Zahlreiche Assistenten schon im Focus verfügbar

Ist Fahrzeugsicherheit ein Luxus, den sich nur wenige leisten können? Diese zunächst abwegig erscheinende Idee könnte einem kommen, wenn man sich ansieht, welche Marken crashverhindernde Nothaltesysteme anbieten: Vor allem sind es die Premiummarken Mercedes, Lexus und Audi. Doch nun scheinen die teuren Systeme langsam in der volkstümlichen Kompaktklasse anzukommen. Ford jedenfalls bietet das Notbremssystem Active City Stop nun im neuen Focus an. Wir haben dieses und andere Systeme erprobt.

Auf Lidar-Basis
Das Notbremssystem schützt vor Auffahrunfällen mit stehenden oder langsam vorausfahrenden Autos. Es basiert auf einem nach vorn gerichteten Lidar-Gerät (Light Detecting and Ranging). Diese mit dem Radar verwandte Methode zur Abstandsmessung wird auch bei den Laserpistolen der Verkehrspolizei zur Geschwindigkeitsmessung eingesetzt. Statt der beim Radar verwendeten Funkwellen werden hier Laserstrahlen verwendet. Das System sitzt beim Focus in der Windschutzscheibe und erkennt reflektierende Oberflächen in einem Bereich von maximal zwölf Meter vor dem Fahrzeug. Da diese Sensortechnik nicht weit vorausblickt, arbeitet Active City Stop nur bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h.

Kollisionen bis 15 km/h werden verhindert
Entdeckt der Sensor ein nahes Hindernis, wird zunächst das Bremssystem auf eine Notbremsung vorbereitet. Reagiert der Fahrer nicht, tritt die Notbremsfunktion in Aktion. Bis zu einer Tempodifferenz von 15 km/h werden Kollisionen verhindert, bei 15 bis 30 km/h wird die Wucht des Aufpralls verringert. Wir fuhren mit knapp 30 km/h auf einige Stoffballen zu, und tatsächlich: Nach einer mittelmäßigen Bremsung und einem scharfen Ruck am Schluss bleibt unser Focus Turnier knapp vor dem Hindernis stehen, ohne dass wir eingreifen mussten. Der Motor ist aus, die Warnblinkanlage an: Der Unfall ist ausgeblieben, der nachfolgende Verkehr wäre gewarnt worden.

Nur 350 Euro Aufpreis
Das System kostet beim Focus 350 Euro Aufpreis. Im Vergleich etwa zur Presafe-Bremse von Mercedes ist es günstig. Die Stuttgarter bieten es in der S-Klasse serienmäßig an, bei E- und C-Klasse kostet ein Paket aus Presafe-Bremse, Abstandstempomat, Spurhalteassistent und Totwinkelassistent über 2.000 Euro. Aber das Mercedes-System ist auch deutlich weniger eingeschränkt: Das auf Radar basierende Mercedes-System arbeitet im Bereich von null bis 200 km/h. Das ebenfalls radarbasierte PCS des Lexus CT 200h – auch ein Kompaktmodell – kostet inklusive Abstandstempomat 2.530 Euro. Gegen Unfälle mit Fußgängern oder Radfahrern helfen übrigens all diese Systeme nichts. Das Abstandsregelsystem im Volvo V60 für 1.950 Euro Aufpreis enthält allerdings auch eine Fußgängererkennung. Es basiert nicht nur auf Radar, sondern bezieht auch Kameradaten ein.

Aktiv zurücklenkendes Spurhaltesystem
Auch ein Spurhaltesystem bietet Ford für den Focus an. Es warnt den Fahrer, wenn er die Fahrspur versehentlich verlässt. Eine Kamera hinter der Windschutzscheibe beobachtet dabei die Fahrbahn und erkennt die Markierungen. Wird eine Linie gekreuzt, wird der Fahrer über eine Lenkradvibration gewarnt. Reagiert er nicht, wird das Auto per Lenkeingriff auf die Spur zurückgeleitet. Anders als bei Konkurrenzsystemen spielt es keine Rolle, ob die Linie durchgezogen oder unterbrochen ist. Auf der gleichen Sensorik basiert der Müdigkeitswarner. Dabei wird nicht etwa das Gesicht des Fahrers beobachtet, sondern sein Fahrverhalten: Ein müder Fahrer korrigiert seine Fahrspur später und mit größeren Lenkeingriffen als ein wacher. Wird es kritisch, wird dem Fahrer per Display empfohlen, eine Pause einzulegen.

Totwinkelassi, der nicht zurücklenkt
Ebenfalls der Sicherheit verpflichtet ist der Totwinkelassistent. Dabei überwachen zwei Radarsensoren im Heck den toten Winkel. Nähert sich ein Fahrzeug von hinten, wird der Fahrer durch LED-Lichter in den Außenspiegeln gewarnt. Anders als bei Systemen anderer Hersteller wird die Warnung nicht verstärkt, wenn man in einer solchen Situation den Blinker setzt. Auch erfolgt kein Lenkeingriff, das heißt, man wird nicht automatisch auf seine Fahrspur zurückgeleitet – anders als bei der Konkurrenz und anders als beim Spurhaltesystem. Mittelbar sorgt auch die Verkehrsschild-Erkennung für Sicherheit. Das kamerabasierte System erkennt Tempolimits und Überholverbote. Wir erprobten auch dieses System, wobei mehrere Schilder richtig erkannt wurden. Auch das Einparken in eine Längsparklücke mit dem aktiven Einparkassistenten klappte anstandslos – in zwei Zügen. Allerdings würden uns Parkpiepser reichen.

Paket für 1.375 Euro
Die Assistenten sind beim Focus in Form des Assistenz-Pakets II verfügbar. Das ab 1.375 Euro bestellbare Paket umfasst neben Active City Stop auch den Totwinkelassistenten, das Spurhaltesystem, den Müdigkeitswarner, die Verkehrsschilderkennung und weitere Elemente. Während es diese Helfer bereits in Serie gibt, ist eine andere Neuheit im deutschen Ford-Programm noch nicht zu haben: der Gurt-Airbag. Während die Frontinsassen beim Frontalaufprall durch Airbags im Lenkrad oder im Armaturenbrett geschützt werden, prallen die Fondpassagiere – wenn sie nicht vom Gurt zurückgehalten werden – ungebremst gegen die Vordersitze oder gar gegen die B-Säule. Ein Gurt-Airbag soll davor schützen.

Blitzschnelles Aufblasen
Das System sieht nicht viel anders aus als ein normaler Sicherheitsgurt, doch bei einem Aufprall wird das Rückhaltesystem blitzschnell aufgeblasen – allerdings nicht auf pyrotechnischem Wege, wie die meisten sonstigen Airbags, sondern mithilfe einer Druckpatrone. Der Effekt: Die Aufprallenergie wird über einen größeren Bereich des Brustkorbs verteilt, was die Unfallfolgen minimiert. Wir saßen auf einem Sitz mit diesem Gurtsystem Probe und waren erstaunt, dass es weder beim Aufblasen noch im aufgeblasenen Zustand drückt oder beengt. Gänzlich neu ist ein solches Sicherheitssystem indes nicht: Der Supersportwagen Lexus LFA wird im Cockpit damit ausgerüstet, allerdings zusätzlich zum normalen Airbag.

Begrüßenswertes Sicherheitsplus
Auch wenn manche Sicherheitssysteme von Ford einige Features vermissen lassen, die bei anderen Herstellern angeboten werden: Es ist begrüßenswert, dass solche Sicherheitselemente nun allmählich Eingang in die Kompaktklasse finden. Vor allem, wenn sie auch noch günstig sind – wie die einzeln erhältliche Notbremsfunktion für 350 Euro. Zum Vergleich: Beim Marktführer VW Golf gibt es bislang nur einen Einparkassistenten und einen Fernlichtassistenten. Letzterer taucht auch in der Preisliste des Opel Astra auf; außerdem gibt es eine Verkehrsschilderkennung und einen Spurassistenten. Der Focus hat hier mehr zu bieten.

Sicherheit bei Ford