Round Table mit den Bossen von AMG und Ducati

AMG-Chef Ola Källenius und Ducati-Boss Gabriele del Torchio sind sich einig: ,Wir sind süchtig nach Performance. Deshalb passen wir so gut zusammen." Im November 2010 haben die sportliche Mercedes-Tochter und italienische Motorradmarke auf der L.A. Auto Show ihre Zusammenarbeit angekündigt. Was inzwischen dabei herausgekommen ist und wie tief die Gemeinsamkeiten reichen werden, klären wir in einem Round-Table-Gespräch mit den beiden Chefs der Sportmarken.

Gefühle für eine Marke
Källenius betont, dass man sich bei AMG hinsichtlich Performance und Geschichte ausschließlich zu einer Motorradmarke hingezogen fühlt: Ducati. Und del Torchio sieht das ähnlich, weist darauf hin, dass man dieselben Werte bevorzuge. Als Zeichen der Verbundenheit präsentiert Mercedes auf der IAA (bis zum 25. September in Frankfurt am Main) erstmals ein Motorrad: die Ducati Diavel AMG Special Edition. Das Bike fällt durch seinen von AMG designten Auspuff, seine geschmiedeten AMG-Alufelgen, die Alu-Luftleitbleche in den Karbonabdeckungen und den AMG-Lack auf. Eine Plakette am Motorengehäuse trägt die Unterschrift des Technikers, der die Kalibrierung der Ventilsteuerung vorgenommen hat. Die Parallele zu AMG: Hier sitzt eine Plakette mit der Unterschrift des Motoren-Monteurs auf dem Triebwerk.

Schneller Marketing-Erfolg
Die gemeinsamen Marketing-Aktivitäten zwischen AMG und Ducati haben sofort Früchte getragen: AMG-Kunden schauen bei Ducati und Ducati-Kunden bei AMG vorbei. In China und den USA werden teilweise sogar die Autos und die Bikes in ein und demselben Shop verkauft. Und auch wenn nur eine Show-Ducati in einem AMG-Verkaufsraum steht, dann fungiert diese als Eyecatcher, wie Källenius betont.

Technische Zusammenarbeit in den Anfängen
Auf die Frage, ob die Zusammenarbeit der beiden Marken auch die Technik betrifft, betont Ola Källenius, dass es keine Verwendung von gleichen Bauteilen geben wird. Im Moment tauscht man Informationen aus und sammelt Ideen. Interessiert sind beide Seiten vor allen Dingen am Thema Leichtbau – ,Wir sind von Leichtbau besessen" meint del Torchio. Außerdem könnte es Know-how-Transfers in Sachen Motorentechnik geben – Källenius erwähnt hier Direkteinspritzungen der neuesten Generation. Zwei Ducatis haben es zum AMG-Standort Affalterbach geschafft. Laut Källenius würden viele Kunden beim Werksbesuch gerne gleich eine der Maschinen mitnehmen.

Virales Marketing-Marketing
Die Marketing-Zusammenarbeit trägt inzwischen unerwartete Früchte: So wurden die AMG-Verantwortlichen durch Zufall darauf aufmerksam, dass in Südkorea eine große Veranstaltung mit AMG-Fahrzeugen und unzähligen Ducatis stattfand. Die Südkoreaner hatten von sich aus die Initiative ,Drivers meets Drivers" gestartet, bei der sich Kunden beider Hersteller näher kommen. Aus Sicht von Marketing-Experten ist dies ein Traum: Eine einmal angestoßene Sache läuft von alleine weiter. Ansonsten freut es die Autobauer immer wieder, bei den MotoGP-Veranstaltungen im Rahmen des Ducati-Engagements Mercedes-Actros-Trucks, jede Menge AMG-Logos und eine AMG-Fahrzeugflotte zu sehen.

Keine Beteiligungen, neues Ducati-Auto
Ola Källenius betont, dass Mercedes keine Pläne hat, sich direkt an Ducati zu beteiligen. Gabriele del Torchio entgegnet darauf verschmitzt, dass man schon gerne Mercedes kaufen würde, dass Unternehmen wohl aber zu teuer sei. So ist man stolz auf die Ducati Diavel AMG Special Edition, welche mit zirka 27.000 Euro zu Buche schlagen wird. Und auf die Frage, ob im Gegenzug jetzt auch ein AMG-Fahrzeug im Ducati-Design kommen wird, lächelt Källenius und sagt: ,Wait and see". Lange werden wir nicht warten müssen – sehen wir mal, was die L.A. Auto Show (18. bis 27. November 2011) für uns bereithält.

Sucht nach Performance