BMW zeigt i3 Concept und i8 Concept

Norbert Reithofer gerät ins Schwärmen, wenn es um den neuesten Familienzuwachs geht: ,Mit unserem Project i haben wir einen außergewöhnlichen Ansatz gewählt", verkündet der BMW-Chef in Frankfurt vor rund 500 Journalisten. Aus aller Welt sind sie angereist, auch viele Fernsehteams sind gespannt darauf, auf welche Weise BMW in die Zukunft fährt. Aus dem Dunkel zeichnen sich eine kompakte und eine flache Form ab. Sie gehören zum BMW i3, einem Elektroauto für die Stadt, und dem i8, einem Hybrid-Sportwagen.

Gut getrommelt
In Reithofers Rede fallen viele bekannte Öko-Schlagworte: Von ,emissionsfrei" über ,regenerative Energien" bis zum ,CO2-Fußabdruck" reicht das Repertoire. Doch es gibt auch einige Aussagen, die aufhorchen lassen: ,Der Antrieb bleibt das Herzstück unserer Modelle", ist sich der BMW-Boss sicher. In der Tat: Während die Batteriezellen von der Firma SB LiMotive bezogen werden, entwickeln die Münchner ihre Elektromotoren komplett selbst. Für den Vertrieb der i-Modelle geht man ab 2013 neue Wege: Die Autos wird es nur bei ausgewählten Händlern in Ballungszentren geben, darüber hinaus sollen Online-Bestellungen möglich sein. Über die Stückzahlen von i3 und i8 entscheidet die Nachfrage, aber beide Modelle werden finanziell einen positiven Ertrag leisten, so BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner.

Ein schöner Tag für den Minister
Mit von der Partie ist auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Überraschend euphorisch äußert sich der CSU-Mann zu den neuen BMW-Autos: Endlich sei es gelungen, ,die Elektromobilität voll zu entfachen", schließlich ginge es bei dem Thema auch um die Faszination. Sie sei ein besserer Anreiz als Prämien. Hier kann sich der Minister einen Seitenhieb nicht verkneifen: Gerade die Staaten, die finanziell am schlechtesten dastünden, würden die höchsten Fördersummen für E-Autos zahlen. Ramsauers Ministerium plant hingegen eine Ausschreibung für vier bis fünf große ,Schaufensterregionen", gewisse Teile Bayerns kann sich der Minister hier gut vorstellen. Das Ziel hat Ramsauer bereits klar vor Augen: ,Wir wollen Leitanbieter und Leitmarkt werden."

Viele Worte, klare Fakten
Getrommelt wurde also ordentlich für die neuen Öko-Babys von BMW. Doch wir interessieren uns natürlich für die harten Fakten. Zunächst einen Blick auf die Basisdaten: Beim i3 Concept handelt es sich um ein 3,85 Meter kurzes Elektroauto für urbane Räume. Der E-Motor leistet 125 Kilowatt, das maximale Drehmoment beträgt 250 Newtonmeter. Insgesamt soll der heckgetriebene i3 bis zu 150 Kilometer weit kommen. In 7,9 Sekunden spurtet der Viersitzer von null auf 100 km/h, maximal sind 150 km/h möglich. Die Ladezeit für die Batterie beträgt sechs Stunden, optional wird ein System zur Schnellladung verfügbar sein, mit dem innerhalb einer Stunde die Akkus zu 80 Prozent aufgefüllt werden können. Auch ein Range Extender ist im Angebot, um gegebenenfalls die Reichweite zu verlängern. Genaue Daten gibt es zu dem auf der Hinterachse sitzenden Aggregat noch nicht. Allerdings sprach BMW schon vor geraumer Zeit von einer ausreichenden Leistung im Bereich zwischen 20 und 30 Kilowatt, also maximal 41 PS.

Ein bisschen Spaß muss sein
Mit dem i8 Concept will BMW zeigen, dass Öko auch Spaß machen kann. Der Sportwagen setzt auf einen Plug-In-Hybridantrieb mit einer rein elektrischen Reichweite von bis zu 35 Kilometer. In 4,6 Sekunden soll der 4,63 Meter lange 2+2-Sitzer von null auf 100 km/h sprinten. Maximal sind abgeregelte 250 Sachen drin. 2,7 Liter Kraftstoff soll sich der i8 durchschnittlich genehmigen, die Batterie ist nach 1:45 Stunden wieder voll aufgeladen. Die Systemleistung gibt BMW mit 260 Kilowatt an. Interessant ist hier insbesondere der Ottomotor mit 164 Kilowatt respektive 223 PS. Es handelt sich um einen Turbo-Dreizylinder mit 1,5 Liter Hubraum.

Besonderer Aufbau
Von besonderer Bedeutung ist gerade bei Fahrzeugen mit Elektroantrieb das Gewicht, denn die Batterien sind schwer. Um diesen Effekt zu kompensieren, setzt BMW auf den Einsatz von kohlefaserverstärktem Kunststoff, kurz CFK. Das Zauberwort heißt ,LifeDrive-Architektur". Diese besteht aus zwei getrennten Einheiten: einer Fahrgastzelle aus CFK (das Life-Modul) und dem Drive-Modul mit den Antriebskomponenten. Für das i3 Concept bedeutet das ein Leergewicht von 1.250 Kilogramm.

Weg vom Knick
Designchef Adrian van Hooydonk höchstselbst erklärt uns die Optik der beiden i-Modelle. Für ihn ist es ein ,einzigartiges Projekt": Weil alles komplett neu sei, können sich die Formgeber kreativen Ideen hingeben. Eins ist für von Hooydonk nämlich glasklar: Umweltgedanke hin oder her, das Design bleibt der Kaufgrund Nummer eins. Und so findet man auch bei i3 und i8 den typischen BMW-Nierengrill wieder, ein blauer Rahmen weist auf die Submarke i hin. Nebenbei: Auch M ist eine Submarke im Konzern. Auffallend sind die großen, aber gleichzeitig schmalen Räder. Verschwunden ist der klassische ,Hofmeister-Knick" in der C-Säule, stattdessen gibt es dort einen speziellen Schwung namens ,Streamflow" als exklusives i-Merkmal. Interessant sind auch die durchgehenden Sitzbänke mitsamt dem Verzicht auf eine B-Säule. Speziell die transparenten Türen dienen eher dem Showeffekt, doch van Hooydonk verspricht, dass auch die Serienmodelle von i3 und i8 futuristisch aussehen werden, wenn sie 2013 (i3) und 2014 (i8) auf den Markt kommen. Angesprochen auf weitere i-Modelle heißt es, das Potenzial sei da. Ähnlich äußert sich BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Draeger: ,Zwischen 3 und 8 bleibt relativ viel Platz."

Sicher durch die Stadt
Da der i3 Concept hauptsächlich für das Fahren in der Stadt ausgelegt ist, gibt es entsprechende Fahrerassistenzsysteme an Bord. Eines davon ist der ,vorausschauende Frontschutz". Er erkennt per Kamera drohende Kollisionen mit vorausfahrenden Fahrzeugen und warnt den Fahrer rechtzeitig vor Unfällen. Bis 60 km/h ist sogar eine vollautomatische Bremsung möglich, außerdem werden dann auch Fußgänger erkannt. Der Parkassistent im i3 gibt selbst Gas und bremst, bei Bedarf wechselt er beim mehrzügigen Einparken auch selbsttätig die Fahrtrichtung. Der Stauassistent hält nicht nur Tempo und Abstand konstant, sondern lenkt auch aktiv mit. Das soll bis 40 km/h möglich sein, allerdings muss der Fahrer eine Hand am Lenkrad lassen.

Eine Frage des Preises
Nicht mehr ganz neu ist die Möglichkeit, diverse Fahrzeugfunktionen per Smartphone zu steuern. Bei i3 und i8 kommen spezielle Funktionen wie die Ladesteuerung dazu. Auf einer Landkarte wird dem Fahrer außerdem angezeigt, wohin er mit der Restreichweite noch kommt. Per Knopfdruck ist im Cockpit ein ,Eco Pro"-Modus abrufbar, der die Reichweite durch diverse Eingriffe um bis zu 20 Prozent erhöht. Für maximale Reichweite regelt eine zusätzliche Stufe die Höchstgeschwindigkeit bei 90 km/h ab. Für ein besseres Vorankommen in der Stadt soll die so genannte ,intermodale Routenplanung" sorgen. Die Navigation bezieht hier nicht nur das Auto ein, sondern auch den öffentlichen Nahverkehr, hinzu kommen Infos über die Parkraumsituation. ,Wir haben einen klaren Weg zu einer nachhaltigen Mobilität", macht BMW-Chef Reithofer deutlich. Bis zum Ziel dauert es noch etwas, aber die bisherigen Wegmarken sind vielversprechend. Ein wichtiger Punkt bleibt aber noch offen: Wie viel wird die Mobilität von morgen kosten?

München macht mobil