Handgefertigter Supersportwagen mit über 650 PS bietet Ferrari und Co. die Stirn

Kompromissloses Design, kein Schnickschnack und kaum Kosmetik: Die kleine englische Sportwagenschmiede Noble zeigt nach rund zwei Jahren Funkstille die erste Serienausführung des M600. Bereits 2009 wurde der Supersportler angekündigt, nun kommt er endlich auf die Straße.

Twinturbo-V8 von Yamaha
Schon 1999 hatte Lee Noble seinen Traum von der Produktion eines eigenen Autos verwirklicht. Das erste Modell hieß M10, seither gab es unter anderem noch den M12 und den M15, der nun vom M600 abgelöst wird. Das neue Modell stellt seine Vorgänger in Sachen Leistung deutlich in den Schatten. Markierte bis vor kurzem der M15 mit 461 PS die Leistungsspitze, klotzt der M600 mit 659 PS. 819 Newtonmeter reißen am Antriebstrang. Ermöglicht werden die Werte durch die Verwendung eines 4,4-Liter-V8-Motors von Yamaha mit Twinturbo-Aufladung. Der Fahrer kann aus drei Fahrprogrammen wählen: Road, Track und Race. Dies ist gleichbedeutend mit den drei Leistungsstufen 456, 557 und 659 PS. Parallel ändern sich auch die Sensibilität der Gasannahme, die Stärke des Leistungseinsatzes und die Traktionswerte.

Außerordentlich spurtstark
Ein Vorserienmodell des M600 bewältigte den Spurt von null auf 120 Meilen pro Stunde, zirka 193 km/h, in 8,9 Sekunden. Zum Vergleich: Ein Ferrari Enzo schafft eine Beschleunigung von null auf 200 km/h in 9,5 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit des Briten wird mit einem Schätzwert von zirka 362 km/h angegeben – das wären immerhin sieben km/h mehr als beim Enzo, der bei Testfahrten neben einem Porsche Carrera GT als Vergleichsfahrzeug fungierte. Geschaltet wird – ganz ,altmodisch" – mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe vom Hersteller Graziano. Die Traktionskontrolle kann abgeschaltet werden: Sicherheitshalber fragt die Bordelektronik nach dem ersten Knopfdruck, ob man dies wirklich tun will. Erst ein zweiter Knopfdruck deaktiviert die Traktionskontrolle. Ansonsten geht es im Noble wenig ,digital" zu. Das Unternehmen spricht gar von ,analogen Qualitäten": Besser gut konstruiert, als vom Computer kaschiert, könnte man sagen.

Karosserie aus Karbon
Die Leistung trifft auf ein Gewicht von lediglich 1.250 Kilogramm. Die Karosserie des 4,36 Meter langen M600 besteht aus leichtem Karbon. Statt auf Design-Schnickschnack, so Noble, habe man sich auf aerodynamische Effizienz und adäquate Kühlung der Technik konzentriert. Das Credo lautete: Die Form folgt der Funktion. Unter der Außenhaut sitzt eine Wannenkonstruktion aus Edelstahl und Aluminium, beziehungsweise ein Gitterrohrrahmen. Vorne und hinten sind Crashstrukturen integriert, ebenso an den Seiten.

Starke Bremsen und italienische Räder
Auch bei der Verzögerung soll es nach Angaben der Briten zu einem puristischen Fahrerlebnis kommen. Ein ,spürbare Bremse" stand im Fokus der Entwicklung. Zusammen mit der Firma Alcon wurden halb schwimmend gelagerte Aluminium-Sättel mit sechs Kolben vorne und vier Kolben hinten entwickelt. Vorne werden Bremsscheiben mit 380 Millimeter Durchmesser in die Zange genommen, hinten 350er-Pendants. Die Felgen werden von der italienischen Firma Speedline beigesteuert. An die Vorderachse werden sie im Format 9Jx19 Zoll mit 255er-Reifen montiert, hinten in der Größe 12Jx20 Zoll mit 335er-Pneus.

Puristisch und doch komfortabel?
Noble hat den handgefertigten M600 kompromisslos auf Handling und hohe Geschwindigkeiten ausgelegt. Wie die Briten versichern, soll dies nicht auf Kosten des Komforts oder der Praktikabiliät gehen. Das Interieur besteht aus Leder oder Alcantara, Karbon-Intarsien und Wollteppichen. Die Sitze sind Spezialanfertigungen aus Kohlefaser, die je nach Kundenwunsch bezogen werden. Die Oberfläche des Lenkrads besteht wahlweise aus Leder oder Velours. Unter der Fronthaube ist der Kofferraum beheimatet – Noble bietet hierfür ein maßgeschneidertes Set von Gepäckstücken an. Wer Kosmetik wünscht, bekommt alles nach Wunsch realisiert. Außerdem darf man dem Bau des eigenen Fahrzeugs beiwohnen und die involvierten Mechaniker treffen. Eine nette Geste – und schließlich möchten ja vielleicht einige sehen, wofür sie ,zwischen 200.000 und 230.000 Britische Pfund", also rund 237.000 bis 272.000 Euro, ausgeben.

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