Track-Test mit dem Opel Adam Cup

,Mehr Gas geben! Jetzt schalten – und dabei Fuß weg von der Kupplung! Und jetzt die Handbremse!" Die Anweisungen von Co-Pilot Horst Rotter sind kurz, knackig und unmissverständlich. Trotzdem sträubt sich etwas in mir, sie eins zu eins umzusetzen. Denn sie widersprechen allem, was man üblicherweise beim Autofahren beherzigen sollte. Aber wir sind ja weder auf einer öffentlichen Straße unterwegs, noch mit einem herkömmlichen Auto. Ich sitze am Steuer des Opel Adam Cup, das ist die Rallye-Variante des kleinen Lifestyle-Flitzers. Und mein Beifahrer und Lehrmeister weiß genau, wovon er spricht. Denn Horst Rotter ist nicht nur bei Opel für die Abstimmung sämtlicher Rallye-Fahrzeuge verantwortlich, sondern bringt nebenbei die Erfahrung aus über 30 Jahren Motorsport mit.

An alte Erfolge anknüpfen
Nach langer Pause macht Opel im Motorsport gerade wieder die ersten Schritte. Der krisengeplagte Autobauer will mit seinem Engagement das etwas angestaubte Image aufpolieren und an einstige Erfolge anknüpfen. Vor allem der Rallye-Sport steht für diese ,gute, alte Zeit" der Traditionsmarke. In diesem Zusammenhang darf natürlich Walter Röhrl nicht unerwähnt bleiben. Die deutsche Rallye-Ikone schlechthin wird zwar meist mit Audi in Verbindung gebracht, seine beiden Weltmeistertitel holte Röhrl aber 1980 auf Fiat – sowie 1982 auf Opel. Ende 2012 kündigte das Rüsselsheimer Unternehmen deshalb zur Freude seiner Fans die Rückkehr in den Motorsport an. ,Wir wollen mit unserem Engagement das Markenprofil schärfen und junge Leute früh an die Marke binden", erklärt Motorsport-Direktor Jörg Schrott.

Serien-Adam als Basis
Der Adam Cup fungiert dabei als Auto für Rallye-Einsteiger. Im Rahmen der ADAC Rallye Masters treten in der aktuellen Saison 24 der kleinen Flitzer in einem Markenpokal gegeneinander an. Als Basis dienen herkömmliche Serienfahrzeuge, die erst entkernt und anschließend mit allem ausgestattet werden, was für den Rallye-Einsatz in FIA-naher R2-Spezifikation vonnöten ist. Dazu gehören Karosserieanbauteile, ein Überrollkäfig, ein Racing-Fahrwerk, eine Brembo-Bremsanlage an der Vorderachse sowie ein sequenzielles Fünfgang-Getriebe mit Sperrdifferenzial. Und während beim Serien-Adam bei 100 PS Schluss ist, wird die Cup-Variante von einem 1,6-Liter-Sauger mit 140 PS angetrieben. Das klingt nicht nach allzu viel Power, doch dank eines Gewichts von lediglich 1.090 Kilogramm ist der kleine Renner damit dennoch flott unterwegs.

In vielfacher Weise gewöhnungsbedürftig
Zum ersten Mal mit einem Rallye-Auto unterwegs zu sein, erfordert etwas Eingewöhnung. Das fängt beim engen Sitz an, der selbst mit dem Rennschalensitz eines Audi R8 GT nur wenig gemein hat: ausgeprägte Wangen umschließen die Beine, den Oberkörper und den Kopf. Der Vierpunkt-Gurt wird so festgezurrt, dass der Fahrer so gut wie keine Bewegungsfreiheit hat. Und will man den Sitz verstellen, müssen erst zwei Mechaniker ran, um die Schale neu zu justieren und festzuschrauben. Der Ein- und Ausstieg wird durch zwei gekreuzte Querstreben des Überrollkäfigs erschwert. Das Cockpit trägt zwar Grundzüge des Serien-Adam, präsentiert sich aber aufs Nötigste reduziert. Geschaltet wird über einen riesigen Knüppel zwischen Fahrer und Copilot. Das sequenzielle Getriebe ist speziell für den Rallye-Sport entwickelt. Es gibt lediglich fünf Gänge, doch die sind so übersetzt, dass man mit 80 Sachen noch im Ersten fahren kann. Schalthebel nach hinten ziehen bedeutet hochschalten, Knüppel nach vorne drücken runterschalten. Eigentlich ganz einfach. Verzichtet wird hingegen aufs Kuppeln, und so kracht es bei jedem Gangwechsel, wie man es normalerweise nie hören will. Das ist gewöhnungsbedürftig und gelingt erst mit jeder weiteren Runde besser.

Es holpert und röhrt
Das Fahrwerk, mit Spezialfedern von Reiger ausgestattet, ist radikal und lässt jeden Hauch von Komfort vermissen. So holpert der kleine Flitzer also munter über den kleinen Parcours im hessischen Niemandsland, und röhrt gleichzeitig munter vor sich hin. Mit jeder Runde werde ich vertrauter mit dem Auto, fahre schneller und risikofreudiger – und nach einer Viertelstunde verstehe ich, warum Rallye ein großartiger Sport ist. Nach weiteren fünf Minuten winkt am Streckenrand jemand eifrig. Das bedeutet, dass jetzt eigentlich Schluss für mich ist. Eine finale Runde gönne ich mir noch – gebe ein letztes Mal alles und hole raus, was geht. Kaum steht der Adam Cup unter dem kleinen Pavillondach des Service-Teams, checken die Mechaniker das Auto, überprüfen Karosserie, Motor und Reifen. Ich steige – wie alle Kollegen vor und nach mir – mit einem breiten Grinsen aus. ,Fürs erste Mal in einem Rallye-Auto gar nicht schlecht", lobt mich Beifahrer Rotter.

Weitere Schritte folgen
24 Cup-Modelle vom Adam hat Opel bisher

verkauft. Interessenten hätte es für 80 Exemplare gegeben, doch für die erste Saison müssen zwei Dutzend zunächst einmal reichen. Für knapp 30.000 Euro erwerben die Kunden außer dem Auto zugleich das Teilnahmerecht am ADAC Rallye Cup. Der Adam Cup bildet erst den Anfang einer mehrstufigen Strategie. Für 2014 kündigt Motorsportchef Schrott eine stärkere Variante entsprechend dem R2-Reglement mit 185 PS an. Die kommende Corsa-Generation ist dann ab 2015 für den Start in der Europäischen Rallye-Meisterschaft ERC vorgesehen. Die Weltmeisterschaft ist laut Schrott hingegen kein Thema: ,Ein WRC-Engagement kostet Millionen." In Zeiten von Werksschließungen wären solche Ausgaben der Belegschaft kaum zu vermitteln.

Bildergalerie: Adam als Rallye-Flitzer