Offen sprinten mit Saug-V8

Jetzt kommt die Leistungsspitze: Mit dem SLK 55 AMG stellt die Mercedes-Performance-Tochter den leistungsstärksten AMG-SLK der Firmengeschichte vor. 422 PS und ein maximales Drehmoment von 540 Newtonmeter kommen bei dem Roadster aus einem neuen V8-Saugmotor.

Typische AMG-Merkmale
An der Front fällt die AMG-Schürze mit ihren extragroßen Lufteinlässen und den eigenständigen LED-Tagfahrleuchten auf. Auf den vorderen Kotflügeln glänzt der ,V8 AMG"-Schriftzug. Die Seitenschweller sind markanter ausgeformt als bei den Nicht-AMG-Modellen und am Heck sitzt ein schwarzer Diffusor mit drei Finnen. Den Abschluss der Sport-Abgasanlage bilden zwei verchromte Doppel-Endrohre. Auf dem Heckdeckel soll noch eine in Wagenfarbe lackierte Abrisskante die Fahrstabilität bei hohen Geschwindigkeiten steigern.

Sport im Innenraum
Für einen athletischen Touch sorgt im Innenraum die mit gebürstetem Aluminium überzogene Mittelkonsole. Optional können die Insassen die Zeit über eine IWC-Uhr ablesen. Das AMG-Lenkrad ist bereits aus dem CLS 63 AMG und dem C 63 AMG bekannt: Es ist oben und unten abgeflacht. Hinter dem Steuerrad sitzen die Aluminium-Schaltpaddles. Zwischen den vier Rundinstrumenten wartet das AMG-Hauptmenü auf Bedienung und in der Mittelkonsole möchte der Taster für die Getriebe-Einstellungen ,C" (Controlled Efficiency), ,S" (Sport) und ,M" (manuell) gedrückt werden. Für guten Seitenhalt an Rücken und Beinen soll das Sportgestühl sorgen. Serienmäßig wird es mit einer Leder-Nachbildung bespannt, Nappaleder kostet Aufpreis. Ebenfalls als Sonderausstattung erhältlich: die in den Kopfstützen integrierte Nackenheizung Airscarf.

Drei Dächer
Wie auch bei den ,normalen" SLK-Modellen, stehen für die AMG-Variante drei verschiedene Dächer zur Verfügung. Serienmäßig wird der Wagen mit einem Stahlklappdach ausgeliefert. Gegen Aufpreis gibt es ein leichtes Polycarbonat-Dach. Die technisch aufwendigste und teuerste Variante nennt sich Magic Sky Control. Dieses transparente Glasdach lässt sich auf Knopfdruck dunkel, also undurchsichtig, schalten.

Assistenten stehen bereit
Der so genannte Attention Assist, also der Müdigkeitswarner, gehört beim SLK 55 AMG wie bei allen SLKs zum Serienumfang. Einen Abstandsregel-Tempomaten, ein intelligentes Lichtsystem, eine Geschwindigkeitslimit-Erkennung und das vorausschauende Insassenschutz-System Pre-Safe sind optional verfügbar.

Noch schnellere Kurven
Der SLK 55 AMG soll der agilste SLK aller Zeiten sein. Dafür verpassen die Ingenieure dem Wagen eine straffere Feder-Dämpferabstimmung mit eigenständigen Federbeinen vorne und rundum steifere Stabilisatoren sowie mehr negativen Sturz an der Hinterachse. Laut Hersteller reduziert dies die Seitenneigung und verbessert die Kurvenperformance. Der Fahrer kann das Handling über das dreistufig einstellbare ESP beeinflussen: ,ESP on", ,Sport Handling Mode" und ,ESP off" stehen zur Verfügung. Beim Sport Handling Mode greift das ESP später ein, bei ESP off gar nicht. Zum Stillstand kommt der AMG-SLK über rundum innen belüftete und gelochte Bremsscheiben, vorne in der Dimension 360 x 36 Millimeter, hinten in der Größe 330 x 22 Millimeter. Über das 4.641 Euro teure Handling Package fließt noch mehr Sport in den Roadster: Das Fahrwerk arbeitet mit einer stärkeren Dämpfung, ein Hinterachs-Differenzial sorgt für mehr Grip und Bremsscheiben in Verbund-Technik verzögern an der Vorderachse. Hinzu kommt dann ein Dreispeichen-AMG-Lenkrad mit Nappaleder-Bezug und Alcantara-Einsätzen im Griffbereich.

Neuer V8-Sauger
Für Kraft sorgt im SLK 55 AMG ein neuer V8-Saugmotor. Das Triebwerk basiert auf dem bis zu 544 PS starken 5,5-Liter-V8-Biturbo mit der unternehmensinternen Bezeichnung M157. Durch Entzug der Turboaufladung wird aus dem Aggregat der M152 mit 422 PS und einem maximalen Drehmoment von 540 Newtonmeter. Damit geht es in 4,6 Sekunden von null auf 100 km/h, bei 250 km/h wird der Vortrieb elektronisch abgeregelt. Der Clou bei dem Motor sind die diversen Spritsparmaßnamen. Dank Piezo-Injektoren, Benzin-Direkteinspritzung mit 200 bar Druck, strahlgeführter Verbrennung, kontinuierlicher Nockenwellen-Verstellung, Zylinderabschaltung, Start-Stopp-System und einer recht hohen Verdichtung von 12,6 zu eins soll der Verbrauch bei 8,4 Liter pro 100 Kilometer liegen. Die Zylinder-Abschaltung ist dabei ein neues Feature des Saugmotors, in seiner Biturbo-Version steht diese Technik nicht zur Verfügung.

Gesteuerter Sound
Erstmals verwendet AMG beim SLK eine Abgasanlage mit je einer Abgasklappe pro Endschalldämpfer. Bei unter 2.000 U/min bleiben die Klappen geschlossen und zwingen so die Abgase auf einen Umweg durch ein zusätzliches Dämpferelement, was wiederum zu einem zivilisierten Motorklang führt. Besonders bei der Zylinderabschaltung im Vierzylinder-Betrieb soll dies einen harmonischen Sound erzeugen. Beim Beschleunigungsvorgang öffnen sich die Klappen von 15 über 30 bis hin zu 50 Grad, sodass ein Teil der Abgase auf kurzem Weg austritt, also nicht durch den Zusatzdämpfer muss. Dies soll zu einem sonoren Grollen führen. Bei hohen Drehzahlen, es geht rauf bis zu 7.000 U/min, sind beide Klappen dann komplett offen, ballert der Sauger seine Kraft auch akustisch ungehemmt raus.

Automatisch Zwischengas
Für die Schaltarbeit ist im SLK 55 AMG die Siebengang-Automatik Speedshift Plus 7G-Tronic zuständig. Diese verfügt über die bereits oben erwähnten Schaltprogramme C,S und M. Eine automatische Zwischengas-Funktion beim Runterschalten und eine Rücknahme von Zündung und Einspritzung beim Hochschalten unter Volllast sollen die Schaltzeiten verkürzen. Um die Schwingungen im Vierzylinderbetrieb zu minimieren, wird ein so genannter Doppelturbinen-Torsionsdämpfer mit drehzahlabhängigem Fliehkraftpendel verbaut. Die Technik des Fliehkraftpendels nutzt beispielsweise auch BMW zur Schwingungsreduzierung beim 320d EfficientDynamics Edition.

Der Dritte startet 2012
Mit dem neuen SLK 55 AMG geht die AMG-Tradition beim Roadster in die dritte Runde. Alles begann mit dem SLK 32 AMG von 2001. Bei dem Wagen sorgte ein V6-Kompressormotor mit 3,2 Liter Hubraum für 354 PS, 450 Newtonmeter machten sich über die Kurbelwelle her. Ende 2004 kam dann das Nachfolgemodell, welches auch schon SLK 55 AMG hieß. Dessen 5,5-Liter-V8 leistete 360 PS und generierte ein Drehmoment von 510 Newtonmeter. Der neue SLK 55 AMG mit seinen 422 PS und 540 Newtonmeter ist auf der IAA (15. bis 25. September 2011 in Frankfurt am Main) zu sehen. Ab Januar 2012 steht der Roadster bei den Händlern, die Preise beginnen bei 72.590 Euro, eine besonders gut ausgestattete Start-Variante namens ,Edition 1" ist ab 85.520 Euro zu haben.

Bildergalerie: Offen mit Saug-V8