Mercedes blickt mit der Studie F125! in die Zukunft

Das Ausrufezeichen scheint in der Autobranche in Mode zu kommen: Nach dem VW Up! setzt nun auch Mercedes auf das ungewöhnliche Merkmal und präsentiert auf der IAA 2011 (15. bis 25. September) den F 125!.

Die S-Klasse von übermorgen?
Der Name der fünf Meter langen und 1,43 Meter hohen Studie bezieht sich auf das 125-jährige Jubiläum des Automobils in diesem Jahr. Mit dem F 125! will Mercedes seine Vision vom emissionsfreien Fahren mit Wasserstoff unterstreichen. Vision ist für das Luxus-Gefährt der passende Ausdruck, denn viele Lösungen an Bord gehen bis über das Jahr 2025 hinaus. Daimler-Technikvorstand Thomas Weber gibt die Zielrichtung vor: ,Der Mythos S-Klasse wird durch intelligente und stets am Kundennutzen orientierte Lösungen konsequent in die Zukunft überführt." Das bedeutet aber auch, dass der F 125! zum Teil auf Technik basiert, die heute noch nicht verfügbar ist, aber in der Grundlagenforschung vielversprechende Ansätze zeigt.

Unterwegs in der Datenwolke
Die Karosserie mit einem Radstand von 3,33 Meter besteht aus Karbon-Kohlestofffasern, Aluminium und hochfeste Stählen. So wird der Verzicht auf eine B-Säule ermöglicht. Durchgängige Flügeltüren ermöglichen den Zugang zu allen vier Plätzen. In Sachen Cockpit hat sich Mercedes einiges einfallen lassen: Beim so genannten ,Natural Handling" erfolgt die Bedienung weitgehend durch natürliche Sprache, ergänzt wird sie durch intuitive Gesten und Berührung. Das Infotainmentsystem kann stimmungsbasiert konfiguriert werden. Mithilfe des ,Social Community Assistent" bestimmt der Fahrer, welche Freunde während der Fahrt Informationen erhalten. Die Daten der F-125-Infosysteme befinden sich auf einer ,Cloud", mit welcher der Fahrer ständig verbunden ist. Auf diesem Weg können Daten von den Fahrern bei Fahrzeugwechseln aufgerufen werden. Der Mercedes F 125! lenkt bei Bedarf selbst. Auf Wunsch des Fahrers übernimmt der Wagen auch selbstständig häufig vorkommende Fahrmanöver. Mittels der so genannten Car-to-X-Kommunikation werden Informationen mit anderen Fahrzeugen oder auch Ampeln ausgetauscht. So wird der Fahrer frühzeitig vor Gefahren gewarnt.

Genug Kraft an Bord
Herzstück des F 125! ist sein Brennstoffzellen-Antrieb. Vier radnah verbaute Elektromotoren treiben die Studie vorwärts. Das so genannte e4Matic-System stellt eine Dauerleistung von 170 Kilowatt (231 PS) und eine Spitzenleistung von 230 Kilowatt (313 PS) zur Verfügung. Damit beschleunigt der F 125! in 4,9 Sekunden von null auf 100 km/h und erreicht maximal 220 Sachen. Der Verbrauch soll bei 0,79 Kilogramm Wasserstoff pro 100 Kilometer liegen, was laut Mercedes 2,7 Liter Diesel entspricht.

Akku der Zukunft
Noch in der Grundlagenforschung befinden sich zwei weitere Bestandteile des F 125!. Eine Kapazität von zehn Kilowattstunden weist die Lithium-Schwefel-Batterie auf, die hinter den Rücksitzen montiert ist. Das Kofferraumvolumen beträgt 460 Liter. Durch die Kombination der Brennstoffzelle mit dem neuartigen Akku soll eine Gesamtreichweite von bis zu 1.000 Kilometer möglich sein, davon 50 Kilometer batterieelektrisch. Bei der Konzeption des F 125 sind die Entwickler davon ausgegangen, dass dieser Batterietyp bis zum Zeitpunkt eines möglichen Serieneinsatzes Speicherdichten von 350 Wattstunden (Wh) pro Kilogramm auf Zellebene erreichen kann. Das entspräche in etwa einer Verdopplung der aktuellen Leistungsfähigkeit. Allerdings gibt Daimler offen zu, dass die realen Potenziale dieser Technologie ,noch schwer abschätzbar" seien.

Mehr Platz durch neue Tankform
Der zweite futuristische Bestandteil des F 125! ist sein Wasserstofftank. Hier setzt Mercedes auf einen ,strukturintegrierten Wasserstoff-Verbundspeicher", mit dem das Reservoir vollständig in die Karosseriestruktur integriert werden kann. Damit würde das Platzangebot nicht eingeschränkt. Rund 7,5 Kilogramm Wasserstoff kann der in die Bodengruppe integrierte Verbundspeicher aufnehmen. Verglichen mit den heute verwendeten Hochdruckspeichern beansprucht die neue Tankform potenziell weniger Einbauraum. Der Grund: Um dem Druck von bis zu 700 bar standzuhalten, müssen heutige Tanks zylindrisch geformt sein, und aufgrund des runden Querschnitts ergeben sich ,Hohlräume" zwischen neben- oder übereinander montierten Tanks. Im Gegensatz dazu können Feststoffspeicher, die sich mit einem Druck von 30 bar oder weniger befüllen lassen, besser in die Karosserie integriert werden. Dabei können sie gleichzeitig als ,mittragende" Komponenten dienen.

Luxus-Ausrufezeichen