Häppchen, Kabinenroller und ein undichtes Dach

Bei den meisten wichtigen Automessen veranstaltet der VW-Konzern inzwischen eine Vorpremiere am Abend vor den Pressetagen. Dabei präsentiert jede Marke üblicherweise ihr Highlight. Offenbar befürchtet Audi, in diesem Premierenreigen unterzugehen. Jedenfalls luden die Ingolstädter diesmal zu einer Vorpremiere der Vorpremiere am Tag vor dem Konzernabend.

Häppchen zwischen Novitäten
So konnten wir die Audi-Neuheiten schon begutachten, und zwar direkt auf dem IAA-Stand der Marke. Zum Aperitif standen die Auto-Journalisten aus aller Welt zwischen den Neuheiten, darunter der S5, S6, S7, S8, Audi A8 Hybrid und R8 GT Spyder. Die spannendste Neuheit, die Studie A2 Concept, war allerdings nicht unter den Exponaten.

Steckengebliebener Kabinenroller?
Anschließend wurde zur Pressekonferenz gebeten. Audi-Pressesprecher Melfi eröffnete den Abend und begrüßte den Audi-Vorstand inklusive Konzernchef Rupert Stadler. Es schien, als wollte er die 3,22 Meter kurze Studie Urban Concept auf die Bühne fahren: Er kurvte mit dem Kabinenroller im ersten Stock des Audi-Stands herum, blieb aber offenbar irgendwo hängen. Vielleicht in einer Wasserlache, denn draußen hatte es inzwischen zu regnen begonnen, und ganz dicht scheint der teure Audi-Stand nicht zu sein. So tropfte es an mehrere Stellen auf die Journaille herab.

Der Trick mit den Griffen
Eine Tanzgruppe überbrückte die Pause, baute auch ein paar dekorative Styroporblöcke ab, hinter denen die offene Version des 480 Kilogramm leichten Urban Concept namens Urban Spyder zum Vorschein kam. Dann fuhr Technikvorstand Michael Dick den Urban Concept auf die Bühne. Gleich mehrmals zeigte er, wie man fachgerecht aus dem niedrigen Kabinenroller aussteigt: Man zieht sich an Griffen hoch, die am oberen Rand der Frontscheibe angebracht sind.

Vision: Kein eigenes Auto mehr?
Neues zum Urban Concept gab es nicht zu hören, schon gar nicht zu einer Serieneinführung. Dafür gab es Video-Statements von Audi-Experten, die alle aufs Gleiche hinausliefen: In Zukunft muss man kein Auto mehr besitzen, um mobil zu sein. Und schon gar kein großes. Neue Töne von Seiten eines Autoherstellers, aber man vernimmt sie nun immer häufiger. Nicht nur Smart und Mini, sondern auch VW setzen inzwischen auf spontane Autoanmietung. Also soll man sich Fahrzeuge wie den R8, Q7 oder A8 künftig nicht mehr kaufen? Oder sollen das nur die wenigen tun, die sich so etwas noch leisten können, während sich das gemeine Volk in den gemieteten Kabinenroller schwingt? Auf Antworten auf diese Fragen wartete man an diesem Abend vergebens.

Gallery: Früh in Frankfurt