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Sonor brummelt es aus dem Motorraum des Mercedes 220 S von 1957. 100 PS aus sechs Zylindern ziehen den schweren Schwaben kraftvoll voran. Im Innenraum atmet der Geist der Adenauer-Ära: Viel Holz, gemütliche Sessel und eine vernehmbar tickende Analoguhr, Marke VDO, sorgen für Wohlfühlaroma. Rüdiger Leyens, einer der Geschäftsführer der neu entstandenen AIL Classic Leasing, dreht zum Blinken am verchromten Ring im 220er-Lenkrad. Rund 30.000 Euro müsse man für den Benz in einem solchen Zustand schon hinlegen, verrät er. Doch nicht jeder Oldtimerfreund hat solche Summen in der Portokasse. Hier kommt die Spielart des Oldtimer-Leasings ins Spiel. Zu diesem Zweck sind Leyens und sein Partner Rolf Huber mit ihrer bisherigen Firma ,Classic Leasing" unter die Decke des Unternehmens AIL Leasing aus München geschlüpft.

Emotionen inklusive
Eines stellt Leyens bereits am Anfang klar: Wer einen Oldtimer nur als wegzustellendes Spekulationsobjekt ohne Bezug sieht, braucht sich gar nicht erst auf den Weg ins oberbayerische Polling machen, wo AIL Classic Leasing seinen Sitz hat. Vielmehr geht es um die Erfüllung von automobilen Wunschträumen in höheren Preisregionen. Denn ,die Wagen, die heute Oldtimer sind, haben wir uns als Jugendliche schon neu gewünscht", bemerkt Leyens treffend. Gleichzeitig ist die Liebe zu alten Fahrzeugen auch ein Türöffner, wie AIL-Vorstand Christian Finke feststellen kann: ,Es gibt in unserem Portfolio auch Kunden, die neben den modernen Firmenfahrzeugen gerne privat einen Oldtimer fahren." Erst ab einem Oldie-Preis zirka 13.000 Euro tritt AIL Classic Leasing in Aktion, darunter lohnt sich eher ein Kredit von der Hausbank. Zudem ist das Oldtimer-Leasing primär für gewerbliche Kunden interessant, die von steuerlichen Vorteilen profitieren.

Erfüllte Träume
Doch der Reihe nach: Wie funktioniert Oldtimer-Leasing? Bei AIL geht es so: Der Kunde sucht sich selbst sein Wunschauto aus, sei es von privat oder vom Händler. Neben Old- und Youngtimern kommen auch Fahrzeuge in Frage, die zwischen zehn und 20 Jahre alt sind und als wertstabil gelten. Ein Beispiel sind die 964- und 993-Baureihen des Porsche 911. Geringe Fahrleistungen und wenige Vorbesitzer werden dabei vorausgesetzt. Ein Zustandsgutachten, etwa von Classic-Data, wird stets benötigt, die Note sollte mindestens 3 plus betragen. Das Auto muss zulassungsfähig sein. Obligatorisch ist eine Vollkaskoversicherung. Nun kommt AIL Classic Leasing ins Spiel: Das Unternehmen kauft das Fahrzeug für den Kunden und stellt es ihm gegen monatliche Raten zur Verfügung. Es wird auf den Namen des Kunden zugelassen und versichert.

Geld muss da sein
Basis ist ein so genannter Teilamortisations-Leasingvertrag mit festem Restwert, der alle steuerlichen Bedingungen erfüllt. Die Laufzeit kann zwischen 30 und 60 Monaten betragen, bevorzugt werden 36 oder 48 Monate. Zwei wichtige Hinweise macht AIL aber deutlich: Man darf bei Oldtimern nicht von 100-prozentiger Zuverlässigkeit ausgehen, es sind Liebhaberobjekte. Zum anderen wird auf die einwandfreie Bonität der Kunden Wert gelegt: Leasing sei keine Medizin gegen Finanznot, heißt es.

Finanzielle Anreize
Wie bereits erwähnt, sollte man beim Oldtimerkauf auf Raten nicht nur den finanziellen Aspekt vor Augen haben, doch dieser ist durchaus interessant. Da wäre die so genannte ,Ein-Prozent-Regelung": Ein Prozent des Fahrzeugneupreises muss für die Privatnutzung versteuert werden. Bei unserem Mercedes 220 S waren das einst 12.500 Mark, also sind hier nur 125 Mark beziehungsweise rund 63 Euro abzuführen. Hinzu kommen günstige Versicherungstarife. Dagegen stehen höhere Ersatzteilpreise und gegebenfalls häufigere Reparaturen wie auch stärkerer Spritkonsum. Doch spätestens, wenn einem der geleaste Oldtimer komplett gehört, könnte es Grund zur Freude geben, Stichwort Wertzuwachs. Gerade bei älteren Mercedes- oder Porsche-Modellen kennen die Preise nämlich vor allem eine Richtung: nach oben.

Gallery: Nostalgie auf Raten