Käfer-Ableger von 1947 überrascht im Windkanal

Das Wettrennen um den besten cW-Wert ist derzeit wieder in vollem Gange: Mercedes preist den bei 0,22 liegenden CLA als Weltmeister an, die VW-Sparzigarre XL1 kommt sogar auf 0,19. Doch jetzt zeigt ein ungewöhnlicher Test, dass man schon anno 1947 ähnliche Werte realisieren konnte.

Windschnittiger Käfer
In jenem Jahr stellte Kurt Volkhart seinen ,V2 Sagitta" vor. Volkhart hatte Anfang der 1940er-Jahre angefangen, windschnittige Sportversionen des VW Käfer zu entwickeln, dessen cW-Wert übrigens bei 0,46 liegt. Die Entwürfe sahen sogar eine durchgehende Rückenflosse vor. Basis für Volkharts Ideen waren die Grundlagenuntersuchungen des legendären Aerodynamikers Baron von König-Fachsenfeld. Vollendet wurde aber nur das Sagitta-Projekt mit einer leichten Aluminiumkarosserie auf einem Stahlrohr-Gitterrahmen. Optisch weist der Wagen Ähnlichkeiten zum Berlin-Rom-Wagen von 1939 und dem frühen Porsche 356 auf. Im Heck des ,V2 Sagitta" arbeitete ein VW-Boxermotor mit 1,1 Liter Hubraum und 24,5 PS.

Unglaubliche Werte
Erst vor kurzem war der verschollen geglaubte Wagen im Rahmen eines Concours d'Elegance wieder ans Tageslicht gekommen. Im Januar 2013 erfolgte schließlich die technische Prüfung im Windkanal, mit erstaunlichem Resultat: Beim V2 Sagitta wurde ein cW-Wert von 0,217 und eine Stirnfläche von 2,10 Quadratmeter gemessen. Das ist gar nicht weit entfernt vom VW XL1, der es auf einen cW-Wert von 0,19 und eine Stirnfläche von 1,50 Quadratmeter bringt. Im Zuge der Untersuchung wurde auch die Wirksamkeit einzelner Maßnahmen unter die Lupe genommen. Werden beispielsweise die Radhausverkleidungen entfernt, verschlechtert sich der cW-Wert auf 0,252. Kaum etwas bringt hingegen die Entfernung der Scheibenwischer und die Verwendung eines kleinen Heckspoilers. Hier sank der Wert nur auf 0,216. Reine Fantasie bleibt aber die Anfang der 1950er-Jahre von Magazinen genannte Zahl von 0,16.

Aerodynamik-Altmeister