Über 30 Jahre unter Staub: Ein Maserati und zwei Ferraris werden versteigert

Jahrzehnte lang hielten sich unter Autosammlern in Dallas Gerüchte, dass irgendwo in der Umgebung der texanischen Großstadt drei italienische Sportwagen versteckt sein sollten. Im März 2011 wurde das Geheimnis gelüftet. Nach über 30 Jahren wurden ein Maserati und zwei Ferraris der 1970er-Jahre endlich wachgeküsst. Nicht nur die Fahrzeuge an sich sind spektakulär, sondern auch die Tatsache, dass die hochkarätigen Flitzer besonders wenige Meilen auf der Uhr haben. Wieder fit gemacht für die Straße, wird der ,Scheunenfund" vom US-Auktionator Mecum am 19. und 20. August 2011 im kalifornischen Monterey versteigert.

Kaum gelaufen
Bei den Fahrzeugen handelt es sich um einen Maserati Bora von 1977, einen Ferrari Dino 246 GTS von 1974 und einen Ferrari 365 GTB/4 Daytona von 1972. Letzterer wurde mit 9.752 Meilen, umgerechnet knapp 15.700 Kilometer, auf der Uhr gefunden. Beim Dino waren es 2,910 Meilen (knapp 4.700 Kilometer) während der Zähler des Maserati Bora gar nur 978 Meilen zeigte, also keine 1.600 Kilometer.

Gerüchte über Gerüchte
Um welche Modelle es sich handelte, wusste über viele Jahre niemand. Die Nachforschungen von Sammlern endeten stets in Sackgassen. Gab es den seit über 30 Jahren vergessenen Lagerraum mit italienischen Autoexoten wirklich? Hat der Besitzer die Fahrzeuge tatsächlich dort eingeschlossen und ist einfach verschwunden?

Heiße Spur
Im März 2011 nahm die Geschichte eine entscheidende Wendung: Ein Sammler und Restaurator aus der Nähe von Dallas traf einen Zwischenhändler, der ihm zwei Fotos zeigte. Zu sehen waren darauf drei Fahrzeuge, die zusammengedrängt und von Staub überzogen in einem Lagerraum standen. Der Zwischenhändler bot die Autos im Namen des Eigentümers an – soviel zum Thema ,einfach verschwunden". Wie am Rande bekannt wurde, war der Besitzer ein langjähriger Freund und Geschäftspartner des 1994 verstorbenen US-Rennfahrers Luigi Chinetti. Der texanische Sammler gab ein Gebot ab und erhielt den Zuschlag. Allerdings nur, um die Autos an einen weiteren Sammler weiterzuverkaufen, ohne sie selbst je in Empfang genommen zu haben. Dieser Sammler wollte die Autos aber ebenfalls nicht behalten. So kam der ,Scheunenfund", der eigentlich ein Lagerhausfund ist, schließlich zu Auktionsehren.

Keine Restauration nötig
Zu den erwarteten Erlösen gibt das Auktionshaus Mecum prinzipiell keine Auskunft. Für diejenigen, die vorhaben, selbst eines der Fahrzeuge zu ersteigern, dürften folgende Informationen von Nutzen sein: Die Italiener wurden in einem sehr guten Zustand eingelagert. Um sie wieder fahrtüchtig zu machen, sind angeblich keine umfangreichen Restaurationsarbeiten nötig gewesen. Die Motoren waren nach der langen Standzeit laut Auktionshaus nicht defekt. Sie mussten lediglich gereinigt werden, ebenso die Spritleitungen und die Benzintanks. Vom alten 1970er-Jahre-Benzin waren zum Zeitpunkt des Fundes kaum Spuren zu finden. Es ist wohl vor der Einlagerung abgelassen worden. Die Vergaser der Motoren wurden neu aufgebaut, der Lack wurde poliert.

Ferrari 365 GTB/4 Daytona
Selbst Nicht-Autofans ist die Form des Ferrari 365 GTB/4, Spitzname ,Daytona", bekannt. Sonny Crockett fuhr in der Serie ,Miami Vice" einen. Zumindest sah es so aus. Eigentlich steckte eine Replika-Karosserie auf einem Corvette-Chassis. Das änderte nichts daran, dass das Original zum Mythos wurde. GTB steht für ,Grand Tourismo Berlinetta", die Zahl ,4" für vier obenliegende Nockenwellen. Der 4,4-Liter-V12 des von 1969 bis 1973 produzierten Sportwagens leistet 351 PS. Damit läuft der Italiener um die 280 km/h schnell. Nur 1.284 Exemplare wurden gebaut. Kein Wunder, dass in ,Miami Vice" nur eine Replika verwendet wurde.

Ferrari Dino 246 GTS
Der Ferrari 246 GTS wurde von 1972 bis 1974 produziert und ist die offene Variante des 246 GT. Das ,S" steht für Spyder, die Zahl steht für einen V6-Motor mit 2,4 Liter Hubraum. Das Aggregat leistet in der US-Version 177 PS. Die europäische Variante bringt es auf 198 PS, welche die 1.100 Kilogramm leichte Flunder bis auf 238 km/h beschleunigten.

Maserati Bora
Der Maserati Bora wurde zwischen 1971 und 1978 gebaut und von Giorgetto Giugiaro gestaltet. Der Mittelmotorsportwagen wurde zunächst mit einem 310 PS starken 4,7-Liter-V8 ausgestattet, in den USA gab es den Bora erst ab 1973 und ausschließlich mit einem etwas größeren 4,9-Liter-Aggregat. Dies leistet allerdings weniger, nämlich 286 PS. Ab 1976 hatten alle Boras einen 4,9-Liter-V8 unter der Haube. Er leistete dann in Europa 330, in den USA 320 PS, was über 260 km/h Höchstgeschwindigkeit ermöglichte. Interessant für Sammler: Nur 275 Exemplare des Bora 4.9 wurden gebaut.

Jagd nach Italo-Exoten