Luxuswagen-Hersteller erprobt emissionsfreien Phantom Experimental Electric

Es gibt Entwicklungen, die man lange Zeit für unmöglich gehalten hätte: Sportwagen mit Dieselmotor zum Beispiel. Oder eine S-Klasse mit vier Zylindern. In dieselbe Richtung geht auch der 102EX – ein Rolls-Royce mit Elektroantrieb. Erstmals gezeigt wird die auch als Phantom Experimental Electric (Phantom EE) bezeichnete Luxuskarosse auf dem Genfer Autosalon (3. bis 13. März 2011).

394 PS Maximalleistung
Als Basis für den Elektro-Rolls-Royce dient ein Phantom. Dessen herkömmlicher V12-Benziner mit 6,7 Liter Hubraum und 460 PS wird durch zwei Elektromotoren und Lithium-Ionen-Batterien ersetzt. Die Motoren sind mit einem Eingang-Getriebe mit integriertem Differenzial verbunden. Jedes Aggregat hat eine Leistung von 145 kW (entspricht 197 PS), womit der Phantom EE über eine maximale Leistung von 290 kW (394 PS) und ein maximales Drehmoment von 800 Newtonmeter verfügt. Laut Hersteller kommt der Phantom EE bis zu 200 Kilometer weit. Für den Sprint von null auf 100 gibt Rolls-Royce einen Wert von unter acht Sekunden an, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 160 km/h elektronisch abgeregelt.

Großer Batteriesatz
Der Batteriesatz mit einer Kapazität von 71 Kilowattstunden ist laut Rolls-Royce der größte, der je in einem Fahrzeug mit Straßenzulassung eingesetzt wurde. Der Energiespeicher enthält so genannte NCM-Zellen (Lithium-Nickel-Kobalt-Mangan-Oxid), eine Variation der Lithium-Ionen-Zellen, die besonders energetisch ist und eine hohe Leistungsdichte hat. Zur Ladung dient eine fünfpolige Steckdose, die den normalen Tankmechanismus des Phantom ersetzt. Die serienmäßige Tankklappe wurde durch eine durchsichtige ersetzt. Dreifarbige LEDs zeigen den Ladezustand des Fahrzeugs in Rot beziehungsweise Grün an. Drei separate Ladeeinheiten sind mit der Batterie verbunden, welche eine Ein-Phasen-Ladung (in 20 Stunden) und eine Drei-Phasen-Ladung (in acht Stunden) ermöglichen. Ein viertes Induktionsladegerät erlaubt kabelloses Laden – eine neue Technik, die mit dem Phantom EE erprobt wird.

Experimental Car, kein Konzeptfahrzeug
Rolls-Royce betont, dass es sich beim Phantom EE um ein so genanntes Experimental Car handelt. Im Gegensatz zu Konzeptfahrzeugen seien dies immer voll funktionsfähige und fahrbereite Automobile, in denen ,echte" Materialien wie Holz, Leder und Metall statt Ton oder Schaumstoff verwendet werden. Zu erkennen sind alle Experimental Cars der Marke unter anderem an einem roten Doppel-R-Emblem. Die aus Makrolon statt rostfreiem Stahl hergestellte Kühlerfigur ,Spirit of Ecstasy" wird beim Phantom EE in blaues LED-Licht getaucht.

Neuer Lack und noch edleres Leder
Neben dem emissionsfreien Antrieb wird beim Phantom EE auch mit neuen Materialien experimentiert. So findet etwa ein neuer Lack mit Nanopartikeln Verwendung. Dieser wird in 16 Schichten aufgetragen, was der Farbe noch mehr optische Tiefe verleihen soll. Auch kommt erstmals ein Leder zum Einsatz, das mit Kastanien-Öl gegerbt ist und dadurch noch mehr natürliche Struktur zeigt als das herkömmlich verwendete.

Nicht als Serienmodell geplant
Eine Serienfertigung des Phantom EE beziehungsweise 102EX ist nicht geplant. Vielmehr sollen mit dem Fahrzeug sowohl generell alternative Antriebskonzepte wie auch neue Materialien geprüft werden. Direkt nach dem Genfer Autosalon soll das Einzelstück auf eine weltweite Reise gehen. Dabei will das Unternehmen möglichst viele Meinungen von Kunden, Medienvertretern und einer breiteren Öffentlichkeit zu sammeln. Dabei geht es auch um die Frage, ob ein vollelektrischer Antrieb dem Kunden noch ein authentisches Rolls-Royce-Erlebnis vermitteln kann.

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