Die neue Mercedes B-Klasse

Agiler, effizienter und auch noch komfortabler soll sie sein: die neue B-Klasse von Mercedes. Designer und Ingenieure haben sich einiges einfallen lassen, um dem Kompaktwagen mit Stern neuen Schwung zu verleihen. ,So viele Neuheiten auf einen Schlag gab es noch bei keinem Modellwechsel in der Geschichte von Mercedes-Benz" verspricht Daimler-Entwicklungschef Thomas Weber.

Niedriger und kantiger
Bei Front und Heck der neuen B-Klasse war den Designern eine Breitenbetonung wichtig. Vorne sorgen dafür der große Grill und die bis in die Seiten reichenden Scheinwerfer. Hinten sind dafür die breite Heckscheibe, die große Heckklappe mit tief liegender Ladekante und die Heckleuchten zuständig. Den dynamischen Auftritt von der Seite besorgen die in die A-Säulen hineinfließende Motorhaube und die nach hinten abfallende Dachlinie. Das hintere Ende des Daches wird von einem prominenten Heckspoiler besetzt.

Bessere Aerodynamik optional
Die neue B-Klasse fährt mit einem für die Kompaktklasse niedrigen Luftwiderstands-Beiwert durch den Wind: 0,26 bedeutet laut Hersteller den besten Wert im Segment. Dafür wurden jede Menge aerodynamischer Verbesserungen bei der Vorderrad-Umströmung, der Unterbodengestaltung und der Kühlluft-Strömung vorgenommen. Die neuen gezackten Radhausspoiler wurden zum Patent angemeldet. Später wird es ein aufpreispflichtiges Eco-Technologie-Paket geben. Damit sinkt der Luftwiderstands-Beiwert dann auf 0,24 und somit auf den Wert, mit dem auch das von Mercedes als AerodynamiK-Weltmeister bezeichnete E-Klasse Coupé unterwegs ist.

S-Klasse übertroffen
Einem dynamischeren Auftritt der B-Klasse kommt die um knapp fünf Zentimeter verringerte Fahrzeughöhe zugute. Zudem sinkt die Sitzhöhe in Bezug auf den Asphalt um 8,6 Zentimeter. Daraus resultieren ein niedrigerer Einstieg und eine erhöhte Kopffreiheit. Laut Mercedes wünschen sich B-Klasse-Kunden eine aufrechte Sitzhaltung, die sie mit der neuen Modell-Generation auch bekommen. Die aufrechte Position der Rücklehnen führt zu einer ungeahnten Beinfreiheit im Fond: Knapp 98 Zentimeter können nicht einmal S- und E-Klasse bieten. Optional ist das Easy-Vario-Plus-System verfügbar. Mit dieser Technik lässt sich die Rücksitzbank um 14 Zentimeter verschieben, womit der Gepäckraum von 488 auf 666 Liter steigt. Außerdem lässt sich die Rücklehne des Beifahrersitzes nun nach vorne umklappen.

Ambitionen in Sachen Kabine
In Sachen Interieur hat sich Mercedes bei der B-Klasse vor allen Dingen Hochwertigkeit ins Lastenheft geschrieben. Das Armaturenbrett wirkt prall und ist mit schicken Kunststoff-Oberflächen oder Holzfurnier zu haben. Große Chrom-Runddüsen gucken präsent in den Innenraum, in der Mittelkonsole sind es gleich drei. Über den mittigen Düsen thront ein frei stehender Bildschirm, der ein wenig an Apples iPad erinnert.

Radar-Assistent im Kompaktwagen-Segment
Für die B-Klasse stehen jede Menge neuer Assistenten zur Verfügung. So gibt es eine radargestütze Kollisionswarnung mit adaptivem Bremssystem. Die Technik nennt sich Collision Prevention Assist und warnt den Fahrer optisch und akustisch vor Hindernissen und bereitet den Bremsassistenten auf die Verzögerung vor. Sobald der Fahrer das Bremspedal tritt, wird eine punktgenaue Bremsung eingeleitet. Mercedes betont, dass das Collision Prevention System nicht nur für Bagatellschäden im Stadtverkehr gewappnet ist, sondern auch bei hohen Geschwindigkeiten funktioniert.

Noch mehr Sicherheit, noch mehr Komfort
Mercedes lässt viel Sicherheitstechnik aus den höheren Fahrzeugklassen zur B-Klasse wandern. So ist erstmals Pre-Safe verfügbar. Dieses System mindert durch vorbeugende Maßnahmen Unfallfolgen. Bei kritischer Längs- oder Querdynamik werden die Seitenscheiben geschlossen, die Gurte gestrafft, der vollelektrische Beifahrersitz in eine aufrechte Position gefahren und, wenn vorhanden, das Schiebedach zugeschoben. Zudem sind auf Wunsch Seitenairbags für den Fond verfügbar. Dem Komfort dient die Sprachbedienung Linguatronic, und wer das Multimedia-System Comand bestellt, darf jetzt, wie bei den großen Mercedes-Modellen, mit dem praktischen Dreh-Drücksteller-Knopf in der Mittelkonsole spielen. Außerdem gibt es mit Comand-Online jetzt auch einen optionalen Internet-Zugang.

Fahren: Auf Wunsch mit Sportfahrwerk
Mercedes möchte die B-Klasse als agiles Fahrzeug sehen. So hat man in Stuttgart den Schwerpunkt des Wagens abgesenkt, eine neue Vierlenker-Hinterachse verbaut und das ESP weiterentwickelt. Als Sonderausstattung ist jetzt auch ein Sportfahrwerk erhältlich. Damit geht die B-Klasse nochmal um zwei Zentimeter runter. Die Sportdämpfer arbeiten mit einer amplitudenabhängigen Dämpfung – eine Technik, die schon seit längerem in der C-Klasse eingesetzt wird. Im Zuge des Sportfahrwerks kommt auch eine Direktlenkung zum Einsatz, deren Lenkübersetzung sich bei steigendem Lenkeinschlag ändert, was der Agilität gut tun soll. Die bei der neuen B-Klasse grundsätzlich elektromechanische Lenkung hilft auch beim Spritsparen: Die Lenkunterstützung braucht nur Strom, wenn tatsächlich gelenkt wird.

Neue Motoren
Für Vortrieb sorgen in der neuen B-Klasse frische Benzin- und Dieselmotoren. Alle Aggregate arbeiten mit Turboaufladung und werden serienmäßig an ein Start-Stopp-System gekoppelt. Die quer eingebauten Triebwerke und die dazugehörigen Getriebe sind kompakt konstruiert und ermöglichen einen für Fronttriebler recht guten Wendekreis von elf Meter. Die Vierzylinder-Ottomotoren arbeiten mit einem Direkteinspritzungsverfahren, wie es bereits bei den BlueDirect-V6- und V8-Motoren von Mercedes zum Einsatz kommt. In der B-Klasse debütiert ein 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner, welcher in den Leistungsstufen von 122 und 156 PS zur Verfügung steht. Die Drehmomente betragen 200 beziehungsweise 250 Newtonmeter. Auch ein neuer Selbstzünder steht parat: Das aus S- und C-Klasse bekannte Vierzylinder-Aggregat wurde auf 1,8 Liter Hubraum reduziert und in der B-Klasse erstmals quer eingebaut. Hier stehen Leistungsstufen mit 109 und 136 PS zur Verfügung. Die Drehmomente liegen bei 250 und 300 Newtonmeter. Verbräuche gibt Mercedes noch nicht bekannt.

Auch mit Doppelkupplungsgetriebe
Bisher bekam nur ein Mercedes-Modell ein Doppelkupplungs-Getriebe: der Flügeltürer-Supersportler SLS AMG. Nun gibt es diese ohne Zugkraftunterbrechungen arbeitende Technik auch für die B-Klasse. Das Doppelkupplungs-Schaltwerk hat sieben Gänge, zudem ist eine Sechsgang-Handschaltung verfügbar. Und: Die B-Klasse ist für die Zukunft gerüstet: Ein partiell doppelter Boden unter der Rücksitzbank kann einen alternativen Energiespeicher aufnehmen. Damit ist die Batterie der Brennstoffzellen-B-Klasse gemeint, die 2015 unter dem Namen F-Cell auf den Markt kommen soll. Zu sehen ist die B-Klasse erstmals auf der IAA (15. bis 25. September 2011 in Frankfurt am Main), beim Händler steht sie ab November 2011.

Schnittiger, sportlicher