VW restauriert jetzt alte Bullis selbst

Einer liest, der andere rockt – und es geht hier ausschließlich um den VW Bulli. Volkswagen hat den Kultbus wieder für sich entdeckt und feiert dieses Ereignis mit dem Autor Christoph Geisselhart und dem Stuttgarter Musiker Fernando Bernhardt. Geisselhart liest aus seinem Buch "Maximum Rock" – dabei geht es um die englische Rockband ,The Who". Die Band feierte in den 1960ern und 1970ern große Erfolge. Und sie ist die Lieblingsband vieler Bullifans.

Bulli-Treffen war Schuld
2007 ging alles los: 75.000 Bulli-Freunde kommen mit 6.000 Fahrzeugen zur 60-Jahre-Bulli-Feier, The Who ist natürlich auch da. Der Andrang übertrifft die kühnsten Erwartungen der VW-Verantwortlichen. Die Entscheider erkannten, dass es Zeit war, etwas für die Marken-Ikone und damit für die eigenen Wurzeln zu tun. Die Idee, Bulli-Restaurationen ab Werk anzubieten, war geboren. Was heute, zum Start des Projekts, beinahe selbstverständlich wirkt, war mit dem Überwinden von Widerständen verbunden. Manch einer im Vorstand konnte sich mit der Idee der Oldtimer-Pflege nicht so richtig anfreunden – schließlich müssen erstmal Investitionen gestemmt werden und das bisherige Konzept war alleine auf den Vertrieb von Neufahrzeugen ausgerichtet.

Mit Werkzertifikat
Jetzt ist es soweit: Ob T1, T2, T3 oder T4 – VW repariert oder restauriert alle alten Bullis. Der Kunde kann von der Routine-Durchsicht über die einfache Reparatur bis hin zur Komplett-Restaurierung alles bekommen. Dabei verwendet Volkswagen nur Originalersatzteile von VW Classic Parts. Bei Bedarf werden Teile nachgefertigt. Der gesamte Instandsetzungs-Ablauf wird zusammen mit dem Kunden gründlich geplant. Jeder Arbeitsschritt wird schriftlich und per Foto dokumentiert. Am Ende bekommt der Kunde nicht nur seinen wiederbelebten Bulli, sondern auch die Dokumentationsmappe mit Werkzertifikat. Und so ein Werkzertifikat kann den Wert des Fahrzeugs durchaus steigern, wie Harald Schomburg, Mitglied des Markenvorstands bei VW-Nutzfahrzeuge, betont. Er erwähnt, dass Porsche mit dieser Praxis gute Erfahrungen gemacht hat.

Besser als neu
Schomburg verspricht, dass ein Bulli nach seiner Instandsetzung bei VW besser ist als neu. Die Gefährte werden in fünf Schritten erneuert. Bei der Fahrzeugannahme wird ein Bestands-Check durchgeführt und anhand der Substanz ein erster Eindruck gewonnen. Dann geht es zur Demontage/Montage, bei welcher der Bulli in seine Baugruppen zerlegt wird. Motor, Getriebe, Achsen und Innenraum werden getrennt. Danach macht sich die Motorenwerkstatt über den Antrieb her, zerlegt das Aggregat und prüft die Einzelteile auf Maßhaltigkeit. Hier werden auch kleine Leistungssteigerungen angeboten. Als nächste Station ist der Karosseriebau dran. Unebenheiten, Rost und Beschädigungen werden an dieser Station beseitigt – die meiste Zeit und Mühe steckt in der Blechbearbeitung. Am Schluss kommt die Lackiererei. Noch wird dieser Arbeitsschritt außer Haus erledigt, aber bald hat die Bulliwerkstatt ihren eigenen Lackierabschnitt.

Sammlung, Verkauf, Vermietung
VW-Nutzfahrzeuge hat sich selbst bereits mit einem stattlichen Fundus an Bullis eingedeckt. 100 Modelle aller Generationen stehen in der Oldtimer-Halle. ,Nur aus der Tradition heraus weiß man, was die Kunden wollen", betont Harald Schomburg. Die Bullis können von jedem bewundert werden, der seinen Wagen zur Werk-Restaurierung bringt. Auch wer sich einen Bulli kaufen möchte, wird von der neuen VW-Bulli-Abteilung beraten. Den Wünschen und Bedürfnissen des Kunden entsprechend, wird das entsprechende Fahrzeug gesucht – VW verweist in diesem Zusammenhang auf seine guten Kontakte weltweit. An die Vermietung der werkeigenen Bullis denkt VW auch – im Moment werden die Wagen nur den eigenen Niederlassungen für Events zur Verfügung gestellt. Aus einem Currywurst-Bulli wird bei Veranstaltungen beispielsweise die berühmte VW-Werkcurrywurst ausgegeben.

Je nach Geldbeutel
Für die Bulli-Werkstatt verspricht VW einen maßgeschneiderten Qualitäts-Service – und der hat seinen Preis. Die Komplett-Restauration eines T1 kann bis zu 100.000 Euro kosten. Allerdings haben seltene T1-Modelle wie der Samba-Bus auf dem Markt ohnehin schon die 100.000-Euro-Marke geknackt. Und das Werkzertifikat soll ja für eine Wertsteigerung gut sein. Kleine Reparaturen werden natürlich entsprechend günstiger angeboten. Eine Arbeitsstunde wird mit branchenüblichen 80 Euro abgerechnet. Und den Job machen nur ausgesuchte und erfahrene Experten. Hinsichtlich des Geldbeutels gibt es von Harald Schomburg noch einen Tipp: Der T2 gilt gerade als das ideale Gefährt für junge Familien.

Auferstehung ab Werk