Unikat: Pontiac Deluxe Six ,Ghost Car" von 1939 mit Plexiglas-Karosserie

Geisterfahrer sind bekannt, aber Geisterautos? Wer so etwas sehen wollte, musste 1939 und 1940 auf die Weltausstellung, die World's Fair, in New York gehen. Im Pavillon ,Highway and Horizons" präsentierte General Motors unter dem Motto ,Futurama" unter anderem einen 1939er Pontiac Deluxe Six mit revolutionärem Plexiglas-Kleid. Dafür kooperierte GM mit dem Chemieunternehmen Rohm & Haas, welches das transparente Material kurz zuvor erfunden hatte. Der Pontiac wurde dadurch zum echten ,Ghost Car", wie er damals auch bezeichnet wurde. Nun gibt es eine weitere Möglichkeit, das Unikat zu sehen und auch zu erwerben: Es wird am 30. Juli 2011 in Plymouth im US-Bundesstaat Michigan durch RM Auctions versteigert. Wer das Auto erwerben will, sollte keine Geldnöte haben.

Plexiglas als Zeichen des Fortschritts
Auch heute noch fasziniert der Geister-Pontiac. Rohm & Haas stellte eine exakte Replika der Karosserie aus Plexiglas her. Das transparente, stabile und beliebig formbare Material war für die damalige Zeit ein wahrer Wunderstoff und ein Zeichen von Fortschritt – genau das, was auch die World's Fair und ihre Aussteller veranschaulichen wollten. Die Plexiglashülle des Pontiac war alleine schon eine technische Meisterleistung und darüber hinaus gewährte sie dem Publikum noch einen Blick auf die Technik darunter.

Astronomisch teures Unikat
Die Stahlblechteile unter der Karosserie wurde zum Schutz vor Korrosion mit einer Kupferschicht überzogen. Der Motor wurde weiß lackiert. Darüber hinaus verchromte Rohm & Haas viele Metallteile inklusive des Armaturenbretts. Alle Gummiteile – auch die Reifen – wurden in Weiß angefertigt. 25.000 US-Dollar soll der Bau des transparenten Geister-Pontiac gekostet haben, eine damals geradezu astronomische Summe. Das jährliche Durchschnittseinkommen eines US-Amerikaners betrug 1939 zwischen 1.700 und 1.800 Dollar.

Keine 150 Kilometer auf der Uhr
Unter der Plexiglas-Haube des Pontiac Plexiglas Deluxe Six steckt ein so genannter ,Flathead"-Reihensechszylindermotor mit 3,7 Liter Hubraum und moderaten 86 PS. Die Leistung wird über ein Dreigang-Schaltgetriebe verwaltet. Das Fahrwerk verfügt vorne über eine Einzelradaufhängung, hinten über eine Starrachse mit halbelliptischen Blattfedern. Rundum sind am Pontiac Trommelbremsen verbaut. Sein aktueller Besitzer, der das Fahrzeug in den frühen 1980er-Jahren erwarb, hat diese aber nicht sehr oft verwenden müssen. Die Limousine hat nur 86 Meilen, umgerechnet rund 138 Kilometer, auf der Uhr.

Bis zu 475.000 US-Dollar Erlös
In den 1970er-Jahren wurde das Fahrzeug teilrestauriert. Der aktuelle Zustand des Fahrzeugs ist nach der Beschreibung des Auktionshauses ,bemerkenswert". Es gibt nur einige Risse im Plexiglas – nach 70 Jahren dürfte das kein Wunder sein. Daher erwartet der Auktionator auch ein hohes Gebot: Bis zu 475.000 US-Dollar soll der Geister-Pontiac bringen, umgerechnet knapp 334.000 Euro.

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