Widerstand von Ferrari, keine passenden Partner: New Stratos wird nicht gebaut

Man nehme ein verkürztes Chassis vom Ferrari 430 Scuderia, gestalte eine Karosserie aus Kohlefaser und arbeite mit Pininfarina zusammen. Der Coburger Michael Stoschek hat nach diesem Rezept das Fahrzeugprojekt New Stratos in Leben gerufen, eine Neuinterpretation des legendären Sportwagens Lancia Stratos aus den 1970er-Jahren. Stoschek, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung des Automobilzulieferers Brose, ließ sogar Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo in dem bereits im November 2010 fertig gestellten Auto-Keil Platz nehmen. Nach Angaben der Projektverantwortlichen gibt es 50 Interessenten für den Sportwagen, der wahlweise auf Basis des Ferrari F430 oder 360 gebaut werden sollte. Die können ihr Scheckbuch nun wieder wegstecken, denn aus der Kleinserie wird nichts.

Pininfarina-Know-how kaum übertragbar
Nach Angaben der Stoschek-Truppe liegt dies in der Haltung von Amedeo Felisa begründet. Der Ferrari-CEO will nicht, dass Firmen an der Produktion des New Stratos beteiligt sind, die mit Ferrari zusammenarbeiten. Zuvor hatte sich Pininfarina bereit erklärt, die Kleinserie nach Einverständniserklärung durch Ferrari zu bauen. Pininfarina kann als Hausdesigner des Sportwagenherstellers bezeichnet werden. Zwischen den Zeilen der jüngsten New-Stratos-Pressemitteilung wird angedeutet, dass Ferrari wohl den New Stratos als Konkurrenz zum aktuellen Ferrari 458 Italia, dem Nachfolger der Modelle 360 und F430, ansieht. Da die Tür Pininfarina also verschlossen ist, wurden alternativ Partner außerhalb Italiens zum Bau der New-Stratos-Kleinserie gesucht. Allerdings erfolglos: Zwar lägen alle Pläne für Chassis und Karosserie als CAD-Zeichnungen vor, doch sei das Wissen um viele Details zum Zusammenbau und dem Finish ,nur in den Köpfen einiger hoch qualifizierter Mitarbeiter von Pininfarina gespeichert". Somit sei das Know-how kaum auf andere Partner zu übertragen. Sprich: Stoschek fürchtet, dass keine Firma das Qualitätsniveau des Einzelstücks reproduzieren kann. Das einzige gebaute Exemplar des Zweisitzers soll weiter bei Gelegenheiten wie Motorsportveranstaltungen oder Ausstellungen gezeigt werden.

New Stratos – das Einzelstück
Das Einzelstück des New Stratos folgt in seiner Linienführung dem Original von 1971, beziehungsweise der Straßenversion Stradale. Charakteristisch ist die stark gewölbte und nach vorn gezogene Frontscheibe. Der aktuelle Renner ist mit einem 4,3-Liter-V8 des Ferrari 430 Scuderia ausgerüstet. Mit Hilfe einer Steuergerät-Modifikation und einer Hochleistungs-Abgasanlage mit Sportkatalysatoren generiert das Aggregat 540 PS und 519 Newtonmeter Drehmoment. Bei der Konstruktion standen ein sehr gutes Spurtvermögen und gute Abtriebswerte im Vordergrund. Die Getriebeübersetzung fällt kurz aus – von null auf 100 km/h geht es in 3,3 Sekunden, 200 km/h sind in 9,7 Sekunden erreicht. Prestige durch Höchstgeschwindigkeit überlässt der New Stratos dagegen anderen: Maximal sind 274 km/h drin. Zu den technischen Änderungen gegenüber dem Ferrari F430 gehören unter anderem Veränderungen am Fahrwerk, der Einbau von Brembo-Bremsen, die Umrüstung auf eine elektrohydraulische Lenkung sowie der Einbau eines neuen mechanischen Sperrdifferenzials.

Gallery: Doch keine Kleinserie