Italienisches 710-PS-Geschoss ab sofort bestellbar

Der Initiator Horacio Pagani ist Argentinier, die Autos werden in Italien gebaut und involviert ist immer ein gutes Stück deutscher Technik. So ist es auch beim neuesten Pagani: Noch vor dem Genfer Autosalon 2011 präsentiert uns Horacio nach mehrjähriger Entwicklungsphase den Huayra. Der sündhaft teure Supersportler ist nach Huayra Tata benannt, dem südamerikanischen Gott des Windes aus der Andenregion.

Leichtbau-Monocoque aus Karbon
Das zentrale Monocoque des Huayra besteht aus Karbon. Bei der Entwicklung des Sportwagens wurde laut Pagani viel Wert auf Verwindungssteifigkeit gelegt. Ein Charakteristikum des Boliden sind die Flügeltüren. Der Tank sitzt hinter dem Passagierabteil und ist der Sicherheit halber mit Verbundwerkstoffen verstärkt. Vorne und hinten kommt je ein leichter Chrom-Molybdän-Unterrahmen zum Einsatz. Im Fokus stand die Gewichtsreduktion. So wurden alle Luftschächte in die Monocoque-Struktur integriert, was zusätzliche Röhren unnötig macht. Resultat: Ein Trockengewicht von 1.350 Kilogramm. Sie sind im Verhältnis 44 zu 56 nach vorn und hinten verteilt..

Über 370 km/h sind drin
Für den Vortrieb sorgt ein Sechsliter-V12 von Mercedes mit Twin-Turbo-Aufladung. Ein AMG-Symbol zeigt, wo der Motor herkommt. Er leistet 710 PS und generiert 1.000 Newtonmeter Drehmoment. Die Italiener sind dabei um geringeren Spritverbrauch und niedrigere Emissionen bemüht. Unter anderem soll eine zweistufige Kraftstoffversorgung Benzin sparen: Die zweite Spritpumpe wird nur bei Bedarf zugeschaltet und nicht unnötig betrieben. Ein effizienter Umgang mit Brennstoff in Kombination mit dem 85-Liter-Tank soll den Huayra auch als Reisefahrzeug tauglich machen. Die Hauptbestimmung dürfte jedoch das schnelle Fahren sein: Pagani hat noch keine Fahrwerte verlauten lassen, doch die Reifen sollen über 370 km/h vertragen. Die Hochleistungspneus steuert Pirelli bei, sie sollen außerdem auch Seitenkräfte von 1,5 G aushalten.

Abgasanlage aus Titan
Wie der Motor stammt auch die Abgasanlage aus Deutschland. Sie besteht aus Titan und kommt von Hersteller MHG-Fahrzeugtechnik. Das gesamte System wiegt weniger als zehn Kilogramm. Charakteristisch ist die Optik der vier Endrohre: Sie sind wie beim Zonda R mittig gebündelt. Natürlich betonen die Italiener zudem die Potenz vermittelnde Soundkulisse.

Sequenzielles Siebenganggetriebe
Die Kraftübertragung übernimmt ein quer eingebautes, sequenzielles Siebenganggetriebe mit Zweischeibenkupplung. Die Getriebeeinheit von Xtrac wiegt 96 Kilogramm. Im hinteren Überhang wollte Pagani so wenig Gewicht wie möglich platzieren, um im Grenzbereich ein neutrales Fahrverhalten zu erzielen. Auf ein Doppelkupplungsgetriebe wurde daher verzichtet. Es hätte ein Mehrgewicht von 70 Kilogramm bedeutet, womit wiederum der Vorteil der kürzeren Schaltzeiten nutzlos gewesen wäre. Das komplette Fahrwerk wurde erwartungsgemäß ebenfalls auf den Einsatzzweck in einem Hochleistungssportwagen zugeschnitten und stammt in Teilen vom Zonda R.

Ausfahrbare Flügel
Bei der Aerodynamik greift Pagani in die Elektronikkiste. Das 1,17 Meter flache und rund 4,61 Meter lange Fahrzeug kann in bestimmten Situationen vorne automatisch seine Höhe verändern und besitzt ausfahrbare Kontrollflügel, die an den vier Fahrzeugecken angebracht sind. Ihr Einsatz soll ein neutrales Fahrverhalten herbeiführen. Die Aktivierung richtet sich nach Daten von ABS und Steuergerät. Herangezogen werden Informationen über Geschwindigkeit, Gierrate, Querbeschleunigung, Lenkwinkel und Gaspedalstellung. Beispielsweise helfen die aufgestellten hinteren Flügel sowie die angehobene Front während eines Bremsvorgangs, der Gewichtsverschiebung von hinten nach vorne entgegenzuwirken und die Balance zu halten. Dies wiederum soll die Bremswirkung hinten verbessern.

Karosserie generiert Abtrieb
Die Karosserie ist strömungsgünstig, dies soll sich aber nicht auf die Luftversorgung des Motors auswirken. Bei den Lufteinlässen ließ sich Pagani von Überschalljets der 1950er- und 1960er-Jahre inspirieren. Die Bi-Xenon-Scheinwerfer stammen ebenfalls vom Zonda R. In die Front integriert sind LED-Tagfahrlichter. Für einen geringeren Luftwiderstand verzichten die Italiener auf einen festen Heckflügel. Zu den aerodynamischen Features gehören auch seitliche Luftauslässe hinter den vorderen Radhäusern, in denen ein Unterdruck entsteht, der Abtrieb an der Vorderachse erzeugt. Ebenso sind die Karosserie und der Unterboden auf Abtrieb getrimmt.

Edler Innenraum mit Alu und Leder
Innen findet der Fahrer des Pagani Huayra die wichtigsten Funktionen in der Nähe des Lenkrads. Geschaltet wird über Wippen am Steuer. Die Sitze sollen einen enormen Seitenhalt bieten – das erwarten wir auch von einem Supersportwagen. Der Rest ist eine Komposition aus Leder und Aluminium. Das Armaturenbrett erinnert an eine komplexe Schweizer Uhr. Ein Multifunktionsdisplay versorgt den Fahrer mit Informationen. Die Mittelkonsole ist aus einem Alu-Block geschnitzt – darauf sitzen Knöpfe im Klarinetten-Stil. Integriert ist der Touchscreen eines Infotainmentsystems.

Preis in Italien: 1 Million Euro
Fünf Prototypen hat Pagani gebaut. Über 500.000 Testkilometer seien in den letzten vier Jahren absolviert worden, unter anderem im Death Valley und in der Arktis. Auch deutsche Firmen sind bei den Tests involviert: Ein Fahrzeug wird bei Mercedes-AMG gecheckt, ein weiteres bei Bosch für die Erprobung von ABS und anderen Systemen. Die Tests laufen parallell zum Verkauf weiter. Der Huayra kann ab sofort bestellt werden. Offiziell vorgestellt wird er auf dem Genfer Autosalon im März 2011. Das erste Fahrzeug wird im Mai 2011 übergeben. Der Preis in Italien beträgt inklusive Steuer 1 Million Euro.

Der Gott des Windes