Tscheche auf Abwegen: Im Skoda Yeti durch Namibia

Armer Yeti: Erbarmungslos prasselt der Schotter an den Unterboden des Kompakt-SUV. In einiger Entfernung ist die Staubwolke des vor uns fahrenden Yeti sichtbar, die das Auto komplett einhüllt. Scheinbar endlos zieht sich das breite rötliche Band durch die schier gigantischen Weiten Namibias. Doch Skoda hat es so gewollt: In nur fünf Tagen geht es mehr als 1.500 Kilometer weit durch die frühere deutsche Kolonie.

Deutschland mal zwei
1.500 Kilometer: Das würde locker reichen, um von Flensburg bis an den Gardasee zu fahren und zeigt, wie riesig Namibia ist. Das Land am südlichen Ende des afrikanischen Kontinents ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland, beherbergt aber gerade einmal 2,2 Millionen Einwohner. Auch deswegen ist Gegenverkehr außerhalb größerer Orte Mangelware. Gut so, denn wir müssen uns mit deutschen Fahrzeugen im Linksverkehr bewähren. Die Darmstädter Kennzeichen unseres Konvois sorgen vor allem bei deutschen Touristengruppen für Aufsehen, die nicht wissen können, dass die Yetis per Schiff nach Namibia gekommen sind. Apropos Yeti und Namibia: Der Gelände-Skoda wird dort offiziell gar nicht verkauft. Unsere fünf Fahrzeuge sind mehrheitlich mit Allradantrieb und 140-PS-Diesel ausgerüstet, eine Kombination, die Sinn macht, denn zwischen einzelnen Tankstellen können schon mal deutlich über 100 Kilometer liegen. Einzige Änderungen zur Serienversion: Funkgerät, Reserverad auf dem Dach und ein Abdeckblech für den Unterboden, um insbesondere den Tank zu schützen.

Grüße vom Warzenschwein
Eine der wichtigsten Regeln, die man uns auf den Weg gibt, lautet: Genug Abstand halten, 200 Meter und mehr! Nach den ersten Kilometern auf Schotter- und Geröllpiste wissen wir den Grund: Der Vordermann wirbelt so viel Staub auf, dass er teilweise sogar bei 300 Meter Distanz nicht mehr auszumachen ist. Und noch etwas erfordert volle Aufmerksamkeit: Neben der Straße leben allerlei Wildtiere vom Strauß bis zum Warzenschwein, die es herzlich wenig schert, ob ein Skoda Yeti mit 100 Sachen angebraust kommt. Bremsen? Vergessen Sie es. Das Fahrverhalten des Yeti unterscheidet sich bis auf etwas mehr Einflüsse im Lenkrad nicht von Asphalt, überraschend komfortabel dämpft die Federung. Um auf den schier endlos langen Straßen nicht wegzunicken, schweift unser Blick über die atemberaubende Landschaft. Namibia besteht größtenteils aus Wüste, was auch die geringe Einwohnerzahl erklärt.

Wanderung im Pulver
Die gigantischen Dünen im Namib Naukluft Park schimmern rötlich in der gleißenden Sonne. Ihre spezielle Farbe beruht auf Erzpartikel im Sand, die über die Jahrhunderte rosten. Tapfer wühlt sich der Yeti mit maximal 30 km/h durch die letzten Meter im Sand bis zu unserem Ziel, das Fahrverhalten erinnert stark an Aquaplaning. Zu Fuß geht es anschließend auf eine der höchsten Dünen. Nur 300 Meter misst sie und erfordert doch höchste Anstrengung. Bei jedem Schritt sackt man im feinen Sand ein, sofort rieselt neue rote Masse nach. Als Belohnung winkt eine gigantische Aussicht: Bis zum Horizont erstreckt sich die Wüste. Und sie hat tatsächlich einen eigenen Geruch, der als süßlich-herb beschrieben werden kann.

Man spricht deutsch
Am Tag darauf geht es nach Swakopmund, der trotz nur 40.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Namibias. Der Ort an der Atlantikküste wirkt nicht ohne Grund sehr deutsch: Von 1884 bis 1915 war Namibia alias Deutsch-Südwestafrika Kolonie von Kaisers Gnaden. Danach verwaltete Südafrika das Gebiet, erst 1990 wurde Namibia unabhängig. Beim Stadtrundgang durch Swakopmund trauen wir unseren Augen nicht: hier das Amtsgericht von 1906, dort die Schrödergasse und zu guter Letzt der ,Swakopmunder Männergesangsverein von 1902". Der namensgebende Swakop-Fluss tritt zwei Stunden außerhalb der Stadt nochmals in Erscheinung: Als sich der Swakop vor 450 Millionen Jahren in weiche Gesteinschichten gegraben hat, entstand eine fast vegetationslose Mondlandschaft. Nein, eine Mondlandefähre der NASA haben wir nicht entdeckt, obwohl die beeindruckende Optik der Landschaft zwischen Erdtrabant und Endzeitstimmung liegt. Das weiß auch Hollywood und dreht dort zurzeit den neuesten Teil der ,Mad Max"-Reihe.

Giraffe in Reichweite
Und wo bleiben die wilden Tiere, fragen Sie nun zurecht. Kein Problem: Am vorletzten Tag bringt uns der Yeti zu einer Safari Lodge nahe des Mount Etjo, eines gut 2.000 Meter hohen Tafelbergs. Hier befindet sich das Okonjati-Wildreservat mit einer Fläche von 30.000 Hektar, also so groß wie München. In dieser beeindruckenden Landschaft begegnen wir Zebras, Antilopen und Giraffen. Hautnah, ohne Gitter und in üppiger Anzahl. Gegen 18 Uhr taucht der Sonnenuntergang die Savanne in ein besonderes Licht, denn in Namibia herrscht offiziell Winter.

Einmalige Eindrücke
Zeit für ein Resümee: Der Skoda Yeti hat sich auf den rauen Pisten Namibia wacker geschlagen, lediglich drei kaputte Reifen stehen am Ende für unseren Fünfer-Konvoi zu Buche. In Millionen von Jahren entstandene Landschaften zeigen dem Menschen, dass auch er nur ein kleines Rädchen in der Evolution ist. Und schließlich eine Naturvielfalt, die bleibende Eindrücke hinterlässt. In diesem Sinne: ,Enda nawa", Namibia! Tschüss und auf Wiedersehen!

Plattfuß in Afrika