfederung, den adaptiven Abstands-Tempomaten mit Stop-&-Go-Funktion und das adaptive Frontlicht erweitern. Später wird es auch noch ein Sperrdifferenzial und eine Dynamik-Lenkung mit geschwindigkeitsabhängiger Übersetzung geben.

Benziner, Diesel, Hybrid
Den neuen A6 gibt es sowohl mit effizienzverbesserten Verbrennungsmotoren als auch in einer Hybridversion – alle Antriebe sind an ein Start-Stopp-System gekoppelt. Zwei Benziner und drei Diesel stehen zur Auswahl. Der 2.0 TDI soll sich im Schnitt mit 4,9 Liter Diesel pro 100 Kilometer zufrieden geben. Dabei leistet das Aggregat 177 PS und generiert zwischen 1.750 und 2.500 U/min sein maximales Drehmoment von 380 Newtonmeter. In 8,7 Sekunden geht's von null auf 100 km/h, maximal sind 228 km/h drin. Der 3.0 TDI kommt beim neuen A6 in zwei Varianten zum Einsatz. Der Basis-V6 leistet 204 PS und kommt zwischen 1.250 und 3.500 Touren auf ein Drehmoment von 400 Newtonmeter. Damit wird der Spurt auf 100 km/h in 7,2 Sekunden abgehakt, maximal sind 240 km/h drin. Der Verbrauch soll bei 5,2 Liter auf 100 Kilometer liegen. Die Topversion des 3.0 TDI leistet 245 PS und legt zwischen 1.400 und 3.250 U/min 500 Newtonmeter an die Kurbelwelle. 6,1 Sekunden verstreichen, dann ist Tempo 100 erreicht, bei 250 km/h wird elektronisch abgeregelt. 6,0 Liter Diesel reichen dem Aggregat laut Audi im Schnitt pro 100 Kilometer – gegenüber dem Vorgänger-Aggregat wäre das eine Einsparung in Höhe von 16 Prozent.

Benziner mit 204 und 300 PS
Als Benziner stehen beim A6 zwei Sechszylinder bereit. Der kleinere nennt sich 2.8 FSI und leistet 204 PS. Die 280 Newtonmeter maximales Drehmoment liegen zwischen 3.000 und 5.000 U/min an. Von null auf 100 km/h geht es in 7,7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 240 km/h. Im Schnitt gönnt sich das Triebwerk 7,4 Liter pro 100 Kilometer, so Audi. Damit würde der neue 2.8 FSI zwölf Prozent weniger verbrauchen als sein um 14 PS schwächeres Vorgänger-Aggregat. Stärkster in der A6-Benzinriege ist der 3.0 TFSI. Dank Aufladung leistet er 300 PS und generiert 440 Newtonmeter Drehmoment zwischen 2.900 und 4.500 U/min. In 5,5 Sekunden hechtet der 3.0 TFSI auf Tempo 100, bei 250 km/h wird elektronisch abgeregelt. 8,2 Liter Super werden laut Hersteller pro 100 Kilometer fällig – eine Ersparnis in Höhe von 13 Prozent im Vergleich zum zehn PS schwächeren Vorgänger.

Auch als Hybrid
Die Hybrid-Version des neuen A6 wird zwar auch hierzulande angeboten, aber ihr Hauptmarkt liegt in Nordamerika und Asien. Einen konkreten Marktstart-Termin hat Audi noch nicht bekannt gegeben, sicher ist nur, dass der Wagen 2011 noch nicht zu haben sein wird. Der A6 Hybrid ist mit einem Parallel-Hybridsystem unterwegs. Ein 2.0 TFSI mit 211 PS wird von einem Elektromotor mit 33 Kilowatt (45 PS) unterstützt. Die E-Maschine generiert ab der ersten Umdrehung ein Drehmoment von 211 Newtonmeter. Die im Kofferraum untergebrachte, luftgekühlte Lithium-Ionen-Batterie leistet 39 Kilowatt und hat eine Kapazität von 1,3 Kilowattstunden. Bis zu einer Geschwindigkeit von 100 km/h kann der A6 Hybrid rein elektrisch fahren, bei konstant 60 km/h ist eine elektrische Reichweite von drei Kilometer drin. In 7,3 Sekunden erreicht der Hybrid Tempo 100, hoch geht's bis zu 238 km/h. Laut vorläufigen Messungen liegt der Verbrauch des Hybriden bei 6,2 Liter pro 100 Kilometer, so Audi.

Verschiedene Getriebe
Als Getriebe stehen im neuen A6 je nach Motorisierung ein manuelles Sechsgang-Schaltgetriebe, die stufenlose Multitronic oder das siebengängige Doppelkupplungsgetriebe S tronic zur Kraftübertragung bereit. Beim Hybrid-Modell kommt eine Achtgang-Automatik zum Einsatz. Der optionale permanente Allradantrieb quattro verteilt seine Kraft noch flexibler, die Grundverteilung liegt bei 40 zu 60 zwischen vorne und hinten. Eine radselektive Momentensteuerung erkennt, wenn eines der kurveninneren Räder seinen Grip zu verlieren droht. Noch bevor dies geschieht, wird das betroffene Rad leicht abgebremst, was das Handling noch flüssiger machen soll.

Alles was geht
An Ausstattung kann so ziemlich alles in den A6 kommen, was gerade Stand der Technik ist. Serienmäßig ist beispielsweise das Unfallvermeidungs-System ,pre sense" an Bord, außerdem eine Zweizonen-Klimaautomatik, die Start-Stopp-Taste für den Motor und ein MMI-Radio mit 6,5-Zoll-Display. Optional gibt es eine Bang-&-Olufsen-Soundanlage, ein UMTS-Modul und Zuziehhilfen für die Türen. An Helferlein können eine Verkehrszeichen-Erkennung, ein Spurhalte-Assistent, ein Totwinkel-Assistent und ein Nachsicht-Assistent mit Personen-Erkennung mit von der Partie sein. Beim Top-Navi gibt es ein Touchpad, auf welchem sich mit dem Finger zum Beispiel Adressdaten schreiben lassen. Es erkennt auch kyrillische und chinesische Schriftzeichen. Für 1.800 Euro gibt es Top-View: Die Bilder von vier um das Fahrzeug herum angeordneten Kameras werden so zusammengefügt, das im Display eine Draufsicht auf den A6 erscheint. Ab Frühjahr 2011 wird der neue Audi A6 ausgeliefert, die Preise beginnen bei 38.500 Euro.

Der neue Audi A6