Ford-Chef Bernhard Mattes im Interview

?: Herr Mattes, wie wichtig ist der neue Focus für Ford?

Bernhard Mattes: Äußerst wichtig, weil das C-Segment und auch das B-Segment der Kleinwagen die Segmente sind, die weltweit am stärksten in den nächsten Jahren wachsen werden. Beide zusammen werden 50 bis 60 Prozent der Gesamtnachfrage weltweit ausmachen und damit ist der Ford Focus natürlich ein ganz entscheidendes Produkt. Die Plattform des Ford Focus ist übrigens die gleiche wie die für den Ford C-MAX, den Ford Grand C-MAX, für künftige Hybrid- und Elektrovarianten sowie wie für unser nächstes SUV. Die C-Plattform ist daher von großer Bedeutung für uns, denn wir wollen künftig knapp zwei Millionen Fahrzeuge pro Jahr auf dieser Architektur verkaufen.

?: Für den Ford Focus Turnier soll es eine elektrische Heckklappe geben, die per Fußbewegung öffnet und sogar schließt. Was können Sie uns dazu sagen?

Mattes: Das wird es für den Ford Grand C-MAX geben. Dies ist vor allem dann besonders vorteilhaft, wenn man beide Hände voll Gepäck oder Einkaufstüten hat. Man hat den Schlüssel in der Tasche, das Fahrzeug erkennt, dass es geöffnet werden soll und man kann mit einer leichten Fußbewegung unter dem Stoßfänger die Heckklappe automatisch öffnen. Per Knopfdruck schließt diese sich auch automatisch wieder.

?: Mit welchen innovativen Technologien soll der neue Ford Focus in seiner Klasse punkten? Man hört von einem Windows-System und einem Head-up-Display....

Mattes: Es gibt eine ganze Menge an sinnvollen Technologien beim neuen Ford Focus, die in einem Fahrzeug dieses Segments bislang noch nicht verfügbar waren. Diese Fahrer-Assistenzsysteme sind kein überflüssiger Schnick-Schnack, sondern können die Verkehrssicherheit tatsächlich konkret verbessern. Ich denke in diesem Zusammenhang zum Beispiel an den Toten-Winkel-Assistenten, der sich mit einem orangefarbenen Warnlicht im Außenspiegel meldet, sobald sich ein Fahrzeug im toten Winkel befindet. Ein anderes Beispiel ist das so genannte ,Active City Stop". Dies ist ein System, das im Stadtverkehr das Risiko eines Auffahrunfalls im Falle eines Falles durch aktive Bremsmanöver minimiert. Ein anderes, wie ich finde ebenfalls sehr empfehlenswertes Unfallvermeidungssystem, ist der ,Fahrspur-Assistent". Er warnt den Fahrer durch Vibrationen im Lenkrad, sobald die Technik ein möglicherweise ungewolltes Verlassen der Fahrspur registriert. Der ,Fahrspurhalte-Assistent" geht sogar noch einen Schritt weiter: Reagiert der Fahrer nicht auf die Lenkrad-Vibrationen, wird er durch einen zeitlich begrenzten Lenkeingriff der elektrischen Servolenkung beim Zurücklenken in die Fahrspur unterstützt.

Auf der anderen Seite steht das Thema Sprachsteuerung. Im neuen Ford Focus wird ein System verfügbar sein, das Sprache in Bedienfunktionen umsetzt. Man kann also beispielsweise das Navigationsgerät, das Infotainment-System oder die Klimaanlage ausschließlich durch seine Stimme steuern und programmieren. Die Hände können also am Lenkrad bleiben. Es zeigt sich, dass das Automobil eben noch mehr können muss als ,nur" sicher zu sein und Fahrfreude zu bieten.

?: Seit geraumer Zeit wird über eine Neuauflage des Ford Capri spekuliert. Wird es einen Volks-Sportler von Ford geben?

Mattes: Die Frage freut mich immer wieder ganz besonders, weil sie zeigt, dass der Ford Capri einen hohen Stellenwert für viele Menschen hat, einen emotionalen Wert sozusagen - und das ist gut für uns. Was die Medien über einen neuen Ford Capri zu berichten wissen, ist aber pure Spekulation, und an Spekulationen beteiligen wir uns grundsätzlich nicht.

?: Es gibt ja den Ford Mustang in den USA, der auch recht erfolgreich ist. Existieren Pläne, diesen irgendwann nach Deutschland zu holen?

Mattes: Heute tun das einige Enthusiasten mittels Einzelabnahme. Und das ist auch in Ordnung. Es gibt derzeit aber keine konkreten Pläne, den Ford Mustang offiziell in Deutschland oder Europa auf den Markt zu bringen.

?: Die Konzernmutter in den USA setzt für die Zukunft auf die Strategie des Weltautos. Wie stehen Sie dazu?

Mattes: Sie sprechen das Thema ,ONE Ford" an, also unsere neue Konzernstrategie. Es ist absolut richtig, Plattformen zu entwickeln, auf denen wir möglichst viele, den Kundenbedürfnissen in den jeweiligen Weltregionen entsprechende Fahrzeuge aufbauen können. Ein Beispiel ist der neue Ford Focus: 80 Prozent der Teile sind weltweit gleich, zehn Prozent der Teile, zum Beispiel Leuchten oder Airbag-Größen, variieren wegen der unterschiedlichen gesetzlichen Bestimmungen, und weitere zehn Prozent variieren aufgrund lokaler Vorlieben und Geschmäcker. Auf der einen Seite können wir also dank unserer Gleichteilestrategie unterschiedliche Modelle und Varianten für sehr viele Märkte der Welt bauen. Auf der anderen Seite bieten uns großen Stückzahlen die Möglichkeit, auf der Kostenseite Synergien zu erschließen.

?: Herr Mattes, vielen Dank für das Gespräch.

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