ADAC sieht keine Notwendigkeit und wittert Geldschneiderei

Einem Bericht der Financial Times Deutschland (FTD) zufolge soll der EU-Verkehrskommissar Siim Kallas in einem vertraulichen Bericht eine jährliche Hauptuntersuchung (HU) für Kraftfahrzeug fordern. Das entsprechende Papier liege dem Wirtschaftsblatt vor. Kallas und seine EU-Kommission sollen demnach darin vorsehen, dass Autos jedes Jahr überprüft werden, sobald sie älter als sechs Jahre sind.

Neufahrzeuge mit längeren Fristen
Dabei gibt die FTD noch weitere Details Preis. So sehe der Entwurf von Kallas vor, dass Neufahrzeuge wie beispielsweise in Italien erst nach vier Jahren zur ersten Hauptuntersuchung antreten müssen. In Deutschland beträgt die Frist für die erste Überprüfung aktuell drei Jahre. Ginge es es nach der EU-Kommission, soll ein Fahrzeug laut der geplanten Regelung spätestens nach weiteren zwei Jahren – so wie in Deutschland aktuell vorgeschrieben – zur zweiten Hauptuntersuchung. Danach sieht Kallas die jährliche Prüfung vor. Wer allerdings bei seinem neu gekauften Fahrzeug nach vier Jahren bereits 160.000 Kilometer auf der Uhr hat, für den soll die Jahresregel schon nach dem ersten Termin bei TÜV, Dekra, GTÜ und Co. gelten. Diese Vorgaben, so die FTD, sollen ebenfalls für alle Kraftfahrzeuge bis zu einem Gewicht von 3,5 Tonnen gelten. Für Oldtimer werden weiter Sonderregelungen in Aussicht gestellt. Taxis und Rettungsfahrzeuge werden ohnehin schon jedes Jahr vorgeführt. Die neuen Regelungen sollen auch Motorräder einschließen.

ADAC wittert Abzocke
Die EU-Kommission stützt sich laut FTD auf Studien der Überwachungsorganisationen TÜV und Dekra, die an Fahrzeugen nach acht Jahren oftmals schwere Mängel feststellen. Demgegenüber vertritt der Allgemeine Deutsche Automobil-Club ADAC die Meinung, dass eine jährliche HU den Autofahrer nur finanziell belasten würde. Läge man eine durchschnittliche Prüfgebühr zugründe, käme auf die Autofahrer eine Mehrbelastung von 1,2 Milliarden Euro zu, so der Automobilklub. Denn mehr als die Hälfte der 43 Millionen zugelassenen Pkw fielen unter die geplante Neuregelung.

Keine technische Begründung
Für eine jährliche HU gebe es laut ADAC keine technische Begründung. Als Beweis nennt der Automobilklub die Unfallstatistik von 2010. Sie weise 354.919 Pkw-Unfälle mit Personenschäden aus. Doch der Anteil an Pkw, bei denen ein technischer Mangel die Ursache für den Unfall war, habe bei nur 1.508 gelegen – das entspricht lediglich einem Anteil von 0,42 Prozent. Dazu komme, dass beispielsweise Reifenschäden als technischer Mangel gelten. Diese seien auch durch eine Verkürzung der Prüfintervalle nicht unbedingt feststellbar. Außerdem hätten Reifenschäden nicht automatisch etwas mit dem Fahrzeugalter zu tun.

Im Ausland gibt es bereits die jährliche HU
Ob die Planspiele Erfolg haben werden, bleibt abzuwarten. Teilweise handelt es sich um Regelungen, die bereits im europäischen Ausland praktiziert werden. Eine jährliche HU für Kfz gibt es schon in verschiedenen europäischen Ländern. In Irland und den Niederlanden sind mindestens zehn beziehungsweise acht Jahre alte Fahrzeuge betroffen. In Großbritannien wird das erste Mal nach drei Jahren und dann alle 12 Monate geprüft. Der geplanten EU-Regelung am nächsten kommt Finnland, wo die erste HU nach drei Jahren ansteht und fünf Jahre alte Fahrzeuge jedes Jahr zum Check müssen.

EU will jährliche HU