Irres Spektakel mit dem Mazda 2

Wir sind uns nicht ganz sicher, wer hier mehr leidet: Der Mazda 2 oder die Steilwand namens ,Demon Drome", die angeblich älteste noch betriebene ,Wall of Death" weltweit. Mazda lässt den Kleinwagen im 90-Grad-Winkel durch die hölzerne Steilwand rasen, die eigentlich für darauf spezialisierte Motorräder ausgelegt ist.

Wiederbelebte Steilwand
Der Demon Drome wurde 1927 in den USA gebaut. Die speziell angerfertigte Holzkonstruktion wurde vom Schaustellerunternehmen Pat Collins nach England verschifft und landete letztlich in Skegness an der englischen Ostküste, wo die Vertikalrennbahn eine Attraktion bis in die frühen 1980er-Jahre war. Danach ging die hölzerne Todeswand als ,Motordrome" auf Reisen durch Großbritannien, bevor sie um die Jahrtausendwende eingemottet wurde. Mittlerweile ist die hölzerne Steilwand wieder in Betrieb. Der Steilwandfahrer ,Dynomyte" Dave Seymour hat sie mit seiner Familie über drei Jahre hinweg restauriert und als ,The Demon Drome" in Betrieb genommen, was man als ,Teufelswand" übersetzen könnte. Zusammen mit seinem Sohn und seiner Tochter befährt er die Steilwand auf Maschinen der Marke Indian. Sie fahren einhändig oder im Stehen, seitlich sitzend oder mit verbundenen Augen. Die größte Herausforderung besteht vielleicht in den gewaltigen Kräften von 4 G, die das Blut vom Kopf in die Beine drücken.

Gestrippter Mazda 2
Der Demon Drome war natürlich nie dafür gedacht, von einem Auto befahren zu werden. Und natürlich versäumt es Mazda nicht zu erwähnen, warum ausgerechnet der 2 besonders dafür geeignet ist. Geringes Gewicht, Agilität und ein munterer Antrieb seien Voraussetzung dafür, um in der 90-Grad-Steilwand bestehen zu können. Die notwendigen Anpassungen nahm der Motorsport-Tuner Jota Sport vor. Er entfernte zunächst die Sitze und ersetzte sie durch eine leichte Rennschale. Mazda deaktivierte zudem das ESP, welches in der Steilwand wohl verrückt spielen würde, und die Airbags. Natürlich musste die Federung den extremen Kräften angepasst werden, die beim schnellen Durchfahren einer Steilwand wirken – bis hin zu den Anschlagpuffern, die laut Mazda mehr als das Doppelte der Erdanziehungskraft aushalten müssen. Alles andere sei unverändert geblieben – keine Gimmicks, keine elektronischen Tricks, sagen die Japaner. Die Sensoren würden in der Teufelswand wohl ohnehin ständig Alarm schlagen – ganz abgesehen davon, dass ein ESP beim Steilwandfahren so stilecht wäre wie Freiklettern mit Seil.

Prüfung für Mensch und Material
Los geht´s: Dynomyte Dave fährt, sein Sohn Duke steht in der Mitte des Demon Dromes, um seinen Vater zu dirigieren. Der Mazda 2 beginnt mit langsamer Kreisfahrt, das rechte Vorder- und Hinterrad nimmt Tuchfühlung mit der Steilwand auf. Dave beschleunigt langsam und das Auto kommt immer mehr in Schräglage, die äußeren Räder bereits an der Steilwand. Mit einem letzten aggressiven Gasstoß bringt Dynomyte Dave den Mazda 2 in die Senkrechte. Man fragt sich unwillkürlich, warum dabei die 85 Jahre alte Holzkonstruktion nicht auseinanderfliegt – sie ist für den Fahrversuch natürlich massiv verstärkt worden. Dennoch biegt sich die Holzkonstruktion unter lautem Ächzen, während der Mazda den Radius durchfährt, der mit rund 9,45 Meter kleiner ist als der Wendekreis des Autos.

Leicht ist oben
Und was soll der ganze Aufwand? Zunächst einmal dient er dem Spaß an der Sache, allein der bringt Mazda eine Menge Aufmerksamkeit ein. Zudem möchte Mazda damit auf das geringe Gewicht des 2 hinweisen, immerhin hat er im Vergleich zu seinem Vorgänger um gut 100 Kilogramm abgenommen – Mazda ist damit Vorreiter in diesem Segment, wobei wir mit dem schlanken Peugeot 208 auch nicht den jüngsten Vertreter des neuen Weight-Watcher-Trends bei Autos verschweigen wollen.

Werbung für das Steilwandfahren
Beifall, die Werbeaktion ist gelungen und erinnert ganz nebenbei an das Steilwandfahren mit Motorrädern, welches ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Auch in Deutschland kann man solche Artisten auf zwei Rädern bestaunen: Die nach eigenen Angaben größte deutsche Einrichtung dieser Art ist Pitt´s Todeswand, die auch 2012 wieder auf dem Oktoberfest vertreten ist. Gefahren wird wie im Demon Drome mit alten Motorrädern des Typs Indian Scout. Die Maschinen aus den 1920er- und 1930er Jahren zeichnen sich auch heute noch durch einen niedrigen Schwerpunkt, Fahrstabilität und einen bärigen, feinfühligen Motor aus – wichtige Eigenschaften, um in 90-Grad-Lage nicht vom Weg abzukommen.

(Gernot Goppelt)

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