Volvo C30 Electric im Kältetest

Rein elektrisch und komplett emissionsfrei: So stellt sich das der Endverbraucher vor, wenn von einem Elektroauto die Rede ist. Kleine Feinheiten, wenn es eben doch nicht immer ganz elektrisch vorangeht, werden von der Autoindustrie häufig verschwiegen oder erst auf Nachfrage erläutert. Letzteres kann man Volvo nicht vorwerfen. Der schwedische Hersteller weist explizit darauf hin, dass es auch beim C30 Electric nicht ganz ohne Benzin geht – man braucht es für die kraftstoffbetriebene Zusatzheizung.

Ein Volvo muss auch bei Kälte funktionieren
Dass Volvo sich um angenehmes Fahren auch bei Minustemperaturen Gedanken macht, ist kein Wunder. Im Norden Schwedens wird es in den Wintermonaten knackig kalt, und auf dem Heimatmarkt hat die Marke einen Marktanteil von über 20 Prozent zu verteidigen. Selbst bei Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt soll ein Volvo – auch ein elektrisch angetriebener – dementsprechend zuverlässig funktionieren. Also hat uns Volvo in die nördlichste Stadt Schwedens, nach Kiruna, eingeladen, den Elektro-C30 unter Kältebedingungen zu testen.

Zeitgesteuerte Vorwärmung
Um eine hohe Reichweite zu erreichen, sollte die Lithium-Ionen-Batterie des C30 Electric vor dem Start in einen guten Betriebszustand versetzt und bei Minusgraden entsprechend vorgewärmt werden. Dazu ist ein sechs Kilowatt starker ,Motorvorwärmer" verbaut. Der zwackt die benötigte Energie während des Ladevorgangs aus der Steckdose ab. Die Vorwärmung erlaubt eine bis zu 30 Prozent höhere Reichweite verglichen mit einem Kaltstart, bei dem die Batteriekapazität für eine schnelle Erwärmung in Anspruch genommen werden muss. Für das rechtzeitige Vorheizen vor dem Fahrtantritt steht eine Timerfunktion zur Verfügung. Über diese lässt sich auf Wunsch auch der Fahrgastraum vorheizen. Die Klimatisierung des Innenraums erfolgt zugunsten einer erhöhten Batteriekapazität über eine kraftstoffbetriebene Zusatzheizung. Sie kann entweder mit Bioethanol oder mit Benzin betrieben werden. Der dazugehörige Zwölfliter-Tank soll für etwa 20 bis 24 Stunden reine Fahrtzeit ausreichen. Auf Kurzstrecken kann der Fahrer die Klimaanlage aber auch auf Strombetrieb umschalten.

Abkühlung in der Kältekammer
Doch auch, wer auf das Vorheizen verzichtet, kann im Nu in einem wohltemperierten Auto Platz nehmen. Um eine Außentemperatur von minus 25 Grad zu simulieren, haben die Volvo-Spezialisten für unseren Test den C30 Electric über Nacht in eine Kältekammer gestellt. Das war nötig, da es für diese Jahreszeit in Lappland ungewöhnlich ,warme" sechs Grad minus hatte. Bereits nach wenigen Minuten – und schneller als von anderen Autos bekannt – ist der C30 Electric innen angenehm warm, die Scheiben frei von Frost und Eis.

Agil, ausgewogen, geräuscharm
Der 82 kW (111 PS) starke Elektromotor treibt den knapp 1,7 Tonnen schweren C30 Electric agil, ausgewogen und geräuscharm an. Vom Start weg stehen die vollen 220 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung und sorgen vor allem auf den ersten Metern für zügiges Vorankommen. 10,9 Sekunden vergehen, bis Tempo 100 erreicht ist. Schneller als 130 km/h fährt der Elektro-C30 allerdings nicht – der Reichweite zuliebe. Das Eingang-Getriebe, das über einen kurzen Wählhebel betätigt wird, erlaubt die Einstellung zweier unterschiedlicher Fahrmodi: In H wie Highway ,segelt" der C30 über den Asphalt und hält weitgehend die aktuelle Geschwindigkeit. Wählt man hingegen den D-Modus und geht vom Gaspedal, dann wird das Auto automatisch abgebremst und gleichzeitig die Batterie wieder aufgeladen. Bei vorausschauender Fahrweise kann der Kompaktwagen so praktisch ohne Betätigen der Bremse bewegt werden. Rund 150 Kilometer gibt Volvo als Reichweite für den C30 Electric an. Bei niedrigen Temperaturen verkürzt sich diese allerdings. Rechnet man die Restanzeige von 20 Kilometer obendrauf, haben wir auf unserer Testfahrt etwa 100 Kilometer geschafft – das Ganze bei leichten Minusgraden, ebener Strecke, aber auch forcierter Fahrt. Das vollständige Aufladen dauert je nach Stromstärke unterschiedlich lang: sechs bis acht Stunden bei 16 Ampere, rund zehn Stunden bei zehn Ampere.

Testflotte mit 250 Leasingfahrzeugen
Kaufen kann man den C30 Electric nicht, die Flotte von weltweit 250 Fahrzeugen wird ausschließlich verleast. In Deutschland sind dann drei Jahre lang monatlich 1.130 Euro fällig – ohne Anzahlung und ohne Kilometerbegrenzung. Volvo dient die Testflotte vor allem zu Forschungszwecken, weshalb die Schweden Daten wie Laufleistung, Ladedauer und -häufigkeit aller Fahrzeuge sammeln und auswerten. Nach drei Jahren geht das Auto wieder an den Hersteller zurück. Aktuelle und potenzielle Kunden sind vor allem Gewerbe- und Flottenkunden, die beispielsweise aus Imagegründen ein entsprechendes Fahrzeug in den Bestand aufnehmen wollen. Theoretisch kann auch jeder Privatkunde einen C30 Electric leasen. Eine Großserie wird es allerdings nicht geben. Zum einen läuft der C30 im Jahr 2013 ohnehin aus, zum anderen experimentieren die Schweden auch mit anderen Lösungen wie beispielsweise einem Range Extender. Alle Erfahrungen dürften dann gebündelt in eine Elektroversion des neuen Kompaktmodells V40 einfließen.

Gallery: Elektro-Volvo in der Kälte