Panzer-A8 will schützen

5,27 Meter Sicherheit: Der neue Audi A8 L Security ist da. Die stark gepanzerte Langversion des A8 wird das erste Mal auf dem Genfer Autosalon (3. bis 13. März 2011) zu sehen sein. Optisch ist der Wagen kaum von seinem ungepanzerten Serien-Kumpanen zu unterscheiden – schließlich wünscht die anvisierte Kundschaft Diskretion.

Auf Panzerung ausgelegt
Laut Audi wurde der A8 von vornherein so konzipiert, dass er später auch in einer Sonderschutz-Variante gebaut werden kann. In dem Gesamtkonzept wurde zudem das Crashverhalten berücksichtigt, welches auch auf den Unfallgegner Rücksicht nehmen soll.

Im Geheimen von Hand gebaut
Der A8 wird in Nekarsulm zur Panzerlimousine umgebaut. Dabei lässt sich Audi nicht in die Karten schauen: Die Werkshallen sind streng abgeschirmt. Die Panzerungen des Fahrzeugs wurden vom Beschussamt in München zertifiziert. Der Wagen erfüllt die Beschussklasse VR 7 gemäß der Richtlinie BRV 2009. ,BRV" steht dabei für Bullet Resistant Vehicles, also für kugelsichere Fahrzeuge. Blech und Verglasung halten NATO-Hartkernmunition stand. In Sachen Widerstand gegen Sprengkörper erfüllt das Fahrzeug die Klasse VR 7 nach der Richtlinie ERV 2010 (Explosion Resistant Vehicles). Den Fahrzeugboden schützt eine Aluminium-Legierung. Außerdem sorgen warm umgeformter Panzerstahl, Aramidgewebe, Keramik und mehrlagiges Glas dafür, dass der A8 L Security die Explosion einer Handgranate übersteht. Damit Glassplitter nicht die Insassen verletzen, klebt an der Innenseite der Fenster noch eine Polycarbonat-Schicht.

Gewichte
Audi betont zwar, dass die Ingenieure selbst bei diesem Panzerfahrzeug auf ein möglichst geringes Gewicht geachtet haben, ein paar Kilos kommen aber im Dienst der Sicherheit doch zusammen. Die Innenraumpanzerung schlägt mit 720 Kilogramm zu Buche, die Spezialscheiben bringen 300 Kilogramm auf die Waage und Schließhilfen für die Türen packen nochmal 360 Kilogramm obendrauf. 1.380 Kilogramm kommen also zu den 2.130 Kilogramm Leergewicht mindestens hinzu: Macht rund 3,5 Tonnen Sicherheit. Im Kofferraum des Wagens ist die so genannte Kommunikations-Box untergebracht. In ihr stecken Steuergeräte und die Zusatz-Batterie. Den Inhalt dieser Box erreicht man über Keramik-Türen. Optional wird auch noch der Kraftstofftank speziell geschützt. Zwar lassen sich die Seitenscheiben des A8 L Security beinahe vollständig absenken, aber mit der Außenwelt kommunizieren die Insassen dann doch lieber über die serienmäßige Gegensprechanlage. Deren Lautsprecher sitzen hinter dem Front-Grill.

Raussprengen, Löschen, Sauerstoff atmen
Damit der Panzer-A8 nicht zur Falle wird, gibt es ein Notausstiegs-System. Drückt der Fondpassagier einen verplombten Schalter und zieht darauf am inneren Türgriff, werden die Türscharniere gesprengt. Dann lässt sich die Tür nach außen wegstoßen. Für Brandsicherheit sorgt ein automatisches Löschsystem: Per Sensor oder Tastendruck aktiviert, strömt Löschmittel aus Behältern im Gepäckraum über Rohre zum Unterboden, zu den Radhäusern und zum Tank. Und für Fahrten durch Zonen mit vergifteter Luft sind zwei Sauerstoff-Kartuschen mit an Bord. Diese geben den Sauerstoff auf Tastendruck in die Kabine ab. Dadurch entsteht im Innenraum ein Überdruck und von außen können keine schädlichen Gase eindringen. Derart gesichert kann der gefährliche Bereich durchfahren werden. Optional gibt es auch noch ein Fernstart-System: Hierbei startet der Fahrer den Motor bereits von außen per Funk.

Nicht alltägliche Extras
Audi hat für den A8 L Security noch jede Menge Extras parat, die sich nicht in normalen Aufpreis-Listen finden: So gibt es einen Rauchabzug, eine LED-Signalanlage, eine Sirene, eine Vorbereitung für Behördenfunk, einen Standartenhalter für verschiedene Fähnchen, einen Unfalldaten-Schreiber, eine beheizbare Frontscheibe und teilbeheizbare Seitenscheiben. Die Voll-LED-Scheinwerfer gehören hingegen zum Serienumfang.

Kräftige Reifen mit Kunstoffkern
Um dem gestiegenen Gewicht des A8 L Security Rechnung zu tragen, wurde auch das Fahrwerk verstärkt. Die Bremsanlage und die elektronischen Regelsysteme mussten ebenfalls den neuen Anforderungen angepasst werden. Die 19-Zoll-Reifen kommen in der Spezial-Dimension 255/720 daher und sind mit dem Tragkraft-Index 117 unterwegs. Das heißt: Jeder einzelne Reifen hält ein Gewicht von 1.285 Kilogramm aus – alle vier Reifen gemeinsam würden also ein Gewicht von über fünf Tonnen stemmen können. Unter den Pneus sitzen Kunststoffringe auf den Felgen, die im Falle von kaputten Reifen eine Weiterfahrt mit einer Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h ermöglichen.

Erstmal mit zwölf Zylindern
Zum Markstart wird der A8 L Security mit dem 6,3-Liter-Zwölfzylindermotor angeboten. 500 PS und ein maximales Drehmoment von 625 Newtonmeter bringen den Sicherheitsbrocken voran. In 7,3 Sekunden spurtet die Limousine auf Tempo 100, bei 210 km/h wird elektronisch abgeregelt. Als Durchschnittsverbrauch gibt Audi 13,5 Liter pro 100 Kilometer an – gegenüber dem Vorgängermodell mit 450 PS wäre das eine Kraftstoffersparnis um drei Liter. 2012 wird es den A8 L Security in einer nicht näher bezeichneten weiteren Motorisierungs-Variante geben. Deren Verbrauch gibt Audi mit zehn bis elf Liter pro 100 Kilometer an. Ab März 2011 ist der A8 L Security mit Zwölfzylindermotor bestellbar, ausgeliefert wird dann ab Spätsommer 2011. Die Preise beginnen bei 400.000 Euro.

Audi A8 L Security