Andere Hersteller sehen noch große Probleme bei der Infrastruktur

Daimler hat die Alltagstauglichkeit seiner Brennstoffzellentechnologie unter Beweis gestellt. Nach 30.000 Kilometern durch 14 Länder und vier Kontinente sind drei Ende Januar 2011 gestartete B-Klasse F-Cell von ihrer Weltumrundung zurückgekehrt. AutoNEWS war für Sie vor Ort. ,Die Zeit ist reif für Elektroautos mit Brennstoffzellen", erklärte Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche nun bei der Ankunft der wasserstoffbetriebenen B-Klassen in Stuttgart. Und: 2014 – ein Jahr früher als geplant – will Daimler mit der Brennstoffzelle in Großserie gehen.

Brennstoffzelle für alle Fahrzeugklassen
Die neue Technologie soll nicht alleine auf die B-Klasse beschränkt bleiben. Auch C-, E- und S-Klasse werden gemäß Daimlers Technik-Chef Thomas Weber in wenigen Jahren emissionsfrei fahren können. Wie viel ein Brennstoffzellen-Fahrzeug später kosten wird und mit welcher Stückzahl gerechnet werden kann, wollte man uns auf Nachfrage noch nicht genau verraten. Wir konnten jedoch erfahren, dass die Grundpreise rund 20 Prozent höher liegen sollen, als die der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Bei einer B-Klasse mit Brennstoffzelle würde das einen Einstiegspreis von rund 30.000 Euro bedeuten.

Es fehlt noch die Infrastruktur
Bislang gibt es weltweit nur rund 200 Wasserstoff-Tankstellen. In Deutschland sind lediglich sieben öffentlich zugänglich. Daimler und Linde planen deshalb die gemeinsame Ausweitung des Wasserstoff-Tankstellennetzes in Deutschland um 20 weitere öffentliche Tankstellen in den kommenden drei Jahren. Ausschließlich regenerativ erzeugter Wasserstoff wird dort dann erhältlich sein. Die neuen Tankstationen werden in den bestehenden Wasserstoff-Regionen Stuttgart, Berlin und Hamburg sowie entlang einer neuen durchgängigen Nord-Süd- und Ost-West-Verbindung entstehen. Durch die zweistellige Millioneninvestition soll so jeder Punkt in Deutschland emissionsfrei erreichbar sein.

Weitere Autohersteller in der Pflicht
Daimler und Linde sind somit die ersten Unternehmen der so genannten Clean Energy Partnership (CEP) – ein Zusammenschluss von 14 Unternehmen, die Wasserstoff als Kraftstoff der Zukunft vorantreiben wollen – die einen großen Schritt nach vorne gehen. Zu den Partnern gehören unter anderem auch die Automobilhersteller Volkswagen, BMW, Ford, Opel sowie Honda und Toyota. Die Hersteller streben als Schwerpunkt das Ziel an, bis 2015 mit einem Brennstoffzellen-Fahrzeug in Serie zu gehen. Wir haben uns nach dem aktuellen Entwicklungsstand bei den Autokonzernen erkundigt.

VW rechnet nicht vor 2025 mit F-Cell-Auto
Bei Volkswagen wird mit den HyMotion-Modellen an einem serienreifen Brennstoffzellen-Fahrzeug gearbeitet. Bis 2015 könne man auch ein funktionierendes Auto bereitstellen. Aufgrund der noch unzureichenden Infrastruktur von Wasserstoff-Tankstellen glauben die Wolfsburger aber nicht an einen baldigen Durchbruch der Brennstoffzellen-Technologie. Auch sei noch nicht klar, wie man an regenerativ hergestellten Wasserstoff kommen würde. VW rechnet daher erst um das Jahr 2025 herum mit einer Marktreife für Brennstoffzellen-Autos. Im Gegensatz zu Daimler plant Volkswagen auch selbst keine aktive Beteiligung am Ausbau der Infrastruktur für Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland.

BMW, Ford und Opel warten ebenfalls ab
Ähnliche Töne hört man auch aus München. Für BMW ist die Brennstoffzelle schon seit längerem ein Thema. Die emissionsfreie Fahrt sieht der Hersteller in naher Zukunft jedoch bei der batteriebetriebenen Elektromobilität. Ford, Mitgründungsmitglied der CEP, rechnet nicht mit der Bereitstellung eines marktreifen Brennstoffzellen-Autos vor 2015. Der Hersteller glaubt ebenfalls nicht an die Fertigstellung eines ausreichenden Wasserstoff-Tankstellennetzwerks bis 2015. Opel will hingegen demnächst seine Brennstoffzellen-Testflotte in Deutschland von zehn auf bis zu 30 Fahrzeuge aufstocken. Zudem gehen die Rüsselsheimer von einer Serienreife ab 2015 aus und blicken dem Infrastruktur-Problem optimistisch entgegen. Wie VW halten sich auch BMW, Ford und Opel beim Infrastrukturausbau von Wasserstoff-Tankstellen zurück.

Japanische Hersteller sind gerüstet
Honda ist der CEP erst Ende Mai 2011 beigetreten und bringt mehrere Jahre Forschungserfahrung in der Brennstoffzellen-Technologie mit. Seit 2002 wird der FCX Clarity an Fahrzeugflottennutzer in den USA und Japan geliefert, mittlerweile sogar an Privatkunden. Auch Honda wäre also für eine Serienfertigung gerüstet. Ähnlich sieht es da bei Toyota aus. Der Hersteller steht zu seinem Wort, bis 2015 ein Brennstoffzellen-Auto auf den Markt zu bringen. Ein Prototyp sei auf einer der nächsten Messen zu erwarten. Für die IAA in Frankfurt im September 2011 sei es aber noch zu früh. Zwei Fahrzeuge vom Typ Fuel Cell Hybrid Vehicle-advanced (FCHV-adv.) auf Basis des Highlander werden derzeit erprobt. Eine größere Flotte sei in Planung.

Bildergalerie: F-Cell-Großserie ab 2014