Die neue Automesse im nahen Osten soll die Region weiter voranbringen

Der Premierminister ist gekommen, der Finanzminister ist da und selbst eine Hand voll Botschafter ist angereist: Die erste Qatar Motor Show (26. bis 29. Januar 2011 in Doha), ist für das kleine Land im nahen Osten enorm wichtig. Nachdem man bereits den Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 bekommen hat, will man nun an der Zukunft der Automobilindustrie teilhaben. Vor allen Dingen Probleme wie globale Erwärmung und ungehinderte Verkehrsströme sollen angegangen werden. Dazu hat man die führenden Köpfe aus der gesamten Autowelt nach Katar geladen.

Kleines Land mit großen Plänen
Katar ist ein kleines Land. Mit einer Fläche von 11.600 Quadratkilometer umfasst es etwa zwei Drittel der Größe von Thüringen. Rund 1,7 Millionen Einwohner verteilen sich im Wüstenstaat, der vor allen Dingen durch den Verkauf des gefragten Rohstoffs Erdgas reich geworden ist. Erdöl hat man selbstredend auch in erklecklichen Mengen im Angebot. Nun will man in der Region die Führerschaft in Sachen Automobilität übernehmen. Stolz verkündet man, dass sich die bekanntesten Automarken der Welt mit jeder Menge Neuheiten zur Qatar Motor Show versammelt haben. Premier- und Außenminister Scheich Hamad Bin Jassim Bin Jabr Al Thani ist der Schirmherr der Messe, sein Finanzminister Yousef Kamal eröffnete selbige. VW-Chef Martin Winterkorn ist genauso dabei wie Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister.

Neues und Abgefahrenes
In Katar ist man stolz darauf, dass die Palette der gezeigten Wagen teure, schnelle, exklusive aber auch preiswerte Modelle umfasst. Highlight ist sicher die Weltpremiere der dritten Version von VWs Einliter-Auto, des XL1. Außerdem bringen die Wolfsburger den Race Touareg 3 Qatar und den Touareg Gold Edition zur Messe. Ersterer ist eine straßenzugelassene Variante des Race Touareg, wie er in der Rallye Dakar eingesetzt wird. Bei der Gold Edition handelt es sich um einen Touareg, der an diversen Stellen mit 24-karätigem Gold veredelt wurde. Lamborghini bringt den Gallardo LP 560-4 Bicolore mit, Audi zeigt den R8 GT und den A8 mit Zwölfzylinder-Motor. Porsche hat den Panamera 4S in einer Middle East Edition dabei. VW engagiert sich in Katar, Katar engagiert sich beim VW-Konzern: Schließlich griff man Porsche finanziell unter die Arme und kaufte Anteile, als der schwäbische Autobauer 2009 in Schieflage geriet.

Regionale Premieren
Auf der Automesse in Katar wurden auch viele regionale Premieren gefeiert. So scheint es aus europäischer Sicht ungewöhnlich, wenn Fahrzeuge wie der Skoda Yeti erst noch enthüllt werden müssen. Auch Autos wie der Chevrolet Captiva, der Cadillac XTS, der Bentley Continental GT und der Volvo S60 sind hierzulande längst bekannt. 55 Aussteller bringen insgesamt 135 Fahrzeuge zur Auto Show mit. Am Rande der Messe wurde bekannt gegeben, dass eine Baraha Motor City entstehen soll. In dieser Motor City soll vom Autokauf über Fahrzeuginstandsetzung bis zu Versicherungsberatungen alles erledigt werden können, was Autodinge betrifft. Und auch der Spaß am Fahren soll nicht zu kurz kommen: Rallye-Fahrer Abdo Feghali zeigt seine Drift-Künste und Nick Franklin sowie Frederick Berggren zeigen ihre Fähigkeiten als Freestyle-Motorradfahrer.

Wachsender Markt
Katar wächst. Das Bruttoinlandsprodukt soll 2012 um 18 Prozent steigen. Der Fahrzeugmarkt legte um fünf Prozent zu. Im Vergleich zu den drei Prozent in Europa ist das gut. Auch VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg ist zur Messe gereist. Ihm geht es um die Entwicklung von sparsamen Fahrzeugen und damit um den Beitrag der Autoindustrie zum Kampf gegen die globale Erderwärmung. Das Ziel: Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen bis 2050 um 90 Prozent. Nach der Bedeutung der Qatar Motor Show befragt, antwortet Hackenberg: ,Katar ist ein wichtiger Markt für Volkswagen und von Katar aus können wir unsere Marke in der ganzen Region bekannter machen."

Entscheider aus allen Bereichen
Zum großen Branchen-Treffen wurden führende Köpfe der Autoindustrie und ihrer Peripherie geladen. Dominique Venet, Chef des französischen Energiekonzerns Gaz EDF, glaubt, dass in Zukunft sichere und bezahlbare Elektrofahrzeuge auf den Markt müssen. Der Vertriebs-Chef des Navigations-Spezialisten Navteq, Jeff Mize, erläuterte die Wichtigkeit von Navigationssystemen bei der Umfahrung von Staus. Eugenio Razelli, Chef des Internationalen Verbandes der Autohersteller, stellte heraus, dass zwischen 2007 und 2010 der Pkw-Markt im nahen Osten um 13 Prozent gewachsen ist. Er fordert von seiner Branche Produkte, die sicher, effizient und umweltfreundlich sind.

Besucherfreundlich
Mit der Auto Show will Katar nicht nur auf den nahen Osten abstrahlen. Man möchte weltweit ein Zeichen setzen. So ist es kein Wunder, dass die Messe von der Katarer Tourismus-Behörde organisiert wurde. Eines der zugkräftigen Lockmittel: Der Eintritt ist frei. Geht es nach den Wünschen von Katar, wird die Messe jetzt jährlich stattfinden.

Qatar Motor Show