Mercedes-Premierenabend im Vorfeld der IAA 2011

,Die Brennstoffzelle ist mindestens so grün wie Shrek, aber schöner und real", meint Daimler-Chef Dieter Zetsche, während von einem der großen Monitore hinter ihm die grüne computeranimierte Filmfigur freundlich ins Publikum grinst. Im Mittelpunkt der Mercedes-Vorpremiere kurz vor dem Start der IAA (15. bis 25. September 2011) steht die Studie F 125!. Der Wagen soll zum 125. Geburtstag des Automobils die mittelfristige Zukunft der Mercedes-Technik zeigen. Vornehmlich geht es dabei um den Antrieb – in diesem Fall einen Wasserstoff-Plug-in-Hybriden. Und Zetsche schwört sein Fachpublikum mit einer launigen Rede auf die von ihm herbeigesehnte Wasserstoff-Wende ein.

Weniger Wachstum? Abgelehnt!
Zetsche weist auf die enormen Herausforderungen in Sachen Energieersparnis hin. Dieses Ziel mithilfe von weniger Wachstum zu erreichen, hält der Daimler-Boss für falsch. Kein Verzicht, keine Verbote, sondern neue Technologien sollen den Wahlspruch ,schneller – höher – weiter" am Leben halten. Und hier setzt der schwäbische Autobauer eben unter anderem auf Wasserstoff. Dieses Gas sei das neue Öl, meint Zetsche – und nun wäre es an der Zeit für einen Ölwechsel. Der F 125! mit seinen gigantischen Flügeltüren, seinen 1.000 Kilometer Reichweite und dem Platz für vier Personen ist dabei nur die Spitze einer langsam Wirklichkeit werdenden Modellpalette. So wird Mercedes die Serienfertigung der Brennstoffzellen-B-Klasse um ein Jahr auf 2014 vorziehen, um diese Technik so schnell wie möglich im Alltag zu etablieren.

Die Gemeinde wächst
,Die Gemeinde der Autofahrer erfreut sich großer Zuwächse", meint Dieter Zetsche. Er weist darauf hin, dass die Automobilindustrie aktuell schneller wächst als die Weltwirtschaft – als Motoren dafür dienen unter anderem China und Indien. Keiner könne den Menschen in diesen Ländern verdenken, dass sie ebenfalls individuell mobil sein wollen. Aber: ,Wenn der letzte Verbrennungsmotor optimiert, das letzte Haus gedämmt und die letzte Glühbirne verboten ist, hätte die Welt bei steigenden Verbraucherzahlen immer noch ein CO2-Problem", so Zetsche. Der Mercedes-Chef läutet hier unmissverständlich die mittelfristige Abkehr vom Verbrennungsmotor ein.

Verschiedene Systeme
Zetsche wird nicht müde, die Vorteile von Brennstoffzellen-Antrieben zu betonen. Wasserstoff sei ein häufig vorkommendes Element. Öl war früher einfach zu fördern, gefühlt unbegrenzt verfügbar sowie billig – und darum über Jahrzehnte als Energieträger erfolgreich. Jetzt haben sich die Zeiten geändert. Allerdings müsste Wasserstoff sinnvoller Weise CO2-neutral gewonnen und eine vernünftige Tank-Struktur aufgebaut werden. Dies soll zusammen mit Kooperationspartner Linde geschafft werden. Außerdem wünscht man sich Unterstützung von der Bundesregierung, auch wenn diese mit sich selbst und der Rettung des Euro beschäftigt ist. Und Zetsche erlaubt sich einen Hieb auf eine andere Antriebstechnik der Zukunft: ,Wenn ein Elektroauto geladen wird, können Sie ‚Krieg und Frieden' lesen." Dabei umfasst das Modellportfolio der Stuttgarter bald den elektrischen Smart, die elektrische A-Klasse und eine Elektroversion des Supersportwagens SLS AMG.

Kein Dampflok-Schicksal
Aber Zetsche sieht natürlich in Zukunft Platz für zwei Systeme. Er orientiert sich am Beispiel der Dampflokomotive. Als diese 1950 125 Jahre alt wurde, dominierte sie die Schiene. 25 Jahre später war sie verschwunden, abgelöst von Diesel- und Elektroloks. Keiner der damals großen Dampflok-Hersteller produziert heute noch Loks. Dieter Zetsche schwört: ,Dies wird uns nicht passieren". In der Brennstoffzelle sieht er ein Gegenmittel, um als Autohersteller den Sprung weg vom Verbrennungsmotor hinein in eine umweltfreundlichere Zukunft zu schaffen.

Jazz-Trompete und Wassermusik
Zum Abschluss kommt der texanische Jazz-Trompeter Roy Hargrove auf die Bühne. Der zweifache Grammy-Gewinner spielt eine mitreißende Melodie. Anschließend übernimmt ein Orchester den Ton, während sich weiß gewandete Tänzer unter virtuellen Wassermassen räkeln. Und dann fährt der tankfreie F 125! vor, der den Wasserstoff in seiner Hightech-Karosseriestruktur speichern soll. Schlecht sieht der Wagen nicht aus. Wenn auch seine Antriebstechnik funktioniert, könnte das Auto noch eine große Zukunft vor sich haben.

Bildergalerie: Mercedes blickt voraus