Anbieter verteidigt das Bezahl-Aufpumpen

Eine Nachricht schlägt hohe Wellen: An immer mehr deutschen Tankstellen müssen Kunden für die Überprüfung ihres Reifendrucks Geld bezahlen. Einen Euro für fünf Minuten werden zumeist fällig. Schon ist die Rede von ,Abzocke", der Automobilclub ADAC lehnt die neuen Geräte ab. Was steckt dahinter?

Geld für guten Service
Hinter den Plänen steckt die Firma Air-serv. Sie ist weltweit der größte Aufsteller (ca. 75.000 Stück) von münzbetrieben Geräten – Reifendruckprüfgeräte und SB-Staubsauger – an Tankstellen. Im Werbeprospekt für die Luftprüfer heißt es: ,In der Wahrnehmung des Kunden darf guter Service auch Geld kosten." Air-serv kümmert sich um Aufbau und Wartung der Geräte, die Tankstellenpächter werden am Umsatz beteiligt. Wie viele Münzautomaten bereits in Betrieb sind, ist unklar, Shell führt momentan einen Test nahe der niederländischen Grenze durch, wie uns auf Anfrage bestätigt wurde. Aral-Sprecher Detlef Brandenburg dementiert jedwede Absichten in diese Richtung: "Wir werden auch in Zukunft diesen sicherheitsrelevanten Service kostenlos anbieten."

Wie gratis ist Gratis-Luft?
Nick Janssen, Geschäftsführer von Air-serv für Deutschland, die Niederlande und Belgien, verteidigt in einem Firmenvideo den Münzbetrieb: ,Die Gratis-Luft ist für den Tankstellenbetreiber nicht gratis. Er muss bislang die Geräte kaufen und instand halten. Was erschwerend hinzukommt, ist das Thema Vandalismus und Diebstahl", so Janssen. Momentan seien rund 25 Prozent aller Reifendruckprüfer in Deutschland defekt. Der Endverbraucher habe von dem kostenpflichtigen Gerät einen Vorteil durch die exakte digitale Messung. Die Druckkontrolle würden Kunden bewusst planen und bei kaputten Geräten zur Konkurrenz fahren. Hinsichtlich der Ein-Euro-Frage ,sprechen wir von einem geringfügigen Beitrag", da laut Janssen nur drei- bis viermal jährlich der Reifendruck gecheckt wird.

Bildergalerie: Abzocke mit Reifenluft?