Elektromotoren ermöglichen Allrad- oder Heckantrieb

Ein Porsche mit Elektroantrieb? Für viele Fans der Marke dürfte das ein Sakrileg sein. Doch Strom hat durchaus eine gewisse Tradition bei den Zuffenhausenern. Schon im Jahr 1900 hatte Ferdinand Porsche ein Elektromobil entwickelt, den ,Semper Vivus". 111 Jahre später lautet der Modellname etwas schlichter ,Boxster E".

Elektrik-Trio
Ein Praxistest mit drei Boxster E findet in Stuttgart statt und wird vom Bund gefördert. Zwei der Fahrzeuge zeigte Porsche zudem kürzlich auf der Challenge Bibendum 2011 in Berlin. Die sauberen Sportwagen sind verschieden ausgelegt: Ein Modell weist an jeder Achse einen Motor auf und fährt so rein elektrisch mit Vierradantrieb. Bei den anderen beiden Boxstern ist nur ein Elektromotor an Bord, der die Hinterachse antreibt.

Flott unterwegs
Beim ,Allrad-Boxster" ist die hintere Getriebeeinheit aus Motor und Getriebe zusammen mit der Leistungselektronik dort untergebracht, wo sich normalerweise die Schaltbox und die Abgasanlage befinden. Im Vorderwagen wird der durch den Wegfall des Tanks frei werdende Platz für den zweiten E-Motor genutzt. So wird ein Allradantrieb ohne mechanischen Durchtrieb zwischen den beiden Achsen geschaffen. Die Gesamtleistung beträgt 180 Kilowatt (245 PS), 540 Newtonmeter Drehmoment ziehen den Porsche vorwärts. In 5,5 Sekunden soll es von null auf Tempo 100 gehen, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 200 km/h begrenzt.

Spezial-Klang
Bei den Boxster-E-Modellen mit nur einem Elektromotor naturgemäß nicht ganz so viel Kraft zur Verfügung. Sie bieten eine Leistung von 90 Kilowatt (122 PS) und ein Nenndrehmoment von 270 Newtonmeter. Für den Sprint auf 100 km/h benötigen sie 9,8 Sekunden, maximal sind 150 km/h möglich. Weil sich alle Boxster E vergleichsweise leise fortbewegen, haben die Porsche-Ingenieure einen speziellen Sound entworfen. Er soll dem Fahrer eine akustische Rückmeldung geben und Passanten warnen.

Neun Stunden Wartezeit
Als Stromspeicher dient in jedem Wagen des Trios eine 341 Kilogramm schwere, von Porsche selbst entwickelte Hochvolt-Batterie mit 363 Volt Spannung. Der Energieinhalt beträgt 29 Kilowattstunden, von denen 26 genutzt werden können. Laut Hersteller soll das für eine Reichweite von bis zu 170 Kilometer reichen. Eine komplette Ladung an einer normalen Steckdose dauert rund neun Stunden, jedoch gibt es auch eine Schnellladefunktion.

Ungewohnte Ansichten
Im Innenraum müssen sich Boxster-Fans umstellen. Es fehlen nicht nur Kupplungspedal und Schalthebel, es gibt auch keinen Drehzahlmesser. An dessen Stelle arbeitet ein so genanntes ,E-Power-Meter". Der Ausschlag nach rechts zeigt den Leistungsabruf, geht die Nadel nach links, wird rekuperiert. Die Rückgewinnung der Bremsenergie kann über Schiebetasten im Lenkrad variiert werden. Zudem ,segelt" der Boxster E, wenn der Fahrer den Fuß vom Gaspedal nimmt. Noch ein interessantes Detail: Der hintere Kofferraum bleibt unverändert, auch unter der vorderen Haube soll noch genügend Platz für Gepäckstücke übrig bleiben.

Bildergalerie: Spaß-Stromer