Britische Kultmarke in der Insolvenz

Seit jeher ist es ein Rätsel, wie der kleine britische Autohersteller Bristol Cars über die Runden kommt. Aber jetzt, ein Jahr nach dem 100. Geburtstag der kauzigen Marke, wird es eng für die Engländer: Bristol ist in der Insolvenz. Dies vermeldet das britische Automagazin ,Autocar".

Ein Showroom, vier Modelle
Während des zweiten Weltkriegs baute man Bomber, seit 1946 Autos. Über Kriegsreparationen kam man an die Baupläne von BMW-Vorkriegsmodellen. So stammte das Chassis des Bristol 400 vom BMW 326, Motor und Fahrwerk kamen vom 328. Und der 328 dient in leicht modifizierter Form bis heute als Basis für das Modell Blenheim. Bekannt wurde Bristol Cars auf Grund seiner vielen Merkwürdigkeiten. Diskretion war für die Briten immer oberstes Gebot: Keine Werbung, kein Internet, keine Pressearbeit sind Grundsätze, welche die Bristol-Kundschaft zu schätzen weiß. Die sehr verschwiegenen Käufer wollen nicht mit Rolls-Royce-Modellen oder Fahrzeugen von Bentley auffallen. Lieber geben sie um die 200.000 Euro für ein maximal unscheinbares Sportcoupé wie den Blenheim aus. Außerdem noch im Programm: der Fighter, ein zweisitziger Flügel-Türer auf Doge-Viper-Basis mit 558 PS, der schlicht elegante Series 6 und eine Speedster-Variante des Blenheim. Zu haben sind die Wagen schon immer ausschließlich im einzigen Verkaufsraum der Marke in der West-Londoner Kensington High Street 368-370.

Öffnung zu spät?
Jetzt haben bei Bristol die Insolvenzverwalter Tom MacLennan und Trevor Binyon von der Unternehmensberatung RSM Tenon das Sagen. Die beiden möchten vor allen Dingen den Service und den Vertrieb aufrecht erhalten. Auf Grund der finanziell angespannten Lage musste bereits Personal entlassen werden. Nach eigenen Angaben hat Bristol bisher mehr als 8.000 Fahrzeuge verkauft – Kenner gehen davon aus, dass es in Wirklichkeit unter 3.000 sein werden. In den letzten Jahren hat sich Bristol ein wenig geöffnet und ist jetzt unter anderem im Internet zu finden. Man bietet inzwischen auch leicht restaurierte Gebrauchtwagen der Marke zum Verkauf an. Außerdem haben Promis ein Herz für seltene Wagen: Oasis-Sänger Liam Gallagher soll einen Fighter in seinem Fuhrpark haben. Aber mit den geschätzt 20 verkauften Fahrzeugen im Jahr wird Bristol Cars nicht überleben können. Ein Verlust der Marke wäre nicht nur für den BOC (Bristol Owners Club) traurig – schließlich gibt es kaum noch rein britische Autohersteller.

Bristol geht's dreckig