Änderungen bei der Hauptuntersuchung

Probefahrt, keine Rückdatierung, Prüfung der elektronischen Sicherheitssysteme: Nachdem der Bundesrat am 30. April 2012 zugestimmt hat, stehen nun umfangreiche Änderungen bei der Hauptuntersuchung (HU) an, wie der TÜV Süd mitteilt. Die Änderungen sind Anfang Juli in Kraft getreten. Wir sagen, was sich ändert.

Wegfall der Rückdatierung
Zu den wichtigsten Punkten gehört der Wegfall der Rückdatierung: Der Termin für die nächste HU orientiert sich nicht mehr wie bisher am Fälligkeitsdatum, sondern am tatsächlichen HU-Termin. Eine Einladung zum Zeitschinden? Nein, sagen die Experten vom TÜV Süd, denn wer zukünftig mehr als zwei Monate überzieht, dessen Fahrzeug wird einer verschärften Hauptuntersuchung unterzogen, die um 20 Prozent teurer ist. Daneben droht, wie bisher auch, eine Geldbuße. Zudem sind Autofahrer, die mit abgelaufener HU-Plakette einen Unfall verursachen, möglicherweise nicht versichert. Der Wegfall der Rückdatierung wird in den meisten Bundesländern erst mit dem endgültigen Inkrafttreten der Änderungen wirksam. In Baden-Württemberg wurde die Rückdatierung allerdings bereits am 1. April ausgesetzt, in Hessen sogar schon im Jahr 2011.

Probefahrt zur Prüfung der elektronischen Systeme
Außerdem macht der Prüfer bei der HU eine Probefahrt mit dem Auto, um die elektronischen Systeme zu überprüfen. Sie wird bei mindestens acht km/h absolviert. Ab diesem Tempo sind bei allen Autos die elektronischen Sicherheitsassistenten aktiviert. Das sind Airbags, ABS, ESP und Abstandstempomat. Der Prüfer schließt ein Messgerät an die OBD-Schnittstelle (On Board Diagnose) des Autos an und checkt, ob die Sicherheitsassistenten richtig funktionieren. Diese Prüfung wird schrittweise ab 2013 eingeführt.

Der einheitliche Mängelbaum
Außerdem arbeiten jetzt alle Prüforganisationen mit einem einheitlichen ,Mängelbaum". Hinter dieser schönen Bezeichnung verbirgt sich so etwas wie eine hierarchische Gliederung der festgestellten Mängel. Praktische Folge für den Autofahrer: Im Prüfbericht gibt es nun eine eindeutige Beschreibung, wo der Mangel festgestellt wurde. Fehlt es zum Beispiel an der Beleuchtung, bekommt es der Autofahrer künftig schwarz auf weiß, dass die Einstellung beim Scheinwerfer rechts nicht stimmt. Er kann dies mehr oder weniger direkt als Reparaturauftrag an die Werkstatt weiterleiten. Die Neuerungen bei der HU führen trotz eines höheren Aufwandes zu keiner Verteuerung der Hauptuntersuchung.