Elektroauto Nissan Leaf und fünf weitere Modelle knallten gegen die Wand

Sechs Automodelle mussten sich dem EuroNCAP-Crashtest unterziehen. Zum ersten Mal erreichte ein reines Elektofahrzeug eine Fünfsterne-Bewertung – der Nissan Leaf. Auch die fünf anderen getesteten Autos wurden jeweils mit fünf Sternen belohnt. Dabei handelte es sich um den Ford Focus, den Volvo V60, den Peugeot 508, den Citroën DS4 und den Vollhybriden Lexus CT200h. Getestet wurden die Auswirkungen von Front-, Seiten- und Heckaufprall auf die Frontpassagiere sowie jeweils vorn und hinten installierte Kindersitzes. Dazu wurden noch Assistenzsysteme wie ESP oder Gurtwarner unter die Lupe genommen. Die beiden genannten Systeme sind in allen gesteten Fahrzeugen serienmäßig vorhanden.

Nissan Leaf – Erstes Elektroauto mit fünf Sternen
Als erstes Elektrofahrzeug überhaupt konnte der Nissan Leaf alle fünf Sterne abräumen. Dabei zeigte sich die Batterieienheit unter den Rücksitzen als gut geschützt. Beim Frontcrash bergen die steife Mittelkonsole sowie die Verkleidung der Lenksäule eine Verletzungsgefahr für die Knie und Oberschenkelknochen. Die volle Wertung erhielt der Elektrokompakte im Seitenaufpralltest. ,Gut" – die beste Wertung – war das Verhalten beim seitlichen Aufprall auf einen Pfosten. Der Leaf wurde mit geladener Batterie getestet, wobei keinerlei Gefahren durch Elektrizität auftraten. Beim Heckaufprall zeigte sich, dass die Vordersitze und Kopfstützen ,marginalen", also grenzwertigen Schutz vor Schleudertraumata bieten.

Maximale Punktzahl beim Kinderschutz im Nissan
Für den Schutz eines 18-monatigen Kindes bekam der Leaf die maximale Punktszahl. Wird ein Kindersitz vorne, auf der Beifahrerseite rückwärts gerichtet installiert, muss der entsprechende Airbag deaktiviert werden. Allerdings wurde kritisiert, dass der Fahrer vom Leaf über den Status des Airbags nicht ausreichend aufgeklärt wird. Ihm wird nur durch einen Aufkleber angezeigt, welche Gefahren dem Kind drohen, wenn der Airbag nicht deaktiviert wird. Überwiegend gut ist laut EuroNCAP der Fußgängerschutz durch die Frontstoßstange. Die Motorhaube bietet einen guten Schutz in den meisten Bereichen, wo der Kopf eines Kindes aufschlagen würde. Entweder gut oder grenzwertig fielen die Ergebnisse für Erwachsene aus.

Ford Focus glänzt durch Assistenzsysteme
Fünf Sterne erhielt auch die neue, dritte Generation des Ford Focus. Er erreichte im Test beispielsweise eine Fußgängerschutzwertung von 72 Prozent. Auch Hilfssysteme wie Active City Stop und Spurhalteassistent wurden positiv bewertet. Beim Frontalaufprall bleiben Fahrer und Beifahrer überall gut geschützt. Im Fall der Beine des Fahrers reichte es noch für die zweitbeste Wertung ,adäquat". Diese Einstufung gab es ebenso beim Seitenaufprall für den Beckenschutz, die Bestwertung ,gut" dagegen für die anderen Körperbereiche. Beim seitlichen Pfostenaufprall wurde der Brustkorbschutz als grenzwertig eingestuft, für die anderen Bereiche wurden sowohl die Wertungen ,gut" als auch ,adäquat" verteilt. Im Fall eines Heckaufpralls fällt der Schutz vor Schleudertraumata durch Sitze und Kopfstützen ,gut" aus.

Kinderschutz im Focus gut
Dreijährige Kinder werden bei Front- und Seitenaufprall bestmöglich geschützt. Nicht ganz die volle Punktzahl gab es im Fall von 18-monatigen Kindern. Der Beifahrerairbag kann nur gegen Aufpreis abgeschaltet werden, womit die rückwärts gewandte Montage eines Kindersitzes erst möglich wird. Die Testwagen waren damit nicht ausgerüstet, demnach konnte diese Konfiguration nicht überprüft werden. Bemängelt wurde, dass Ford nicht in allen europäischen Sprachen auf die Gefahren für rückwärts montierte Kindersitze durch sich öffnende Beifahrerairbags hinweist. Beim Schutz der Beine von Fußgängern erntete der vordere Focus-Stoßfänger dagegen überwiegend gute Bewertungen. Als ,gut" wurde das Crashverhalten der Motorhaube eingestuft, wenn der Kopf eines Kindes darauf trifft. Dasselbe trifft stellenweise auch für Erwachse zu, meistens reichte es hier aber nur für ein ,grenzwertig" oder sogar ,schlecht", die niedrigste Bewertungsstufe.

Volvo V60: maximale Punkte beim Seitenaufprall
Volvo steht seit langer Zeit für Sicherheit. Gilt das auch für den aktuellen Mittelklassekombi V60? Wenn es nach EuroNCAP geht, ja. Das Fahrzeug erhielt eine Fünfsterne-Bewertung. Im Frontcrash wurden die A-Säulen nur um einen Millimeter verschoben. Gut geschützt sind die Knie und die Oberschenkelknochen der vorderen Insassen. Beim Seitenaufprall erhielt der Volvo die maximale Punktzahl. Grenzwertig fiel die Bewertung für den Brustkorbbereich im Fall des seitlichen Pfostenaufpralls aus. Auf den Sitzen ist der Schutz gegen Schleudertraumata gut, sollte es einmal zu einem Heckaufprall kommen.

Der Volvo punktet auch bei der Kindersicherheit
Die Kindersitze wurden sowohl für den Front- als auch den Seitenaufpralltest rückwärts gewandt installiert. Hier erhielt der V60 die maximale Punktzahl. Der Beifahrerairbag kann deaktiviert werden. Allerdings fallen die Hinweise auf den Airbagstatus sowie die Gefahrenhinweise laut EuroNCAP nicht zufriedenstellend aus. Beim Thema Fußgängerschutz bekam der V60 für die Eigenschaften seines Frontstoßfängers gute und teilweise grenzwertige Einschätzungen. Die Bereiche, bei denen es im Ernstfall am wahrscheinlichsten ist, dass sie mit einem Kinderkopf in Berührung kommen, wurden als ,gut" eingestuft. Sind Köpfe von Erwachsenen im Spiel, fällt das Urteil überwiegend ,schlecht" und nur in einigen Konstellationen ,gut" aus.

Peugeot 508 mit sehr guten Warnhinweisen
Fünf Sterne erzielte auch der Peugeot 508. Er schnitt ,gut" beim Heckaufprall und dem Schutz gegen Schädeltraumata ab. Kinder sind im 508 gut aufgehoben. So wird herausgestellt, dass ein rückwärtgerichteter Kindersitz auf der Beifahrerseite installiert werden kann, während der Fahrer unmissverständlich auf den Status des abschaltbaren Airbags hingewiesen wird und auch die Beschilderung mit Gefahrenhinweise sehr gut ausfällt. Während Passagiere insgesamt gut geschützt werden, gab es lediglich im seitlichen Pfostenaufpralltest beim Brustkorbschutz ein ,grenzwertig". Kritisiert wird der zwar oft gute, aber teilweise auch schlechte Fußgängerschutz. Kinder haben hier mehr Glück als Erwachsene. EuroNCAP will die Hersteller auf diesem Gebiet zu noch mehr Anstrengungen zwingen, indem der Fußgängerschutz ab 2012 stärker gewichtet wird.

Citroën DS4 punktet maximal beim Seitenaufprall
Auch der zweite Franzose im Bunde erhielt insgesamt fünf Sterne. Prallt der Citroën DS4 frontal gegen ein Hindernis, werden Knie und Oberschenkelknochen von Fahrer- und Beifahrer gut geschützt. Die Maximalpunktzahl erzielte der DS4 beim Seitenaufprall. Der problematischere Seitenaufprall auf einen Pfosten offenbarte einen adäquaten Schutz von Brustkorb und Bauch, der für Kopf und Becken wurde als gut eingestuft. Grenzwertig fiel dagegen das Urteil für Sitze und Kopfstützen aus, wenn es um die Verhinderung von Schleudertraumata geht.

DS4 zwiespältig
Bei Front- und Seitenaufprall erhielt der DS4 die maximale Punktzahl für den Schutz von Dreijährigen im Kindersitz. Der Beifahrerairbag kann für den Fall einer Kindersitzmontage abgeschaltet werden, sein Status ist klar ersehbar und es gibt unmissverständliche Gefahrenhinweise. Das Verhalten des Frontstoßfängers im Fall einer Kollision mit einem Fußgänger wurde als gut bewertet. Die Eigenschaften der Motorhaubenvorderkante wurden allerdings als grenzwertig und schlecht eingestuft. Trotzdem reicht es für ein ,gut" für den Fall, dass ein Kinderkopf auf die Haube prallt. Allerdings sollte man als Erwachsener seinen Kopf fern halten: Die Bewertung lautete stets ,schlecht" – keine Punkte.

Lexus CT200h: Seitenaufprall mit voller Punktzahl
Mit dem Lexus CT200h war beim jüngsten EuroNCAP-Test auch ein Vollhybride am Start. Er bekam ebenfalls eine Fünfsterne-Wertung. Der Japaner zeigt beim Frontalaufprall einen guten Schutz von Knien und Oberschenkel der Frontpassagiere. Im Seitenaufprall räumte der Kompakte die volle Punktzahl ab. Als grenzwertig wurde dagegen das Verletzungspotential für den Brustkorb beim Seitenaufprall mit einem Pfosten beurteilt. Im Fall eines Heckaufpralls sind Fahrer und Beifahrer gut gegen Schädeltraumata geschützt.

Guter Kinderschutz im CT200h
Tests mit Dummies, die Kinder im Alter von 18 Monaten und drei Jahren simulierten, ergaben einen guten Schutz für die kleinsten Passagiere. Wenn man einen Kindersitz rückwärts gerichtet auf der Beifahrerseite verwenden will, lässt sich der Airbag dort deaktivieren. EuroNCAP gefiel hier besonders, dass alle Infomationen zum entsprechenden Schalter und den Gefahren im Fall eines aktiviert belassenen Airbags und dessen Status klar und deutlich ausfallen. Der vordere Stoßfänger schützt die Beine von Fußgängern gut, was hier die volle Punktzahl für den Lexus bedeutete. Die Motorhaubenkante wurde allerdings in fast allen Tests als schlecht eingestuft. Dort, wo im Fall einer Kollision am ehesten der Kopf eines Kindes auftreffen würde, fällt die Bewertung gut aus. Doch kollidiert der Kopf eines Erwachsenen mit der Haube, sind die Ergebnisse meist grenzwertig.

Gallery: EuroNCAP-Crashtests