Doppeltes Jubiläum für die Veredler aus Bottrop

Brabus hat den Rocket 800 im Angebot – ein Mercedes CLS mit 800 PS. Aber den Bottroper Tunern liegen auch die Kleinen am Herzen: Seit zehn Jahren macht Brabus Modelle von Smart sportlicher und individueller. Wir haben zum Joint-Venture-Jubiläum der Smart-Brabus GmbH in Bottrop vorbeigeschaut.

Bodo Buschmann wollte immer Power
Brabus-Chef Bodo Buschmann feiert nicht nur die seit zehn Jahren währende Kooperation mit Smart, sondern auch das 35-jährige Bestehen seines Unternehmens. Schon immer war Buschmann scharf auf mehr Leistung. Legendär das Bild, wo Buschmann fröhlich auf der Kofferraumhaube einer Mercedes S-Klasse sitzt. Der Brabus-Chef hatte Anfang der 1980er das Fahrzeug für einen arabischen Kunden hergerichtet – der nie von dem Foto erfahren hat. Auf einem Bild von 1982 zeigt Buschmann einen von Brabus veredelten Wagen-Fond: Damals haben die Tuner einen Röhrenbildschirm und einen Videorekorder verbaut – von Anfang an ging es der Firma auch um technische Exklusivität.

Aerodynamik und Geschwindigkeit
Buschmann betont, dass man bei Brabus immer die guten Grundeigenschaften des Basisfahrzeugs beibehalte. Aber in Sachen Aerodynamik ging Mitte der 1990er noch was: Der 330 km/h schnelle Brabus EV12, eine E-Klasse mit modifizierter Karosserie und 582-PS-Zwölfzylindermotor, kam mit dem seinerzeit Aufsehen erregenden Luftwiderstands-Beiwert von 0,26 daher. 2006 raste dann ein von Brabus umgebauter Mercedes CLS auf knapp 366 km/h. Das ,Rocket" genannte Modell war die schnellste Limousine ihrer Zeit. 2009 jagte ein Rocket 800, also ein 800 PS starker CLS, auf 370 km/h. Und gleichzeitig kümmert sich Brabus liebevoll um seinen Kleinsten: Dem Smart Brabus reichen 102 PS für eine ordentliche Portion Spritzigkeit. Dabei hatte der Veredler schon vor der Kooperation mit Smart einen Fortwo umgebaut.

1999 ging es los
Im Jahr 1999 modifizierte Brabus einen ersten Smart in Eigenregie und stellte den Wagen stolz auf der Essen Motor Show vor. 2002 kam dann das Joint Venture zwischen Smart und Brabus zustande – und auf dem Autosalon in Genf wurde der Smart Brabus 1st Edition als Studie vorgestellt. Inzwischen hat Brabus über 50.000 veredelte Smart verkauft. Die Palette reicht von einzelnen Ausstattungspaketen über Sondereditionen bis hin zu individuellen Ausstattungen unter dem Label ,Tailor made". Auf dem 120 PS starken Brabus-Ultimate-Modellen darf dann kein ,Smart"-Logo mehr prangen – diese Mikro-Geschosse vertreibt Brabus ausschließlich unter eigenem Namen. Die Preise gehen hoch bis zu 50.000 Euro – dafür bekäme man auch einen Mercedes E 300 CDI mit 231 PS.

Anette Winkler steht auf Sondereditionen
Smart-Chefin Anette Winkler verliert natürlich auch ein paar Worte zum Zehnjährigen von Smart-Brabus. Sie selbst ist mit einem knallgrünen Smart unterwegs, der mit edlen Tailor-made-Merkmalen ausgestattet wurde. Winkler läuft frisch über die Bühne und redet ohne Skript. Sie freut sich über die enormen Zuwächse, die Smart bei premiumbewusster Kundschaft in China erfährt und über ein wiedererstarktes US-Geschäft. Den Absatzeinbrüchen in Europa will sie mit limitierten Editionen begegnen. Da ein neuer Smart auf Renault-Clio-Basis erst für 2014 erwartet wird, sind Sonderauflagen ohnehin das Mittel der Wahl beim Zeitüberbrücken bis zum Modellwechsel. Durchhalten ist angesagt: Bis 2013 stehen den Kunden wohl noch unzählige Sondermodellreihen ins Haus. Gerade zum Jubiläum von Smart-Brabus gibt es 100 neue Editions-Smarts. Auf den Ledersitzen leuchtet die Unterschrift von Bodo Buschmann.

Die teure Swatch und der seltene V6
Winkler sieht Smart als Marke von Individualisten und Querdenkern. In diesem Zusammenhang verweist sie auf die Ursprünge von Smart: Das Swatch-Auto war eng mit dem Schweizer Uhrenhersteller Swatch verknüpft, schließlich steckten da viele Ideen vom damaligen Swatch-Chef Nicolas Hayek drin. In Winklers Augen sind Swatch-Uhren zum einen individuell zum anderen hochpreisig. Vielleicht meint sie mit der zweiten Feststellung die zum Swatchkonzern gehörenden Nobel-Uhrenmarken Longines, Omega oder Rado – Swatch-Uhren zählten und zählen jedenfalls zum günstigsten, was der Schweizer Uhrenmarkt zu bieten hat. Gar nicht günstig wäre der Smart Roadster Brabus V6 Biturbo geworden: Der 170-PS-Sportler wurde nur zehnmal gebaut. Er kam in 6,0 Sekunden auf Tempo 100. Heute existieren noch zwei Fahrzeuge dieses Typs – den Rest hat Mercedes verschrottet.

Beinahe wie eine Lotus Elise
Ich fahre in dem Sechszylinder-Roadster eine Runde mit: Ein Brabus-Mitarbeiter düst mit mir über einen Parkplatz – irgendwie passt das zum Ruhrpott. Das Wastegate-Ventil des im Heck montierten Motors schnallst heftig, der Wagen knattert und ballert hart über den Asphalt. Straßenlage, Beschleunigung, Leichtfüßigkeit – der V6-Roadster erinnert ein wenig an die Elise von Lotus. Allerdings wurde der Wagen nie zu Ende entwickelt: Zwar funktioniert der aus zwei Dreizylindern zusammengesetzte V6, aber der Tank liegt aus Platzgründen vorne im Crashbereich des Wagens. Deshalb ist unter den Knien des Beifahrers auch ein dicker Feuerlöscher befestigt. Nett: Die Insassen werden von breiten Vierpunktgurten in den Rennschalen gehalten. Neben den beiden Roadstern konnte Brabus auch noch zwei V6-Motoren vor der Verschrottung retten. Einer von beiden sitzt auf einer ausgebauten Hinterachse – ein Gewirr von Kabeln und Kühlleitungen verdeckt das Aggregat beinahe komplett.

"Tailor made" im Aufwind
Der Markt für Premium-Kleinstwagen scheint uneinheitlich zu sein: Während Aston Martin auf dem Cygnet sitzen bleibt, wird Brabus laut Anette Winkler dieses Jahr erstmals über 1.000 Tailor-made-Modelle verkaufen. Der Einstieg in die Tailor-made-Welt kostet 3.000 Euro – soviel wird für das Leder- oder das Lackpaket verlangt. Wer alle erdenklichen Tailor-made-Optionen nutzt, muss 35.000 Euro übrig haben – dafür gäbe es auch schon einen Mercedes C 200 CDI.

Kooperation bleibt
Die Zusammenarbeit zwischen Smart und Brabus bleibt auch in Zukunft erhalten. Die in diesem Jahr ihren 45. Geburtstag feiernde Mercedes-Performance-Tochter AMG wird sich wohl nicht des Kleinstwagens annehmen. Auch vom neuesten Modell, dem Smart electric drive, legt Brabus eine leistungsgesteigerte Version auf. Der Elektromotor des Smart Brabus electric drive leistet 60 statt 55 Kilowatt (82 statt 75 PS) und generiert ein maximales Drehmoment von 135 statt 130 Newtonmeter. Sein Fahrwerk ist um zehn Millimeter tiefer gelegt und ein Soundmodul muss die natürliche Geräuschkulisse eines Verbrennungsmotors ersetzen. Wenn dann 2014 die neue Smart-Generation auf Renault-Clio-Basis kommt, wird Brabus ebenfalls zur Stelle sein. Dann gibt es auch wieder einen Viertürer. Nur einer Neuauflage des Roadster teilt Smart-Chefin Anette Winkler eine Absage: ,Den Wagen fordern alle, aber am Ende kaufen ihn nicht genügend Kunden."

Zehn Jahre Smart-Brabus