BMW M feiert M-Festival am Nürburgring

Das 41. 24-Stunden-Rennen am Nürburgring sollte keines werden. Bernd Schneider, Jeroen Bleekemolen, Sean Edwards und Nicki Thiim im Mercedes SLS AMG GT3 gewannen in 14,5 Stunden, 88 Runden waren sie da gefahren, 9,5 Stunden hatten sie gewartet. Doch dazu später.

BMW M Festival
Das seit 1970 ausgetragene Rennen auf der Nordschleife gilt als Klassiker und Schauplatz der wohl größten Motorsportparty der Welt. Seit drei Jahren veranstaltet BMW M inmitten des Spektakels das M-Festival. Hier können Fans der leistungsstarken BMW-Tochter gemeinsam das Rennen verfolgen und ihrer Leidenschaft für schnelle Autos frönen. Der Rahmen ist gut gewählt: Kein anderer Hersteller konnte in der Grünen Hölle bisher öfter gewinnen als die Münchner Autobauer. 19 erste Plätze, davon acht Doppelerfolge und über 150 Klassensiege vermeldet die Statistik für die bisher 40 ausgetragenen Rennen.

M6 Gran Coupé
Die Anreise in die Eifel erfolgt im M6 Gran Coupé. Das ist mir zwar schon mal von der Rennstrecke bekannt, doch wirklich zu Hause ist der Luxussportler auf der Straße. Ich bin gespannt. Schon nach wenigen Metern ist klar: Sorgen, dass das Fahrwerk zu ruppig für mehrstündige Reisen ist, muss man sich nicht machen. Der Viertürer ist zwar straff aber trotzdem komfortabel abgestimmt. Selbst im Sportmodus federt er Unebenheiten gut ab. So frisst das Coupé Kilometer um Kilometer, benötigt nur ein Stupsen am Lenkrad,um auf Kurs gehalten zu werden und läuft, als läge es auf Schienen. Unter der Haube wummert ein 4,4-Liter-Achtzylinder, der 560 PS generiert und herzhafte 680 Newtonmeter in einem Drehzahlbereich von 1.500 bis 5.750 Umdrehungen auf die Achse krachen lässt und das Coupé mit Leichtigkeit an die 300-km/h-Grenze treibt. Trotz der geballten Kraft wirkt der Wagen bei jedem Tempo herrlich ruhig und entspannt.


Der stärkste Buchstabe der Welt
Am Nürburgring angekommen, ist ein Tempowechsel von Nöten. Zum Höhepunkt des M-Festivals fahren über 200 M-Fahrzeuge im Corso über die Nordschleife. Der Klang der Hupen vermischt sich mit dem Jubel der Zuschauer zur freudigen Klangkulisse. Abends präsentiert die Münchner Sportwagenschmiede dann in Sichtweite der Rennstrecke ihren neusten Zuwachs: die ab Juli erhältliche Hochleistungslimousine M5 und das M6 Coupé mit Competition-Paket, welches außerdem auch für das M6 Cabrio, M6 Gran Coupé und den neuen M5 erhältlich ist und der Steigerung der Handling-Qualitäten dienen soll.

Flo
Am Sonntag bleibt Zeit für einen Marsch über die Zeltplätze rund um den Ring. Dort treffe ich Flo. Flo steht in Jeans und weißem T-Shirt mit rotem ,Sponsored-Race-Car"-Schriftzug im Matsch an der Nordschleife und versucht unter den rennsportverrückten Schlamm-Campern Unterstützer zu finden. Seine Idee: Motorsport für jedermann zugänglich zu machen. Der Traum vom professionellen Rennfahrer kentert nur all zu oft aufgrund fehlender Sponsoren und finanzieller Mittel an den Klippen der Realität.

Credits für Mitbestimmung
Doch Flo hat einen Plan. Crowdfunding, Gruppenfianzierung. Auf seiner Homepage kann sich jeder durch den Kauf von Credits am Aufbau seines Rennteams beteiligen. Die Credits zählen wie Stimmen bei einer Wahl und können bei der Entscheidung über das Auto, die Umbauteile und die Zusammenstellung des Teams eingesetzt werden. Als Mechaniker und Rennfahrer kann sich jeder bewerben, die Community entscheidet, wer dabei ist und eine intensive Ausbildung von einem professionellen Motorsportunternehmen erhält. Wenn Flos Traum Wirklichkeit wird, jagen er und sein Team schon bei einem der nächsten 24-Stunden-Rennen ein in Gemeinschaftsarbeit entstandenes Sponsored-Race-Car-Auto über die Nordschleife.


Ulli
Schulterlange, strähnige Haare, ärmelloses Rolling-Stones-Shirt, Strickmütze – das ist Ulli. Ulli spricht mich auf Englisch an, weil ich so britisch aussehe, schlurft in ein Zelt, kommt wieder, drückt mir eine Flasche Cola in die Hand und erzählt. Früher war er Mechaniker bei Porsche und hat die Rennwagen fit für die Dauerbelastung gemacht. Ende der 70er, Anfang der 80er ist er dann selber viermal die 24 Stunden gefahren. Nun schaut er zu. Seit über 20 Jahren, immer an der gleichen Stelle, den Zaun, der das temporäre Lager von der Rennstrecke trennt, stets im Blick.

Heiße Dusche
Inzwischen haben er und seine Kumpanen das Leben im Wald professionalisiert. An einer Pressspanplatte mitten im Dreck hängt ein Waschbecken, darüber ein Spiegel und Ablagefächer für Seife und Zahnpasta. Auf die Dusche ein paar Meter weiter ist Ulli besonders stolz. Vom Bretterverschlag führt ein dicker Schlauch ins nahe gelegene Lagerfeuer, in dem ein Durchlauferhitzer steht. Der erhitzt das Wasser, bevor eine Pumpe es zurück in die Duschkabine pumpt und für ein wenig Luxus im Wald sorgt. Sogar ein Abfluss wurde vor Jahren unter der Böschung hindurchgegraben. Ulli lächelt zufrieden.

Fehlplanung
Als er über die Zukunft des legendären Rundkurses zu sprechen beginnt, verdüstert sich sein Blick. Die Planung ist schon vor Jahren aus dem Ruder gelaufen. Luxus-Einkaufsmeilen machen im 140 Kilometer entfernten Düsseldorf Sinn, doch mitten ins Nirgendwo der grünen Hölle verirrten sich kaum Kaufkräftige für einen Shoppingtrip. Ulli hofft, dass der Ring erhalten bleibt. Legenden verkauft man nicht. Sein Oberarm zieren die Konturen der Rennstrecke – samt Auslaufzonen, darauf hat er seiner Zeit bestanden – in der Mitte prangt ein Schriftzug: Green Hell.


Wasser marsch
Am Nachmittag treibt der Wind dunkle Wolken über die Eifel. Beim Rennstart um 17 Uhr sieht es noch so aus, als ob der erwartete Regen ausbleibt, doch mit Einbruch der Dunkelheit fällt er sintflutartig vom Himmel. Fahrer brettern durch die Pfützen, Räder verlieren immer öfter die Traktion, Wasser vermindert die Sicht. Um 22:30 Uhr wird das Rennen unterbrochen. 9,5 Rennstunden vergehen, ohne das ein Rennwagen über den Ring donnert. Restart am Montag um 8:00 Uhr. Die Autos kreiseln unkontrolliert durch die Auslaufzonen und landen immer wieder in den Streckenbegrenzungen. Doch langsam lässt der Regen nach, der Asphalt beginnt zu trocknen. Wer bis jetzt durchgehalten hat, kann wieder auf Angriff fahren.

Mercedes-Benz SLS AMG GT3
Um 17:00 Uhr wird die schwarz-weiß-karierte Flagge geschwenkt. Rennende, es jubelt Mercedes. Erstmals in der Geschichte des Langstreckenklassikers fahren die Stuttgarter den Gesamtsieg ein. DTM-Rekordchampion Bernd Schneider strahlt, es ist sein Triumph: ,Ich habe in meiner Karriere fast alles gewonnen, was ich gewinnen wollte, nur bei diesem Rennen bin ich noch nie ins Ziel gekommen". Schneider war bei allen bisherigen 24-Stunden-Starts vorzeitig ausgefallen.

BMW Z4
Freude auch im BMW-Lager. Es sah alles nach einem dreifachen SLS-Erfolg aus, doch zwei Runden vor Schluss schob sich der BMW Z4 von Maxime Martin, Andrea Piccini, Yelmer Buurman und Richard Göransson an zwei SLS AMG GT3 der Rowe-Racing-Mannschaft vorbei und sicherte sich so Platz zwei. Der schwarze Z4 GT3 vom BMW Team Schubert landete auf dem sechsten Platz. Schlechter erging es dem zweiten Schubert-Z4 mit dem doppelten Pechvogel Augusto Farfus. Erst musste ,Gustl" bei der DTM in Brands Hatch seinen Boliden nach nur 33 Runden wegen eines Defekts abstellen, dann schied sein Z4-Team auf der Nordschleife wegen technischer Probleme nach nur acht Runden aus.

Feierabend
Wenige Stunden nach dem Rennen ist Nürburg wieder wie ausgestorben. Viele Besucher sind vorzeitig abgereist, nachdem der Regen ihre Zelte weggeschwemmt und den Boden in Schlammlöcher verwandelt hat. Ulli hat wohl bis zum Ende ausgeharrt, das Eifelwetter kann ihn nicht von seiner Passion abhalten. Auch Flo war bis zum Schluss da, um mit aller Kraft an der Verwirklichung seines Traums zu arbeiten.

Mit 560 PS nach Hause
Am Ende des Tages wartet das M6 Gran Coupé in der Garage auf die Heimfahrt. Gar nicht so einfach, nach Tagen an der Rennstrecke vernünftig zu fahren – schon gar nicht mit 560 PS im Gepäck. Ein Streicheln des Gaspedals genügt, um das Sportcoupé nach vorne preschen zu lassen, von den rund zwei Tonnen Gewicht ist wenig zu spüren. Der Luxussportwagen fliegt über die Straße in Richtung München und klebt dabei am Asphalt wie der Nürburgring-Schlamm an den Schuhsohlen.

Ring unter