Mittelmotor-Coupé vereint verschiedene Hybrid-Techniken

Nach der Konzeptstudie 918 Spyder schiebt Porsche auf der North American International Auto Show (15. bis 23. Januar 2011) in Detroit die Rennsportvariante 918 RSR nach. Das Mittelmotor-Coupé vereint als experimentelles Rennlabor die Hybridkonzepte des Spyder und des Hybrid-Racers 911 GT3 R.

Fast 770 PS Gesamtleistung
Der 3,4 Liter große V8-Verbrennungsmotor ist aus dem 918 Spyder bekannt und eine Weiterentwicklung des Direkteinspritzer-Triebwerks aus dem Rennwagen RS Spyder. Die Leistung beträgt 563 PS bei 10.300 U/min. Der Fahrer verwaltet die Kraft über Paddles am Lenkrad, die die Schaltbefehle an ein Sechsgang-Renngetriebe weitergeben. Die Elektromotoren an den beiden Vorderrädern steuern jeweils 102 PS bei, was zu einer Gesamtleistung von 767 PS führt. Im 918 RSR verfügen die beiden Elektromotoren über eine Torque-Vectoring-Funktion mit variabler Antriebsmomentenverteilung an der Vorderachse. Dies soll Agilität und Lenkverhalten verbessern.

Schwungrad speichert Energie
Die bei Bremsvorgängen gewonnene Zusatzleistung wird in einem Schwungradspeicher konserviert. Diese Technik stammt aus dem 911 GT3 R und wurde bereits im Renneinsatz erprobt. Der 911 GT3 R Hybrid bezieht seine Zusatzleistung durch Bremsenergie-Rückgewinnung. Diese Zusatzleistung steht bei voller Aufladung rund acht Sekunden zur Verfügung. Beim 911 GT3 R Hybrid kann diese Zusatzleistung je nach Rennsituation auch verbrauchsorientiert eingesetzt werden, zum Beispiel für spätere Boxenstopps oder eine Verringerung des Tankvolumens und damit des Fahrzeuggewichtes.

Wie funktioniert der Schwungradspeicher?
Der Schwungradspeicher im 918 RSR ist eine Elektromaschine, dessen Rotor mit bis zu 36.000 Umdrehungen pro Minute kreist, um Rotationsenergie zu speichern. Die Aufladung erfolgt, wenn bei Bremsvorgängen die beiden Elektromotoren an der Vorderachse ihre Funktion umkehren und als Generatoren arbeiten. Aus dem geladenen Schwungradspeicher kann der Pilot auf Knopfdruck die gespeicherte Energie abrufen und bei Beschleunigungs- oder Überholvorgängen einsetzen. Dabei wird das Schwungrad elektromagnetisch abgebremst, um dann aus seiner Bewegungsenergie jeweils bis zu 102 PS zusätzlich an die beiden Elektromotoren der Vorderachse zu liefern.

Karosserie im Rennwagen-Trim
Das Monocoque des 918 RSR besteht aus kohlefaserverstärktem Kunststoff, abgekürzt CFK. Die Karosserieform stammt prinzipiell vom Spyder und soll an klassische Porsche-Langstrecken-Rennwagen wie das 908 Langheck-Coupé von 1969 und das 917 Kurzheck-Coupé von 1971 erinnern. Charakteristisch für den RSR sind die Luftöffnungen, das kanzelartige Cockpit, ein sichtbares Lüfterrad zwischen den Ram-Air-Ansaugstutzen und ein Heckspoiler im RS-Spyder-Format.

Orange: Die Hybrid-Farbe
Neu ist der Farbton ,Liquid Metal Chromblau", der um die Farbe Orange ergänzt wurde, mit der Porsche typischerweise seine Hybrid-Modelle kennzeichnet. Die Türen öffnen nach schräg oben. Rennsport-typisch sind die Luftöffnung im Dach zwischen den Türflügeln, die Schnellverschlüsse an vorderer und hinterer CFK-Haube, die beiden Dachantennen für Boxenfunk und Telemetrie, Luftleitbleche vorne, die Luftsplitter unterhalb der Frontlippe sowie profillose Slick-Rennreifen auf 19-Zoll-Rädern mit Zentralverschluss.

Puristisches Renncockpit
Im Gegensatz zur Konzeptstudie 918 Spyder verströmt der Innenraum 918 RSR eine puristische Rennatmosphäre: Der Fahrer nimmt auf einem Schalensitz Platz, in der Mittelkonsole sind Kippschalter angebracht, das Lenkrad zeigt optisch die Schaltpunkte an und auf der Lenksäule sitzt die Rekuperationsanzeige. Ein weiteres Display liefert die restlichen Informationen. Rechts von der Konsole tauschten die Porsche-Ingenieure den zweiten Sitz gegen den Schwungradspeicher aus.

Geschichtsträchtige Startnummer
Der 918 RSR trägt die Startnummer 22, dieselbe wie das Porsche 917 Kurzheck-Coupé von 1971, mit dem die Piloten Dr. Helmut Marko und Gijs van Lennep beim 24-Stunden-Klassiker Le Mans als erste durchs Ziel rauschten. Dabei stellten sie einen Distanzrekord von 5335,31 Kilometer bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 222 km/h auf. Der Rekord währte bis 2010 – 39 Jahre lang.

Das rasende Rennlabor