Angetestet: Jaguar F-Type, Elektro-Defender und mehr

Unterschiedlicher könnten die brandaktuellen Neuheiten aus dem Hause Jaguar/Land Rover kaum sein: Vom scharfen F-Type bis zum elektrisch angetriebenen Defender reicht das Angebot. Dazu gesellt sich der Evoque mit der weltweit ersten Neunstufen-Automatik. Im Rahmen des Genfer Automobilsalons 2013 waren wir mit dem ungewöhnlichen Trio bereits unterwegs.

F wie fantastisch
Den Anfang macht ein ganz heißes Eisen: der brandneue Jaguar F-Type mit 495 PS starkem Kompressormotor unter der Haube. Bereits die äußere Form macht den Betrachter an, scharf geschnittene Linien zeigen schon im Stand, welche Kraft hier lauert. 625 Newtonmeter maximales Drehmoment aus fünf Liter Hubraum warten darauf, den Asphalt unter die Räder zu nehmen. Nun gut, im dichten Innenstadtgewühl bleiben 4,3 Sekunden auf Tempo 100 natürlich ein frommer Wunsch, zumal wir nicht selbst fahren konnten. Also nutzen wir die Gelegenheit, um in den tief montierten Sitz des Co-Piloten zu gleiten und genau hinzuhören.

Imponierende Geräuschkulisse
Die Anmutung des Innenraums weiß zu gefallen: Chrom und Leder in rauen Mengen, das Ganze sauber verarbeitet. Wer das Cockpit des XF mag, wird sich im F-Type wohlfühlen. Dennoch leistet sich der F-Type einige Besonderheiten: Direkt nach dem Start fahren Lüftungsdüsen aus der Mittelkonsole empor, der Wählhebel der serienmäßigen Achtgang-Automatik ist nicht wie bei anderen Jaguar-Modellen als Drehknopf ausgeführt. Schon im Stand blubbert der Achtender im Stile eines Muscle-Cars, um sich grollend in Bewegung zu setzen. Besonders gut zur Geltung kommt das Ganze natürlich offen, in zwölf Sekunden öffnet sich die Stoffmütze. Noch schärferer Sound gefällig? Auf Tastendruck öffnen sich Klappen in den Endrohren, zudem dringen sprotzelige Zwischengasgeräusche ans Ohr. Das kann in vielen Fällen nach Konservenbüchse mit Kieselsteinen klingen, doch der Jaguar erhebt seine Stimme aufreizend böse. Schnell finden mein Fahrer und ich den richtigen Namen für den Knopf: die ,Hey-Baby"-Taste, um den Damen beim lässigen Cruisen zu imponieren.

Geduld bis Mai
Also nur ein Aufschneider, dieser F-Type? Nein, denn das Fahrwerk vermittelt bei dieser ersten Begegnung einen durchtrainierten Eindruck. Sauber wischt der Jaguar ums Eck, die Federung ist straff, aber nicht knüppelhart. Sobald der Roadster genügend Drehzahlen bekommt, erinnert der Motorklang an jene legendären Rennwagen der Marke, die vor der Tür aufgereiht sind. Ab Ende Mai 2013 wird der F-Type beim Händler stehen. Nicht nur Sie sind auf eine längere Testtour gespannt, auch wir. Eines steht aber bereits fest: Das F in F-Type könnte für ,fantastisch" stehen.

Alle Neune
Fast schon bescheiden fällt dagegen die neueste Innovation von Land Rover aus, obwohl sie eine echte Weltpremiere ist. Im Range Rover Evoque kommt ab Herbst 2013 die erste Neungang-Automatik zum Einsatz. Einen starken Anteil daran hat der deutsche Getriebehersteller ZF. Und warum die plötzliche Steigerung von sechs auf neun Stufen? Natürlich soll so der Kraftstoffverbrauch sinken, bis zu zehn Prozent seien mit Start-Stopp-System möglich, so Land Rover. Die höhere Anzahl von Gängen halten den Motor im verbrauchsoptimalen Drehzahlband. Erste Probe aufs Exempel im Genfer Stadtverkehr: Hier erweist sich die mit einem Diesel kombinierte Automatik als echter Komfortfaktor. Zwar sind die Gangwechsel durchaus wahrnehmbar, aber das Getriebe wählt immer zielgerecht die richtige Stufe. Besonderheit: Eine ,Skip-Shift"-Funktion erlaubt das Überspringen von Gängen beim Herunterschalten oder starkem Abbremsen. Das bedeutet in der Praxis, dass ein Wechsel vom neunten in den fünften Gang möglich ist. Abzuwarten bleibt, wie die angebliche Super-Automatik auf der Autobahn agiert. Und wo ist das Ende der Fahnenstange in Sachen Gänge erreicht? Wir fragen ZF, dort heißt es, ab der Zahl Zehn wäre der weitere Fortschritt kaum mehr messbar.

Ungewohnte Mischung
Wohl am ungewöhnlichsten ist der dritte Proband auf unserer Erkundungstour, der Land Rover Defender Electric Drive. Ja, Sie lesen richtig, jenes Urviech, was im Kern schon über 60 Jahre alt ist, wird kurz vor der Rente noch zum Elektroauto. Doch Traditionalisten müssen keine Angst haben, bis zu einem Elektro-Geländewagen aus dem Hause Land Rover werden noch mindestens einige Jahre vergehen. Die Idee zum Strom-Defender entstand, nachdem ein südafrikanischer Wildparkbetreiber einen Defender umbauen ließ. So sollten die Tiere bei den relativ kurzen Touren nicht verschreckt werden, wichtig war zudem ein schneller Antritt vorwärts wie rückwärts. Auf diesem Fahrzeug bauen die derzeit sieben Prototypen auf. Sie verfügen über einen luftgekühlten Elektromotor mit 70 Kilowatt respektive 95 PS sowie 330 Newtonmeter Drehmoment. Dank eines 300-Volt-Lithium-Ionen-Akkus mit einer Kapazität von 27 Kilowattstunden soll auf der Straße eine Reichweite von rund 80 Kilometer möglich sein. Im Gelände beträgt die Akku-Reichweite aufgrund der geringeren Geschwindigkeit laut Hersteller bis zu acht Stunden. Ein sieben Kilowatt starkes Ladegerät erledigt die Strombetankung in vier Stunden, während mit einem mobilen Drei-Kilowatt-Ladegerät rund zehn Stunden benötigt werden. Soweit die Theorie. Und wie fährt sich so etwas?

Der Strom-Kraxler
Zündschlüssel umdrehen. Ein Blick auf die Ladeanzeige. Getriebewählhebel auf D. Die kastige Geländewagen-Legende setzt sich recht behäbig in Bewegung, am großen Lenkrad will ordentlich gekurbelt werden. Nun gut, das ist beim konventionellen Defender auch nicht anders, doch hier macht der Ton die Musik. Mit lautem Surren, einer Straßenbahn nicht unähnlich, geht es voran. Überraschend fällt auch die Probe der Geländegängigkeit aus: Auf einem kleinen Offroad-Parcours zeigt der Elektro-Defender, was er kann. Der Allradantrieb an Bord verfügt über ein mittiges Sperrdifferenzial und wurde unverändert vom Defender mit Verbrennungsmotor übernommen. Die Wattiefe ist mit 800 Millimeter sogar besser. Wäre nicht der Auspuff der Standheizung, dann könnte der Strom-Kasten sogar bis zur Windschutzscheibe im Wasser stehen. Fest steht nach den ersten Eindrücken eines: Spaß machen die drei neuen Engländer, aber jeder auf seine eigene Art.

Von scharf bis mild