Bobby-Car, Kettcar und Einkaufswagen feiern Geburtstag

Jeder von ihnen hat vier Räder und wohl jeder Deutsche war schon einmal damit unterwegs. VW Käfer? VW Golf? Nein, die Rede ist von Bobby-Car, Kettcar und dem Einkaufswagen. Jedes dieser drei Fahrzeuge feiert im Jahr 2012 ein besonderes Jubiläum.

Einstiegs-Auto: 40 Jahre Bobby-Car
Eine knubbelige Optik im Stil des Autos von Donald Duck. Zusammengebaut aus rund 30 Einzelteilen in Burghaslach bei Fürth. 60 Zentimeter lang, 40 Zentimeter hoch und 3,6 Kilogramm schwer. Das ist das Bobby-Car. Für viele Kleinkinder ist der Plastikflitzer im übertragenen Sinne das erste eigene Auto. Ihren Eltern hingegen dürfte hingegen das bisweilen nervtötende Abrollgeräusch der Kunststoffreifen auf Laminat oder Asphalt im Ohr liegen. Erstmals präsentiert wurde das Bobby-Car im Jahr 1972, also vor 40 Jahren, auf der Spielwarenmesse in Nürnberg. Bis heute wurde das Gefährt in zweistelliger Millionenauflage gebaut, Gummireifen gibt es natürlich auch im Angebot. Erfinder Ernst A. Bettag suchte einen kurzen, knappen und internationalen Namen für sein Rutschfahrzeug und taufte es Bobby-Car. Inzwischen ist der geschützte Name zum Gattungsbegriff für das Spielzeug geworden. Ob Wohnmobil oder Mercedes SLS AMG: Viele Autohersteller wissen um das Potenzial des kleinen Autos und lassen Spezialauflagen nach realen Vorbildern fertigen. Auch Erwachsene haben ihren Spaß mit dem Bobby-Car: Dessen Karosserie wird mit Beton ausgegossen und man rast einen Berg hinunter. Auch Motorvarianten wurden schon von Bastlern gebaut. Der Temporekord liegt übrigens bei 111 km/h – ohne Motor.


Fahrrad-Cousin: 50 Jahre Kettcar
Während das Bobby-Car nur durch einen Lauf-Rutsch-Mix vorankommt, ist das Kettcar die nächste Aufstiegsstufe der lieben Kleinen. Hier ist Muskelkraft gefragt, denn ohne Tritt in die Pedale läuft hier nichts. Anno 1962 hatte der Fahrrad- und Möbelfabrikant Heinz Kettler in den USA Rennwagen für Kinder beobachtet und darauf basierend das Kettcar erfunden. Der Name ist aus Kettler und dem englischen ,car" zusammengesetzt. Die Zutaten: Kettenantrieb, Sitz, Lenkrad und ein Rohrrahmen. Komfortable Kunststoffsitze haben inzwischen die ursprünglichen Metallschalen ersetzt, ein geschlossener Kettenkasten schützt vor Verletzungen. Seit 1980 steht der Begriff ,Kettcar" sogar im Duden, bis 2012 wurden 15 Millionen Stück des Tretmobils verkauft.

75 Jahre Einkaufswagen
An ihm kommt man nicht vorbei, er ist das meistgebaute Ding auf Rädern weltweit: der Einkaufswagen. Doch nur die wenigsten wissen, wer ihn erfand: Sylvan Goldman heißt der Mann. Er betrieb 1937, also vor 75 Jahren, in Oklahoma City einen der ersten US-Lebensmittelläden mit Selbstbedienung. Goldman überlegte, wie er seinen Kunden das Schleppen der Waren durch den Laden erleichtern könnte und entwickelte einen Wagen. Als Grundlage diente ein Klappstuhl, der mit Rollen versehen wurde. Auf zwei Ebenen konnte man klassische Einkaufskörbe aus Metall abstellen. Bei Nichtgebrauch wurden die Körbe abgenommen und die Wagen zusammengefaltet an die Wand gelehnt. Angenehmer Nebeneffekt der Erfindung: Goldmans Kunden kauften mehr ein. Der Erfinder gründete sein eigenes Unternehmen, die heutige Unarco, einer der größten Hersteller von Einkaufswagen, aber auch Flughafen-Trolleys.

Diskreter Weltmarktführer
Gegen 1948 sollen die ersten Einkaufswagen in Deutschland aufgetaucht sein. Zu dieser Zeit wurde in den USA schon weiterentwickelt, es entstand das heute bekannte Modell zum Ineinanderschieben. Bis 1956 kamen ein Kindersitz zum Ausklappen, aber auch individuelle Griffe mit dem Namen der jeweiligen Ladenkette dazu. Weitere Schritte betrafen die Vereinheitlichung der Optik und abriebfreie Räder. Heutzutage werden Einkaufswagen nicht nur gegen Münzen abgegeben, ihr Volumen wird auch immer größer. In den USA sind bereits Modelle mit mehreren Körben im Einsatz, ebenso Kombinationen aus Elektrorollstuhl und Einkaufswagen. Weltgrößter Hersteller ist Wanzl im bayerischen Leipheim, pro Jahr werden rund zwei Millionen Einkaufswagen produziert.

Die wahren Volks-Wagen