Günstige Einstiegsmarke für Schwellenländer könnte 2016 starten

Aus dem Nichts zum Retter von Renault: Seit 2004 ist Dacia ein kometenhafter Aufstieg geglückt. Der Hersteller von Billigautos ist mittlerweile eine feste Größe, auf die auch die Konkurrenz schaut. So zum Beispiel VW: Bis 2018 möchten die Wolfsburger der größte Autohersteller der Welt werden, weshalb man Dacias Strategie genau beobachtet. Fakt ist: Billigautos boomen und ausgerechnet Volkswagen hat keinen Wagen mit volksnahen Preisen im Programm. VW arbeitet daher eifrig an einem Billigauto, als Starttermin steht 2016 im Raum. Angepeiltes Preisniveau: 7.000 bis 8.000 Euro. Doch bevor man sich schon jetzt freut: Nach Westeuropa soll der Wagen erst einmal nicht kommen.

Günstig in die Schwellenländer
Das Problem von VW: In wachstumsstarken Staaten wie China oder Indien braucht man günstige Einsteigerautos. Genau hier hat Volkswagen aber eine Lücke: Zwar gibt es im Portfolio den Up, doch abgespeckte Kleinstwagen kommen in Schwellenländern nicht immer gut an, wie der Tata Nano eindrucksvoll bewiesen hat. Kunden in China, Indien und Co. wollen einerseits Fahrzeuge mit genügend Platz für die Familie, andererseits sollen diese Autos nicht nackte Armut zur Schau stellen. Auch die Fahrzeuge von Dacia starten daher erst bei einer Länge von rund vier Meter.

Abgelegte Teile
Der nun erwischte VW-Erlkönig wirkt in der Tat recht groß und trägt ein ausgeprägtes Fließheck. Hinzu kommen optische Ähnlichkeiten zum jüngst abgelösten VW Golf VI. Ähnlich wie Dacia nutzt VW alte Technik aus dem großen Konzernregal, ohne übertrieben antiquierte Teile zu verwenden, schließlich werden auch in Schwellenländern die Crash- und Sicherheitsnormen schärfer.

Golf V als Ausgangsbasis?
Ein denkbares Szenario für das VW-Billigauto könnte wie folgt aussehen: Verwendung der PQ35-Plattform von Golf V/VI, möglicherweise auch der Presswerkzeuge des alten Golf, um Kosten zu sparen. Das würde die gewisse Ähnlichkeit des Erlkönigs zum Golf erklären. Hinzu kommt einfache, aber günstige und bewährte Technik wie etwa die Koppellenker-Hinterachse. Gleiches gilt für die Aggregate: Keine aufwendigen TSI-Experimente, stattdessen Saugmotoren der EA-111-Familie: ein 1,4-Liter mit 80 PS und ein 102-PS-Motor mit 1,6 Liter. Beide wurden inzwischen zur EA-211-Reihe weiterentwickelt und leisten im neuen VW Santana für China 90 respektive 110 PS. Aus Kostengründen wird der Diesel nur eine Nebenrolle spielen, angeboten werden bestenfalls ältere Pumpe-Düse-Motoren mit 90 oder 105 PS. Das so entstandene Gesamtpaket soll es langfristig in diversen Karosserievarianten geben. Ähnlich wie Dacia bei Renault wird auch die VW-Billigmarke einen eigenen Namen erhalten. Der ist noch offen, als wahrscheinlich gilt ein neu geschaffenes Kunstwort.

Bildergalerie: Erwischt: Billigauto von VW