Kompaktlimousine für Europa debütiert in Genf

Versuche chinesischer Automobilhersteller, auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen, gab es einige – gelungen ist bisher keiner davon. Die Modelle von Jiangling Motors und Brilliance China Autos versagten kläglich in Crashtests, China Automobile musste seine Fahrzeuge wegen Plagiatsvorwürfen vom Markt nehmen. Nun wagt wieder ein Autobauer aus dem Reich der Mitte den Schritt auf den alten Kontinent, allerdings mit einem Auto, das allenfalls als Halbblut-Chinese durchgeht.

Multikulturell
Qoros ist ein chinesisch-israelisches Gemeinschaftsunternehmen des privaten chinesischen Autoherstellers Chery Quantum und des israelischen Mischkonzerns Israel Corporation. Als Vorstandschef konnte Volker Steinwascher gewonnen werden, der zuvor das Amerika-Geschäft von Volkswagen leitete. Die Designbüros stehen in Shanghai und München, zuständig für das Aussehen der Qoros-Modelle ist Gert Hildebrand, bis Ende 2010 Chefdesigner von Mini. Produziert wird kostengünstig in China, als Zulieferer nennt Qoros unter anderem Magna Steyr, Continental, Bosch und Microsoft.

Debütant
Erstes Modell der Chinesen ist die Kompaktlimousine GQ3, die auf dem Genfer Automobilsalon (07.-17.März 2013) ihre Premiere feiern wird, bevor sie sich auf der Auto Shanghai (21.-29. April 2013) auch dem asiatischen Publikum vorstellt. In den chinesischen Handel rollen soll die Qoros-Debütantin in der zweiten Jahreshälfte, bei den deutschen Händlern wird sie Ende 2013 erwartet. Um die Neugier zu befriedigen, stehen jetzt erste Bilder des unverhüllten Neulings zur Verfügung.



Rundgang
Die Front des GQ3 wird in ähnlicher Form bei zukünftigen Qoros-Modellen zu finden sein und so als Markengesicht für den Wiedererkennungswert sorgen. Die Lichtaugen sind asiatisch-schmal und weit in die Flanken der Limousine gezogen. Mittig rahmen sie die kleine Grillschnauze ein, auf der das Qoros-Markenlogo prangt. Von der Seite betrachtet fallen der lange Radstand, verhältnismäßig kurze Überhänge und eine hohe Fensterlinie ins Auge. Zwei Bügelfalten ziehen sich schnörkellos über die Türen, die Silhouette erinnert an ein Coupé. In den Radkästen finden Räder bis 19 Zoll Platz, dreigeteilte Acht-Speichen-Felgen sollen ein weiteres Erkennungsmerkmal der Qoros-Modelle werden. Die Heckscheibe geht fließend ins Stummelheck über, die Rückleuchten sind zweigeteilt.

(R)Einsicht
Der Innenraum wirkt luftig und aufgeräumt. Die heute oft übliche Flut an Knöpfchen sucht man auf dem schwebenden Armaturenbrett vergebens. Wo sonst CD-Fach, Radio und Navi samt Steuerungselementen sitzen, prangt im GQ3 ein Acht-Zoll-Touchscreen, über den sich Fahrzeug- und Infotainmentfunktionen bedienen lassen sollen. Auch Service-Termine beim Händler sind über den Bildschirm buchbar.

Sicherheit
Qoros hat aus den Erfahrungen der anderen chinesischen Autobauer gelernt und möchte nicht in die Sicherheitsfalle tappen. Der GQ3 ist laut Hersteller so konstruiert, dass Bestwerte in europäischen und asiatischen Crashtests möglich sind. Mit Vorhangairbags und großen Knautschzonen hofft man auf fünf NCAP-Sterne.

Namensgebung
Die Namenswahl beim GQ3 ist wohl durchdacht und auf eine Ausweitung der Modellpalette angelegt. Alle Limousinen sollen das ,G" im Namen tragen, Q steht, wenig überraschend, für Qoros. Die Nummer gibt Hinweis auf das Segment. Im Fall des GQ3 indiziert die 3 also die Zugehörigkeit zum C- beziehungsweise Kompaktsegment.

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